VTI-Tour nach Ried/Oberinntal in Tirol

 

Lange hatten wir darauf gewartet und uns gefreut, bis es dann am Sonntag, den 17. September 2017, morgens früh um sieben Uhr endlich so weit war. 44 erwartungsfrohe VTI-Mitglieder füllten den Wiedenhoff-Reisebus bis auf den letzten Platz aus – mit an Bord waren auch unser Leib- und Magen-Fahrer Hartmut Makossa, der die ganze Woche für unseren wie immer guten Transport zuständig war, und seine Frau Jessica. Über Würzburg und Ulm erreichten wir den Grenzübergang bei Füssen, wo es dann auf österreichischer Seite vorbei an der Zugspitze über den Fernpass nach Imst hinunter ins Inntal ging. Entlang des Inns durch den Landecker Umgehungstunnel kamen wir am späten Nachmittag nach einer langen Fahrt am Garten- und Wellnesshotel Linde im 876 Meter hoch gelegenen Ried im Oberinntal an. Nachdem wir eingecheckt und die angenehmen Zimmer bezogen hatten, blieb noch etwas Zeit zum Auspacken und Frischmachen. Und dann war auch schon Zeit zum Abendessen - etwas Hunger hatten wir schließlich doch – deshalb genossen wir das schmackhafte Drei-Gänge-Menü, die erfrischenden Getränke und den guten Service. Die Unentwegten zog es danach noch auf einen Absacker in die Lounge, aber sehr alt wurde dort keiner mehr.

Am Montagmorgen nach einem kräftigen Frühstück vom umfangreichen Buffet begrüßte uns dann Herr Rietzler, der Eigentümer des Hotels, und vermittelte uns alles für uns Interessante über sein Haus, dazu gab es für jeden von uns ein Schnapserl. Am Ende lud er uns zu einer kleinen Sightseeing-Runde durch das Dorf Ried ein. Eine ganze Reihe von uns fand sich dann dazu vor dem Hotel ein. Direkt gegenüber des Hotels führte uns Herr Rietzler in die malerische Loretto-Kapelle, die zum kleinen ehemaligen Kapuzinerkloster gehört, das 2006 offiziell geschlossen wurde, nachdem der letzte Pater verstorben war. Auch in die nebenan gelegene Kapuzinerkirche warfen wir einen Blick. Dann ging es weiter durch das Dorf an einem der für Ried typischen „Fasslbrunnen“, einem hölzernen Brunnen mit rundem fassartigen Brunnentrog vorbei zum ehemaligen Ansitz Payr, einem beeindruckenden Gebäude, in dem heute das Altenwohnheim Santa Katharina untergebracht ist. Am Wahrzeichen von Ried, dem Schloss Siegmundsried mit seinem massiven Burgturm, vorbei erreichten wir dann die Ortsmitte mit der barocken Pfarrkirche Sankt Leonhard, die uns Herr Rietzler ebenfalls zeigte. Am Ende führte uns der Weg wieder zurück zum Hotel, wo wir uns bei unserem Hotelier für die Führung und die Erklärungen bedankten.

Inzwischen war es höchste Zeit geworden, um in den Bus zu steigen, der uns ins benachbarte Prutz zum TIWAG-Wasserkraftwerk brachte. Dort wurden wir von zwei leitenden Mitarbeitern empfangen, die uns in einen Vorführraum brachten und uns dort im Namen der Tiroler Wasserkraft AG willkommen hießen. Nach einleitenden Worten stellten sie uns das Unternehmen TIWAG und speziell das Kaunertal-Speicherkraftwerk in Prutz in einer interessanten Film-Präsentation vor. Das Wasserkraftwerk wurde 1961 - 1964 erbaut, verfügt über eine Nennleistung von knapp 400 MW und ist damit eines der größten Speicherkraftwerke in Österreich. Es wird vom Wasser aus dem Gepatschspeicher angetrieben, das durch die 13,2 km lange Druckwasserleitung zu den fünf Turbinen strömt. Der umweltfreundlich erzeugte Strom gelangt aufgrund eines beinahe 50 Jahre alten Liefervertrags auch in das Netz der RWE.

Nachdem alle aufgetretenen Fragen beantwortet waren, ging es mit den beiden Herren in zwei Gruppen auf die Führung durch die Kraftwerkshallen. Zuerst bestaunten wir in der Rohrverteilhalle die Dimensionen der Rohre, die die im mächtigen Fallrohr ankommenden Wassermassen auf die fünf Pelton-Turbinen verteilen. Jede dieser fünf Zuleitungen kann separat durch einen gewaltigen Kugelschieber abgesperrt werden. Hinter jedem Kugelschieber wird der Wasserstrom aufgeteilt und dann der Turbine über zwei Einströmleitungen zugeführt. Das Rohr zur fünften Turbine war mit einem soliden Deckel verschlossen, denn zur Revision dieser Maschine war das Aggregat einschließlich des Kugelschiebers komplett demontiert worden. Dann ging es hinüber in die Maschinenhalle, in der wir die vier Pelton-Turbinen und die angekoppelten Generatoren bestaunten. Sehr beeindruckend war aber auch das, was es von der demontierten Turbine zu sehen gab, unter anderem ein Laufrad mit den Gebrauchsspuren. Solch ein Laufrad mit einem Durchmesser von beinahe 2,9 Metern und 23 Bechern wiegt 6,8 Tonnen.

Damit war der erste Teil der interessanten Führung beendet und wir dankten einem unserer beiden Gastgeber und verabschiedeten uns von ihm. Den zweiten Herrn wollten wir oben an der Staumauer des Gepatschspeichers im oberen Kaunertal wieder treffen. Deshalb bestiegen wir den Bus und Herr Makossa steuerte uns in das nord-südlich verlaufende 20 km lange romantische Tal in den Ötztaler Alpen zuerst einmal bis zum Stausee hinauf. Dort erwartete uns bereits wieder der TIWAG-Mitarbeiter, der uns einiges zum Bau der Staumauer erzählte. Der 600 m lange und 153 m hohe Schüttdamm staut den etwa 6 km langen Gepatschsee mit maximal 138 Mio. m³ Stauvolumen auf. Bei Vollstau bedeckt der See eine Fläche von 2,6 km². Das Nutzgefälle zwischen dem See und dem Kraftwerk in Prutz liegt zwischen 793 – 895 m.

Am Ende dankten wir auch diesem Mitarbeiter und der TIWAG für die freundliche Aufnahme und die Mühe, die sie sich mit uns gegeben haben. Über die Dammkrone und dann auf der engen mautpflichtigen Kaunertaler Gletscherstraße am Ufer entlang des Stausees ging es zuerst bis an dessen Ende und danach in 29 engen Kehren durch uralte Zirbenwälder hinauf auf 2750 m Höhe bis an den Rand vom (ewigen ?) Eis. Dank unserem exzellenten Fahrer und guter Sicht haben wir die Fahrt auf dieser einzigartig schönen Strecke hinauf in die Bergwelt genossen. Leider hat es sich oben aber doch rasch zugezogen und so machte eine Weiterfahrt mit der Gondel hinauf zum 3108 m hohen Karlesjoch keinen Sinn – dabei hatten wir uns schon so darauf gefreut. Dafür stapften einige Unentwegte durch den tiefen Schnee zur Gletscherspalte und besichtigten sie. Es war schon ein besonderes Erlebnis, in die etwa 40 Meter langen Spalten am Ende einer der Zungen des Weißseeferners hineinzugehen und sich im über 100 Jahre alten spiegelnden und teils glasklarem Eis zu bewegen und es auch zu fühlen. Als wir wieder ans Tageslicht kamen, hatte es doch glatt zu schneien begonnen – der Rückweg durch das diffuse Licht und den Schnee zum Bergrestaurant war nicht leicht zu finden. Deshalb machten wir uns zusammen mit Herr Makossa rasch auf den Weg hinunter ins Tal, wo auch das Wetter wieder besser wurde und wir nach einem langen Tag wieder wohlbehalten im Hotel ankamen.

Am Dienstagmorgen war frühes Aufstehen angesagt, denn um 9.30 Uhr wurden wir bereits in Jenbach zur Remisenführung bei der Achenseebahn erwartet. Zuerst war es ja noch trocken, aber bei Innsbruck holte uns der Regen ein und begleitete uns heftiger werdend bis Jenbach. Glücklicherweise fand die Führung drinnen statt – Herr Fuchshuber, Direktor des Unternehmens, begrüßte uns persönlich im Wagenschuppen und stimmte uns mit humorvollen Worten auf das Bevorstehende ein. Die Achenseebahn ist eine Zahnradbahn mit 1000 mm Spurweite, die von Jenbach im Inntal zum Seespitz am Achensee verkehrt. Die 6,8 km lange Strecke wurde 1889 eröffnet und ist somit die älteste Dampf-Zahnradbahn Europas. Sie ist nicht elektrifiziert und wird fahrplanmäßig ausschließlich mit vier baugleichen Dampflokomotiven befahren. Der Bahnhof von Jenbach ist der einzige in Österreich mit drei unterschiedlichen Spurweiten, der Normalspur der ÖBB, der 760 mm-Schmalspur der Zillertalbahn und der 1000 mm-Spur der Achenseebahn. Die zum Start der Achenseebahn im Jahre 1889 beschafften Lokomotiven mit den Nummern 1 bis 4 tragen die Namen Theodor, Hermann, Georg und Carl. Sie wurden von der Lokomotivfabrik Floridsdorf in Wien nach Konstruktionsplänen der Maschinenfabrik Esslingen gebaut. Sie sind 5,65 m lang, haben ein Dienstgewicht von über 18 t und leisten 180 PS. Für eine Strecke benötigen sie 350 kg Steinkohle und 3 m³ Wasser und laut nostalgischer Fahrkarte der Heizer 3 Liter Flüssiges (was auch immer?). Weiterhin stehen mehrere zweiachsige Personenwagen aus dem gleichen Baujahr zur Verfügung, wobei zu einem Zug jeweils ein geschlossener Wagen und ein offener Sommerwagen mit je 55 Sitzplätzen gehören.

Die gesamten Fahrzeuge werden von den Mitarbeitern in der Remise und in der angegliederten nostalgischen Werkstatt gewartet, repariert und wenn erforderlich auch vollständig überholt. Eine der Lokomotiven war zur Zeit unseres Besuchs zerlegt, das Fahrwerk erlaubte tiefe Einblicke, der Kessel und der Führerstand standen separat. Herr Fuchshuber erklärte uns, dass die gerade verzahnten Getrieberäder zur Geräuschreduzierung auf Pfeilverzahnung umgerüstet werden. Diese aufwendigen Komponenten werden allerdings bei Spezialherstellern gefertigt. Es ist schon erstaunlich, was in dieser Werkstatt geleistet wird, die eher nach Dantes Inferno aussieht. Auch im Heizhaus, in dem die Lokomotiven angeheizt und deren Abgase durch Filter gereinigt werden, und in der Schmiede, in der noch nostalgische Werkzeugmaschinen mit Transmissionsantrieb zu bewundern sind, ist Schwarz die vorherrschende Farbe.

Und dann war es auch Zeit, im für uns reservierten – wegen des ungemütlichen Wetters Gott sei Dank geschlossenen – Wagen auf harten Holzbänken Platz zu nehmen. Nachdem in letzter Minute noch eine Busladung aus dem Vereinigten Königreich den Sommerwagen vereinnahmt hatte, konnte es mit einigen Minuten Verspätung los gehen. Mit viel Dampf, Rauch, Gepuffe und Gestöhne sowie beherztem Einsatz der Dampfpfeife setzte sich die kleine Lokomotive mit den beiden Wagen davor in Bewegung. Ab Bahnhof Jenbach wird im Zahnstangenbetrieb gefahren, denn es geht gleich zügig bergan bis zum ersten Halt in Eben, wo dann die Zahnstange endet. Bis dahin sind auf 3,6 km Strecke 440 Höhenmeter zu erklimmen, beinahe durch die gepflegten Vorgärten der Häuser am Hang, deren Besitzer sich mehrmals täglich besonders über den fetten schwarzen Qualm der schwer schuftenden Loks freuen dürften. In der steilsten Passage bedeutet das eine Steigung von 16 Prozent. Wir saßen direkt vor der in Dampf und Qualm gehüllten Maschine und meinten sie bei jedem Kolbenhub stöhnen zu hören: ich schaff´ et nit mih – ich schaff´et nit mih – ich schaff´ et nit mih – und glaubten, dass sie die Kolbenstangen nicht noch einmal rund kriegen würde. Aber sie hat es dann doch geschafft und wir sind oben in Eben angekommen, wo die Lok an das vordere Zugende wechselte, denn von da geht es mit leichtem Gefälle hinunter zum Achensee zum Endbahnhof Seespitz, wo der Fahrgast auf das nebenan bereitliegende Schiff wechseln kann. Wir stiegen auch um, aber in unseren Bus, den Herr Makossa inzwischen ebenfalls hochgefahren hat, denn es war Zeit zum Mittagessen im gemütlichen und vor allem geheizten „Langlaufstüberl“ in Pertisau.

Gut erfrischt und gestärkt konnte dann das Nachmittagsprogramm beginnen. Dazu fuhr uns Herr Makossa über die Achenseestraße mit der bekannten Kanzelkehre wieder hinunter ins Inntal und dann weiter Richtung Innsbruck nach Wattens zu Swarovski. Das 1895 von Daniel Swarovski gegründete Unternehmen mit Sitz in Wattens in Tirol stellt im Besonderen geschliffenes Kristallglas her und vertreibt es rund um den Globus. Die weltweit etwa 31.000 Beschäftigten setzten im Jahr 2015 stolze 3,37 Mrd. € um. Neben den glitzernden Steinen werden synthetische Edelsteine, optische Präzisionsgeräte wie z. B. Ferngläser und Beobachtungsfernrohre, Produkte zur Straßenmarkierung (Rückstrahler) sowie unter dem Namen TYROLIT Schleifmittel (Schleif-, Abricht- Trenn- und Polierwerkzeuge) produziert.

Sehr viel Platz auf dem riesigen Besucherparkplatz bedeutet auch viel Platz in den „Swarovski Kristallwelten“, an deren Eingang uns ein wasserspuckender Riese begrüßte. Im Foyer nahm uns dann eine Dame in Empfang, die uns diese im Jahre 1995 anlässlich des hundertsten Firmenjubiläums die vom Multimediakünstler André Heller geschaffene Zauberwelt mit Worten nahebrachte und uns die glitzernden Kunstwerke im Vorraum erklärte. Dann entließ sie uns hinein in einen einzigartigen Ort der Fantasie. In 16 Wunderkammern zeigen einige der größten Künstler der Moderne eine Menge Kostbarkeiten, die den Betrachter an Wunder glauben lassen. Am Ende landet jeder in der großen Verkaufsausstellung, in der alle Schätze für mehr oder weniger Kleingeld auch erworben werden dürfen, was der eine oder die andere von uns auch tat. Gemeinsam trafen wir uns schließlich in der exklusiven VIP-Lounge auf einen Sekt oder O-Saft, der in edlen, aber auch sündhaft teuren Sektgläsern kredenzt wurde, die wir uns fast nicht in die Hand zu nehmen trauten – aber es ging alles gut.

Da auf dem Heimweg auf der Autobahn kein Durchkommen war, bog Herr Makossa auf die Landstraße ab, die durch die Stadtmitte Innsbrucks führt. So hatten wir die Gelegenheit, etwas von der schönen Stadt und für einen Augenblick sogar das Goldene Dachl zu sehen. Und hinter der Stadt ging es dann auch auf der Autobahn wieder voran, so dass wir zwar spät, aber noch rechtzeitig im Hotel ankamen und das Abendessen genießen konnten.

Am Mittwoch war wegen einer wetterbedingten Programmänderung die Fahrt nach Meran angesagt. Zunächst fuhren wir das schöne, teils sehr enge Inntal aufwärts und bogen hinter Pfunds über die Kejetansbrücke Richtung Reschenpaß ab. Im engen Tal vor Nauders passierten wir das Sperrfort, ein uneinnehmbares altösterreichisches Festungsbauwerk. Kurz nach dem schön gelegenen Urlaubsort Nauders erreichten wir die Grenze nach Italien und danach den auf 1504 m liegenden Scheitel vom Reschenpass. Vor uns lag der Reschensee, an dem wir eine kurze Pause einlegten, um uns den aus dem Stausee ragenden im 14. Jahrhundert erbauten denkmalgeschützten Kirchturm von Alt-Graun zu besehen und etwas über die tragische Geschichte der Talbewohner zu erfahren, die damals rigoros enteignet und vertrieben worden sind. Am Ende des Stausees passierten wir den über 32 m hohen und 415 m langen Erdschüttdamm, der den 6 km langen und 116 Mio. m³ fassenden See aufstaut. Am kleineren Haidersee vorbei, der von der Etsch gebildet wird, ging es immer mit Blick auf den leider etwas hinter Wolken versteckten König Ortler, der seine Stirn 3905 m hoch in die Lüfte des Südtiroler Himmels reckt, auf einem von der Sonne verwöhnten nach Süden hin abfallenden Gelände, dem Obervinschgau, hinunter in den Vinschgau. Von der westlichen Talseite leuchtete mit seinen schneeweiß getünchten festungsähnlichen Mauern das Kloster Mariental, die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas. Die ausgedehnten Obstplantagen und auch schon der eine oder andere Weingarten unten im sich weitenden Tal verrieten uns, dass wir wirklich in Südtirol angekommen waren. Hier war die Obsternte bereits voll im Gange - vorwiegend Äpfel wurden zu den Obstgenossenschaften transportiert. Viele wehrhafte Burgen aus alter Zeit begleiteten unseren Weg hinunter nach Meran, wo wir am späten Vormittag ankamen.

Auf dem Busparkplatz an der Therme ließ uns Herr Makossa von Bord und dort wollten wir uns auch zur Rückfahrt wieder treffen. Dann durften wir über die Zeit bis 15 Uhr frei verfügen. Zunächst überquerten wir die rauschende Passer und spazierten an ihr entlang durch den Kurpark bis zum im 19. und frühen 20. Jahrhundert in typischer Kurarchitektur erbauten Meraner Kurhaus, wo wir uns bei der Touristeninformation mit Stadtplänen versorgten und somit für einen Bummel durch die engen Gassen des Zentrums bestens gerüstet waren. Das Ziel der meisten war das historische Stadtzentrum mit der mittelalterlichen Via Portici, der Laubengasse mit den vielen kleinen traditionsreichen Geschäften, Boutiquen, Cafés und Wirtsstuben von alter Südtiroler Gastlichkeit. Auch ein bisschen shoppen durfte sein, denn hier waren einmal nicht die typischen Handelsketten der deutschen Fußgängerzonen anzutreffen. Sehenswert waren auch die Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus und die nebenan gelegene gotische Barbarakapelle. Natürlich blieb auch Zeit für einen gemütlichen Cappuccino oder ein Tässchen Espresso, bei dem man mit südländischer Gelassenheit den Passanten zuschaute oder die wunderbaren Blumen- und Pflanzenarrangements bestaunte. Im warmen Licht der Herbstsonne und unter strahlend blauem Himmel umrahmte die Bergwelt die Stadt, bei der fast jeder Bundesbürger sofort an Sonne und angenehme Temperaturen denkt. Leider waren die wenigen zur Verfügung stehenden Stunden viel zu schnell vorbei und wir mussten wieder an die Rückfahrt denken, also zurück zum Bus!

Auf dem Rückweg besuchten wir in Naturns die „Moser Speckworld“, einen richtigen Alptraum für jeden Veganer. In einem Südtiroler Holzhaus, in dem ein kleines Museum und der Verkaufsshop untergebracht sind, begrüßte uns ein Mitarbeiter des Unternehmens. Zunächst führte er uns durch die Geschichte der Firma Moser, die 1974 von den Brüdern Adolf und Walter Moser gegründet worden ist. Im Jahr 1998 konnte man den bekanntesten aller Bergsteiger, den Südtiroler Reinhold Messner, einen langjährigen Freund, als offiziellen Werbepartner gewinnen, der auf seinen Extrem-Bergexpeditionen immer Südtiroler Speck als haltbaren Energieträger dabei hatte. Reinhold Messner wohnt heute beinahe in der Nachbarschaft auf der oberhalb von Naturns gelegenen mittelalterlichen Burg Juval, die er 1983 erworben und restauriert hat und die auch das Messner Mountain Museum beherbergt.

Im Speckmuseum erfuhren wir aus erster Hand, wie der Speck einst hergestellt wurde und erhielten mit Hilfe eines kurzen Films interessante Einblicke, wie die Speckproduktion heute funktioniert. Verwendet werden ausschließlich sorgfältig ausgesuchte und einzeln geprüfte magere Schweineschinken. Was uns sehr überrascht hat, ist die Tatsache, dass 80 Prozent davon aus deutschen Landen stammen. Nach der Kennzeichnung per Brandmarkierung auf der Schwarte erfolgt das Einsalzen mit reinem Meersalz und einer streng geheimen Würzmischung auch heute noch nach traditioneller Methode von Hand. Entscheidende Bedeutung kommt der Räucherung zu, die mit harzfreiem Buchenholz bei sorgfältig überwachter Temperatur und Dauer geschieht, die dem Speck seine wunderbare Farbe und vor allem seinen einzigartigen Geschmack verleiht. Unter strenger Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit erfolgt auch die wochenlange Reifung, bei der sich der vollkommene Geschmack entwickelt. Am Ende wird der Speck auf einer modernen Sliceanlage in hauchdünne Scheiben geschnitten, perfekt verpackt, um das Aroma zu schützen, und kommt dann in den Verkauf oder wird weltweit versandt.

Im gleich nebenan liegenden Shop durften wir uns dann selbstverständlich diese und andere Südtiroler Köstlichkeiten sozusagen auf der Zunge zergehen lassen. Selbstverständlich wurde dann auch das eine oder andere kulinarische Reiseandenken auf die Rücktour zum Hotel mitgenommen. Nach einer schönen Fahrt durch den von goldener Abendsonne erwärmten wunderschönen Vinschgau kamen wir erst ziemlich spät wieder im Hotel an, wo dieser herrliche Tag auch nach dem Abendessen in Form eines Tiroler Buffets für die meisten von uns noch kein Ende hatte.

Am Donnerstagmorgen freuten wir uns alle auf die Panoramafahrt über die Silvretta Hochalpenstraße. Dank des Programmtauschs mit dem Vortag hatten wir schon ab Ried herrlichen Sonnenschein und strahlend blauen Himmel. Durch Landeck, überragt vom wehrhaften Schloss Landeck, Ende des 13. Jahrhunderts erbaut, bogen wir aus dem Oberinntal kommend zunächst in das Tal der Trisanna und kurz darauf in das westlich führende Tal der Rosanna ein, wobei damit keine weibliche Wesen mit diesen Namen gemeint sind, sondern Nebenflüsse des Inns. Durch die schöne Bergwelt erreichten wir den berühmten Wintersportort Sankt Anton am Arlberg. Ab da nutzten wir nicht den bekannten Arlberg-Straßentunnel, der ohnehin wegen Bauarbeiten noch gesperrt war, sondern ließen uns von Herrn Makossa die kurvige Passstraße hinauf bis zum 1793 m hoch gelegenen Sattel steuern, wo wir in der klaren Höhenluft bei wunderbarer Sicht auf die umliegenden Gipfel eine kleine Pause einlegten und uns an den wenigen aufgebauten Marktständen über den einen oder anderen angebotenen Unsinn wie musikalische Plüschmurmeltiere erheiterten. Man merkt dieser Gegend den (Winter-)Tourismus eben doch sehr an. Vor dem Abstieg hinunter ins Tal der Alfenz, einem besseren Gebirgsbach, genossen wir den Blick über die folgende wunderbare Strecke mit 9 Haarnadelkurven hinunter ins Klostertal, das bereits in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, liegt.

Am bekannten Wintersportort Klösterle vorbei ging es weiter in westlicher Richtung durch das kleine, aber feine Tal am Fuße des Arlbergs. Kurz vor der in einem Talkessel liegenden Stadt Bludenz bogen wir dann ab in das südöstlich verlaufende Montafon, das von der Ill, dem größten Nebenfluss des Alpenrheins durchflossen wird. Am Ende des Talbodens kurz hinter dem kleinen Ort Partenen auf einer Höhe von 1.051 m über dem Meer beginnt an der Mautstation die Silvretta-Hochalpenstraße, eine der schönsten Gebirgsstraßen in den Alpen. Deshalb ist sie auch so beliebt und dementsprechend frequentiert. Glücklicherweise hatten wir einen ruhigen Tag während der Woche gewählt. So konnte unser Fahrer seine volle Aufmerksamkeit den 34 Kehren und nicht Automobilisten und Bikern widmen. Höher und höher ging es mit bis zu 12 % Steigung zunächst bis zum Vermunt-Stausee auf 1743 m Meereshöhe an der Baumgrenze. Im Umfeld der Staumauer wird zurzeit auf einer Großbaustelle an der Modernisierung gearbeitet. Nach ein paar weiteren Haarnadelkurven war dann auch schon die 80 m hohe Hauptstaumauer des noch höher gelegenen Silvretta-Stausees zu sehen, dessen Seespiegel auf 2030 m über dem Meer liegt. Der höchste Punkt der Silvretta-Bergstrecke ist dann auf der Bieler Höhe auf 2032 m erreicht.

Selbstverständlich legten wir am Restaurant Silvrettasee bei herrlichem Sonnenschein und strahlend blauem wolkenlosem Himmel eine ausgedehnte Pause ein. Wir nutzten die Zeit, um über die 432 m lange Hauptmauer zu spazieren und von da aus das grandiose Bergpanorama zu genießen, das vom gegenüber liegenden Hohen Rad, dem Piz Buin, dem Silvrettahorn und den dazwischen liegenden Vermunt-, Ochsentaler und Silvretta-Gletscher gebildet wird. Als wenn das nicht schon genug an phantastischen Eindrücken gewesen wäre, erklangen vom Fuße des Hohen Rades leise die wunderbaren Töne eines gekonnt geblasenen Alphorns. Auf der sonnigen Terrasse des Restaurants stärkten wir uns danach vorsichtshalber für die Rückfahrt.

Auf großen Info-Tafeln wird auf dem Parkplatz an der Staumauer über das aktuelle 500 Millionen-Euro-Großprojekt informiert, das derzeit realisiert wird. Das existierende Obervermunt-Kraftwerk, ein Hochdruck-Speicherkraftwerk, das 1943 mit einer Leistung von 29 MW in Betrieb gegangen ist, wird durch ein modernes Pumpspeicherkraftwerk mit 360 MW Leistung ergänzt. Dieses neue Kraftwerk wird in eine Kaverne am Rande des Vermunt-Stausees hinein gebaut und ist später beinahe unsichtbar. Dazu wird ein 3,5 km langer Druckstollen mit über 6 m Durchmesser durch den Berg getrieben, der beide Kraftwerke über eine Fallhöhe von 291 m mit Wasser versorgt. Das neue Kraftwerk pumpt durch diesen Stollen in nachfrageschwachen Zeiten, z. B. in der Nacht oder am Wochenende, mit dem Überangebot an elektrischer Energie im Stromnetz das Wasser wieder vom Vermuntsee hinauf in den Silvrettasee, um dann in Spitzenzeiten umgekehrt wieder Strom zu produzieren. Pumpspeicherkraftwerke sind gegenwärtig die einzige Möglichkeit, großtechnisch elektrische Energie unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu speichern. Die Rohrleitung mit einem Durchmesser von 2,1 bis 2,4 m, die das alte Kraftwerk speist, ist dann überflüssig und wird abgebaut und stört danach nicht mehr die Natur. Die 350 Bauarbeiter, die auf der aktuell größten Baustelle in Vorarlberg das Projekt realisieren, wohnen derzeit im Silvrettadorf auf der Bieler Höhe, das nach Ende der Baumaßnahmen wieder verschwinden wird.

Dann war Zeit für die Weiterfahrt – von da an ging´s bergab. Wir begleiteten den Vermuntbach auf seinem Weg hinunter ins Paznauntal, wo er bei Galtür in der Trisanna aufgeht. Der kleine vorwiegend durch den Wintersport bekannte Ferienort wurde am 23. Februar 1999 durch eine Lawinenkatastrophe in die Schlagzeilen der Presse gerückt, die 31 Menschen das Leben kostete. Heute sind die von Lawinen gefährdeten Gebäude durch mächtige Lawinenschutzbauten gesichert. Keine 10 km weiter liegt der bekannte Wintersportort Ischgl mit über 10.000 Gästebetten, der mit seiner Hotelsiedlung beispielhaft für Event- und Massentourismus ist. Weiter talabwärts ging es entlang der Trisanna dorthin, wo sie sich mit der von Westen kommenden Rosanna vereinigt und mit dieser zusammen die Sanna bilden, die nach nur 7 km in Landeck in den Inn mündet. Damit schloss sich für uns der Kreis dieser wunderschönen Rundtour und nach wenigen Kilometern kamen wir wieder an unserem Hotel an, womit das Ausflugsprogramm unserer Vereinsfahrt zu Ende war.

Als kulinarischer Höhepunkt dieser Woche stand anschließend das Galadinner auf dem Programm, bei dem sich die Küche einige lukullische Highlights hat einfallen lassen. Damit fand dieser großartige Tag einen würdigen Abschluss.

Da der Freitag der Ruhetag unseres Bus-Chauffeurs vor der langen Heimfahrt am Samstag war, hatten wir diesen Tag zur freien Verfügung und jeder durfte ihn so gestalten wie er wollte. Manchen stand der Sinn nach Relaxen im Hotel, die meisten stiegen aber nach dem Frühstück in den Postbus und ließen sich hinauf auf die etwa 400 m oberhalb der Talsohle des Oberinntals gelegene Sonnenterrasse am Fuße der Samnaungruppe mit den Urlaubs- und Wintersportorten Ladis, Fiss und Serfaus bringen. Da der Tag unheimlich klar war, machte es Sinn, bis ans Ortsende von Serfaus durchzufahren, um dann in die Komperdell-Seilbahn zu steigen, zur Mittelstation zu fahren, dort in die Lazidbahn umzusteigen und am Ende dann von der Bergstation oder von der Terrasse des Bergrestaurants Lassida auf 2354 m Höhe einen sagenhaften Rundblick auf das gewaltige Panorama der österreichischen Bergwelt zu werfen. Bei wolkenlosem Himmel war eine Fernsicht von weit über 100 km möglich. Wieder unten im Ort bummelten wir durch die Straßen des Dorfs, das mit seinem zum Teil noch rätoromanischem Charakter und mit den 7.500 Gästebetten im Winter bestimmt gemütlicher als im Herbst wirkt.

Das technisch Interessante versteckt sich in Serfaus unter der Erde, nämlich eine der mit nur 1.280 m Streckenlänge kürzesten U-Bahnen der Welt. Da in Serfaus die Straße endet, war sie in der Hauptsaison von den Autos der Wintersportler oft verstopft. Deshalb beschloss der Gemeinderat 1970 die Straße durch das Dorf für den Individualverkehr zu sperren und am Dorfeingang einen Großparkplatz zu errichten. Von da aus wurden die Skitouristen mit Bussen zu den am oberen Ortsende beginnenden Bergbahnen gebracht. Dieses System erreichte aber bald seine Leistungsgrenze, deshalb ließ man 1983 ein alternatives Beförderungskonzept erarbeiten, das als Lösung den Bau der unterirdischen Dorfbahn empfahl. Das Projekt wurde dann auch 1983 noch genehmigt und Mitte 1984 mit dem Bau begonnen.

Die Bahn ist als eine von einem Seil gezogene Luftkissenbahn konzipiert, also eine Art von Standseilbahn, die auf der gesamten Länge dem Verlauf der Dorfstraße unterirdisch folgt, die seitdem Dorfbahnstraße heißt. Vier Haltestellen sind auf der Strecke eingerichtet. Der einzige Zug besteht aus zwei Kabinen von jeweils 14,5 m Länge, der bei einer Geschwindigkeit von knapp 40 km/h für eine Richtung ca. 7 Minuten benötigt. Pro Kabine können 270 Personen befördert werden, die nicht auf Schienen, sondern auf einem nur 1 mm dicken Luftkissen dahin schweben. Das alles geschieht führerlos, allerdings von einem besetzten Führerstand per Kameras und Monitoren überwach. Seit der offiziellen Eröffnung am 16. Januar 1986 konnten so je Stunde maximal 1800 Fahrgäste befördert werden.

Ende Dezember 2007 wurde bekannt, dass die Dorf-U-Bahn modernisiert werden muss, um die weiter gestiegenen Fahrgastzahlen zu bewältigen und um auch neuen technischen Vorschriften zu genügen. Anstatt eines Wagenverbunds sollen in Zukunft zwei voneinander unabhängige Wagengarnituren in kurzem Abstand hintereinander herfahren. Dafür müssen die Endhaltestellen erweitert werden, um den beiden Zügen Platz zu bieten. Nach dem Umbau, der vorwiegend in der Zwischensaison durchgeführt wird und der geplant 2019 abgeschlossen sein soll, werden bei einer von 10 auf 9 Minuten verkürzten Taktzeit 3000 Personen pro Stunde befördert werden können und das weiterhin kostenlos für die Einheimischen und auch für die Gäste. Die Baumaßnahmen waren auch der Grund, dass wir keinen Zugang zu diesem interessanten Nahverkehrsmittel erhielten. Am Nachmittag ließen wir uns dann von einem hurtigen Postbuslenker wieder hinunter nach Ried transportieren, wo wir den letzten Abend nach einem wunderbaren Tag im Hotel genossen.

Und dann war es auch schon Samstag geworden und nach einem letzten leckeren Frühstück stand das Auschecken und das Verladen des Gepäcks auf dem Programm. Herr Rietzler ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich zu verabschieden. Wir werden uns an sein angenehmes Hotel immer gern erinnern, aber wir dürfen es auch nicht unbedingt als Maßstab für die Unterkünfte unserer weiteren Mehrtages-Touren nehmen.

Die Heimfahrt erfolgte auf der gleichen Route wie die Hinreise, allerdings bei strahlender Herbstsonne, was uns einen ungehinderten Blick auf die Zugspitze erlaubte, die sich anscheinend genierend auf der Hinfahrt unseren Blicken entzogen hat. Nach problemloser Fahrt mit mehreren Pausen kamen wir am frühen Abend wohlbehalten in Solingen an, wo diese VTI-Reise, an die wir uns noch lange gern erinnern werden, leider endete.

Zu danken haben wir alle Herrn Makossa, der uns mit sicherer Hand um die engsten Haarnadelkurven steuerte, manchmal den Busspiegel nur Zentimeter entfernt an den Felsen vorbei. Auch sonst war er immer um unser Wohlergehen besorgt. Verblüffend war wie immer sein enormes Wissen über Städte und Orte, Bauwerke, Menschen, Berge, Gewässer und sonstige Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten entlang der gefahrenen Route. Danken wollen wir auch seiner Frau Jessica, die sich die ganzen Tage um unser Wohlergehen im und um den Bus gekümmert hat.

Ganz am Ende möchte ich aber auch unseren Mitgliedern ein Kompliment machen, die an diesen sieben Tagen mit Freundlichkeit und guter Laune, aber auch mit Interesse, Pünktlichkeit und Disziplin entscheidend zum Gelingen dieser Reise beigetragen haben.

Organisation: Jürgen Stamm, Jessica Makossa

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)