Fahrt nach Remscheid und Burscheid

Falknerei Bergisch Land und Federal-Mogul Burscheid GmbH

 

An der Fahrt nach Remscheid und Burscheid am 09.08.2018 nahmen 41 Vereinsmitglieder teil.

Nach der Fahrt durchs Morsbachtal erreichte der Bus über enge Straßen die Falknerei in Remscheid. Viele Teilnehmer konnten sich noch an das Tanzlokal „Zur Grüne“ erinnern, das sich dort bis 2012 befand.

In den ersten Volieren hatten wir Gelegenheit, Greifvögel aus Europa, Asien und Amerika zu beobachten. Auf einer Waldlichtung fand dann die Flugvorführung mit ausführlichen Erläuterungen statt. Von 240 Eulenarten sahen wir die Schleiereule, den Bartkauz und den Uhu. Besonders beeindruckend war der lautlose Flug über die Köpfe der Zuschauer. Die Augen sind unbeweglich aber die Eulen können den Kopf bis 270° drehen. Mit ihren scharfen Augen und ihrem guten Gehör sind sie gut für die Jagd in der Nacht angepasst.

       

Dagegen machte der Geier deutliche Fluggeräusche. Er frisst Aas und hat daher einen gut entwickelten Geruchssinn.

Der Mäusebussard ist der in Deutschland am häufigsten anzutreffende Greifvogel. Der Weißkopfseeadler war der größte Vogel bei der Vorführung. Er machte einen Ausflug in die umliegenden Bäume und wurde mühsam wieder angelockt.

Der Falklandkarakara gehört zu den falkenartigen Raubvögeln, ist schlau und ein guter Läufer. Ihm machte das Hütchenspiel sichtlich Spaß. Nach der Vorführung gab es noch Gelegenheit sich mit dem Weißkopfseeadler fotografieren zu lassen.

Nach dem Besuch dieses interessanten Ausflugziels fuhren wir mit dem Bus zur Autobahnraststätte Remscheid und nahmen dort unseren Mittagsimbiss ein.

Nach kurzer Fahrt über die A1 erreichten wir Burscheid und das Werk 1 von Federal-Mogul Burscheid GmbH. Dort wurden wir von Dr. Robota begrüßt, der uns das Unternehmen und seine Produkte vorstellte.

1887 gründete Friedrich-Wilhelm Goetze in Burscheid einen Betrieb zur Herstellung von Stopfbuchsdichtungen für Dampflokomotiven. Ab 1912 wurden Kolbenringe für Verbrennungs-motoren produziert. Ab 1924 gehörten auch Zylinderkopfdichtungen zum Fertigungsprogramm. 1998 wurde die Goetze AG von der amerikanischen Federal-Mogul übernommen. Weltweit hat Federal-Mogul ca. 50.000 Mitarbeiter. Ende 2018 wird Federal-Mogul von Tenneco, einem anderen, etwa gleich großen, amerikanischen Automobilzulieferer übernommen.

2017 machte Federal-Mogul Burscheid GmbH mit ca. 1.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 192 Mio Euro. Es werden ca. 260.000 Kolbenringe pro Tag gefertigt.

Der Kolbenring ist ein unscheinbares aber extrem wichtiges Element des Verbrennungsmotors. Normalerweise hat jeder Kolben 3 Kolbenringe. Der oberste Ring (Verdichtungsring) dichtet den Brennraum ab. Der untere Ring streift das Öl von der Zylinderwand ab. Der mittlere Ring unterstützt beide Aufgaben. Die Kolbenringe werden nicht kreisrund hergestellt und haben eine Öffnung. Dadurch wird im eingebauten Zustand ein gleichmäßiger Anpressdruck erzielt.

Kolbenringe werden aus Guss- oder Stahlwerkstoffen hergestellt. Die uns überreichten Kolbenringe sind trapezförmige Gussringe wie sie in großen PKW Dieselmotoren zum Einsatz kommen.

In Burscheid werden 120 verschiedene Designs in Durchmessern bis 500 mm gefertigt. Es sind insgesamt ca. 100 Arbeitsschritte erforderlich. Durch eine optimierte Beschichtung kann eine Kraftstoffeinsparung von 1% erzielt werden.

Im Motorenprüfstand von Federal-Mogul sind 23 Mitarbeiter tätig. Auf 19 Motorprüfständen werden Motoren aller Hersteller getestet. Für die Kolbenringentwicklung werden insbesondere die Schmierung, der Verschleiß, Dauerlauf und Emissionen untersucht. Daneben werden auch Kolben, Gleitlager, Dichtungen, Zündkerzen, Ventile und Zylinderbuchsen geprüft.

Es können statische und dynamische Programme gefahren werden. Auch ein Programm für die Emissionen im praktischen Fahrbetrieb (Real Driving Emissions –RDE-) wurde entwickelt. Es wurden spezielle Messmethoden für den Ölverbrauch und Reibungsmessungen entwickelt. Die Belastung des Motors wird durch Wirbelstrombremsen oder einen Generator simuliert. Der Generator ermöglicht auch einen Schubbetrieb des Motors.

Die Fertigung in Burscheid arbeitet in 3 Schichten. Die im Stapelguss hergestellten Rohlinge werden angeliefert. Außen und innen werden die Ringe unrund abgedreht. Der Ring wird profiliert und anschließend aufgetrennt. Nach dem Verchromen erfolgt das Rundläppen. Mit Hilfe eines Lasers werden die Ringe beschriftet um die Einbaurichtung zu bezeichnen. Abschließend wird jeder Ring visuell geprüft.

Wir hatten hier Gelegenheit einen wichtigen Zulieferer der Auto- und Verbrennungsmotoren Hersteller kennenzulernen und waren überrascht von der Variantenzahl und dem über Jahrzehnte gesammelten Know-how bei diesem kleinen Motorbauteil. Zur Zukunft des Verbrennungsmotors befragt sagte Herr Dr. Robota, dass bei der derzeitigen Diskussion viele Probleme der Elektromobilität außer Acht gelassen würden. Die Speicherung flüssiger Brennstoffe und Nutzung im Verbrennungsmotor sei immer noch besonders effizient und emissionsarm. Die Zukunft liege in der Erzeugung vollsynthetischer Kraftstoffe möglichst aus regenerativer Energie. Diese Kraftstoffe verbrennen ohne Rußbildung und ermöglichen daher eine wirkungsvolle Abgasreinigung.

Wir dankten Herrn Dr. Robota und seinen Mitarbeitern für diesen interessanten Besuch. Über Hilgen und Witzhelden erreichte der Bus wieder Solingen.

Organisation: Jürgen Stamm
Fotos: Ursel Stamm
Bericht: Roland Meis