VTI-Fahrt nach Xanten

Archäologischer Park und LVR-RömerMuseum

 

Beinahe voll besetzt war der Neoplan-Starliner-Bus der Firma Wiedenhoff mit Herrn Makossa am Steuer, als er am Mittwoch, den 21. Oktober, zu unserer Jahresabschlussfahrt vom Parkplatz am Solinger Kunstmuseum startete. Wir waren noch nicht auf der Autobahn bei Haan-Ost, als es nur noch zentimeterweise vorwärts ging. Von Haan-West versuchte Herr Makossa über Schleichwege die Autobahn A3 zu erreichen, wo es wegen der Großbaustelle auch nicht so richtig voran ging. So erreichten wir unser Ziel, den Archäologischen Park in Xanten, trotz großzügiger Planung leider eine halbe Stunde zu spät.

Da unsere Guides bereits am Haupteingang auf uns warteten, ging es aufgeteilt in zwei Gruppen mit der Führung sofort los. Unser erstes Ziel war das Amphitheater. Im Rund der Arena erfuhren wir zuerst etwas zur Geschichte der römischen Ansiedlung. So hatte man etwa im Jahre 15 v. Chr. südöstlich vom heutigen Xanten das römische Militärlager Castra Vetera I gegründet. Um ca. 70 n. Chr. wurde dieses Lager während des Aufstandes der Bataver, eines germanischen Stammes, der in der Nähe der Rheinmündung siedelte, von diesen zerstört. Daraufhin errichteten die römischen Legionäre unweit vom ersten Lager am Rhein, der nach der vernichtenden Niederlage der Römer gegen die Germanen in der Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. zusammen mit dem Limes die Grenze zum Germanenreich bildete, das neue Lager Castra Vetera II. Zu dieser Zeit entstand nahe der am Limes entlang verlaufenden Römerstraße eine Siedlung namens Colonia Ulpia Traiana, die um 105 vom Kaiser Trajan die Stadtrechte verliehen bekam und die sich nach Köln zum zweitwichtigsten Hafen und Handelsplatz am Niederrhein entwickelte. Das Stadtgebiet war ungefähr 900 × 900 Meter groß und von einer 3,4 Kilometer langen und 6,6 Meter hohen Befestigungsmauer mit Stadttoren und Wehrtürmen eingefasst. Zu ihrer Blütezeit im 2. Jahrhundert lebten rund 10.000 Einwohner in ihr, sie war damit nach Köln und Trier die drittgrößte Stadt nördlich der Alpen. Das schachbrettartige Straßennetz gliederte die Stadt in 40 Karrees mit etwa 120 × 120 Metern. Neben dem Hafen gehörten zur Stadt eine Wasserversorgung, ein Kanalisationssystem, mehrere Tempel, ein Amphitheater, ein Forum (Marktplatz) und eine umfangreiche Thermenanlage. Im Jahre 275 wurde die Stadt dann von den Franken eingenommen und beinahe völlig zerstört. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts eroberten die Römer die Stadt zwar wieder, aber sie gewann im Rahmen der Völkerwanderung nicht mehr die alte Bedeutung zurück und wurde deshalb nach und nach aufgegeben.

Das 99 × 87 Meter messende Amphitheater ist ein beeindruckender, wenn auch erst in den 1980-er Jahren entstandener Rekonstruktionsbau, der die unteren Zuschauerränge rund um die 60 × 48 Meter große Arena und nur etwa ein Viertel der Oberränge nachbildet. Das römische Vorbild baute 10 Meter hoch und bot 10.000 Zuschauern Platz, also allen Einwohnern der Colonia. In den Gewölbegängen und Kammern unter den Zuschauerrängen, in denen sich ehedem die Gladiatoren aufhielten und wo auch die Käfige für die wilden Tiere untergebracht waren, informiert man heute in einer Ausstellung über das Leben und die Ausbildung der Männer, die diesen manchmal gefährlichen Beruf ausübten.

Hinter dem Amphitheater zeigte und erklärte uns unser Gästeführer einen römischen Baukran, der mit Hilfe von Speichenwinden (wie Ankerspill auf Großseglern) und Seilübersetzungen mit einem 4 cm dicken Seil Lasten bis zu einem Gewicht von neun Tonnen heben kann.

Unser nächstes Ziel war die Herberge, wo wir die vollständige Rekonstruktion der zugehörigen Therme einschließlich der geschmackvollen farblichen Gestaltung bestaunten. Das nach römischen Vorbildern kunstvoll ausgestatte Badehaus war zunächst mit seiner Heizung und den Warm- und Kaltwasserbecken sogar funktionsfähig, aber nachdem die Feuer ausgegangen und das Gebäude wieder abgekühlt war, entstanden Risse, die einen erneuten Betrieb leider nicht mehr zulassen.

Gegenüber der Herberge sind drei einfache Häuser in Stampflehmbauweise und Fachwerk entstanden, wie sie zu jener Zeit von einfachen Leuten wie von Handwerkern bewohnt wurden. Die Werkstätten im Erdgeschoss (Schmiede und Weber/Textilwerkstatt) und die Wohnräume im Obergeschoss sind detailgetreu wiederentstanden und teilweise auch möbiliert.

Ein Stück weiter neben dem Gebäude des RömerMuseums versteckt sich in einem Zelt eine einfache Werft, auf der Interessierte den Schiffszimmerleuten beim Bau von Schiffen nach römischem Vorbild zusehen können. Aus einem recht gut erhaltenen Schiffsfund aus den 90-er Jahren ließ sich ein inzwischen fertiges 15 Meter langes Plattbodenschiff rekonstruieren, das völlig ohne Eisennägel gezimmert wurde und dessen antikes Vorbild wahrscheinlich als Rheinfähre gedient hat und das bei einem Tiefgang von nur 50 Zentimetern eine Fracht von 10 Tonnen transportieren konnte.

Da es mittlerweile ungemütlich kalt geworden war und ein eisiger Wind wehte, waren wir froh, dass wir endlich das Gebäude des LVR-RömerMuseums betreten durften. Zunächst bat uns der Museumsführer in den direkt nebenan gelegenen lichtdurchfluteten Thermenschutzbau, der über den Ruinen der eigentlichen Baderäume errichtet worden ist und der in seiner Struktur und den Maßen das antike Gebäude nachempfindet. Die Anlage mit Fußbodenheizung und erwärmten Wänden muss ein wahrer Badepalast gewesen sein mit Kalt-, Warm- und Heißwasserbecken, Umkleide- und Ruheräumen sowie Toiletten, einem Innenhof mit Säulengängen und einer Ladenzeile zur Versorgung der Besucher, denn die Thermen waren nicht nur Badeanstalt, sondern auch soziales Zentrum. Hier tauschte man Neuigkeiten aus, unterhielt sich und machte Geschäfte.

Wieder zurück im Hauptgebäude des Museums, das sich über den ausgegrabenen Fundamenten der Thermenvorhalle des römischen Stadtbades erhebt und das in seiner Stahl- und Glaskonstruktion die Form und die Größe des antiken Vorbildes nachzeichnet, staunten wir über die Größe (70 Meter lang, 20 Meter hoch) des damals als Multifunktionshalle genutzten Gebäudes. Über Rampen und Ebenen erschließt sich dem Besucher eine Ausstellungsfläche von rund 2000 Quadratmetern, auf der 2500 seltene und hochinteressante Exponate aus der Zeit der Römer zu bestaunen sind. Beeindruckend ist der Gedenkstein für Marcus Caelius, einen in Xanten stationierten Centurio (Offizer einer Hundertschaft in der römischen Legion), der in der Varusschlacht sein Leben ließ – er ist das einzige Zeugnis für diese geschichtsträchtige Schlacht. Diverse Rüstungen, Waffen, Helme und weitere Ausrüstung der Legionäre werden gezeigt, aber auch Werkzeuge, Arbeitsgeräte und Gegenstände für den damaligen täglichen Gebrauch.

Wegen der bei der Anreise verlorenen Zeit mussten wir das interessante Museum leider zu früh verlassen und deshalb ein guter Grund ist, nochmal hinzufahren, aber wir waren in der „Römischen Herberge“ zum Mittagessen angemeldet. Im nach römischem Vorbild gestalteten Restaurant konnten wir uns nach dem Fußmarsch über das Museumsgelände wieder aufwärmen und stärken und lukullisch Interessierte durften sogar Gerichte nach antiken Originalrezepten wie „Numidisches Huhn“ oder „Ferkelbraten auf Ostienser Art“ versuchen. Ein kurzer Verdauungsspaziergang führte uns zum Bus, der uns die paar Meter bis zur Anlegestelle des Fahrgastschiffs „Seestern“ am Xantener Südsee brachte.

Dort gingen wir an Bord des kleinen Ausflugschiffes, mit dem wir eine 90-minütige Rundfahrt über die beiden ehemaligen Baggerseen – jeder etwa 110 Hektar groß, 15 Meter tief und durch einen Kanal miteinander verbunden – unternehmen wollten. Zusammen bilden sie ein sehr schönes Naherholungsgebiet mit zwei Sport- und Freizeithäfen, einer Wasserski-Anlage und einem Strandbad. In den Seen darf aber auch getaucht und geangelt werden. Ein Uferweg, der zum Wandern und Fahrradfahren einlädt, führt um die beiden Gewässer herum. Während wir die ruhige Fahrt genossen, servierte uns die Crew Kaffee und Kuchen und auf Wunsch auch andere Getränke, dazu war Gelegenheit für interessante und auch private Gespräche. Selbst im Freien auf dem Oberdeck ließ es sich wieder aushalten. So kamen wir nach eineinhalb Stunden zurück an den Ausgangspunkt unserer Seereise, wo wir uns vom jungen Kapitän Nikolai Nachtigall verabschiedeten und von Bord gingen.

Der Kapitän unseres dreiachsigen Schiffes brachte uns dann auch ohne entsprechende Schirmmütze nach ruhiger Fahrt wieder gut in unseren Heimathafen zurück – Herrn Makossa sei dafür gedankt.

Organisation: Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)