VTI-Fahrt nach Mainz

Informationsbesuch des ZDF Sendezentrums

Stadtführung inkl. Dom und Altstadt

 

Es war eine Fahrt für Frühaufsteher, zu der sich am Dienstagmorgen, den 5. Mai 2015, 45 unserer Mitglieder um 6.30 Uhr auf dem Parkplatz des Solinger Kunstmuseums trafen. Nach über einem Jahr war wieder einmal Herr Makossa vom Reiseunternehmen Wiedenhoff derjenige, der uns mit dem Neoplan-Starliner-Bus zu unseren Exkursionszielen in der Rheinland-Pfälzischen Hauptstadt Mainz bringen sollte. Aufgrund der Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke für den Schwerverkehr und dem gleichzeitigen Streik der Lokführer war auf den Straßen um Köln besonders zäher Verkehrsbrei angerührt.

Glücklicherweise erreichten wir trotzdem pünktlich das ZDF Sendezentrum auf dem einige Kilometer südwestlich von Mainz gelegenen Lerchenberg, wo wir um 10 Uhr zur Besichtigung angemeldet waren. Vor dem 14-stöckigen Redaktions- und Verwaltungshochhaus nahm uns dann schon Herr Hans-Joachim Steinmetz aus der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Empfang und führte uns in das Foyer des Kasinogebäudes, wo er und Frau Hesse uns begrüßten und uns die ersten Informationen vermittelten. Die Zeit bis zum Beginn der Führung verging schnell, denn wir lachten über die Späße der Mainzelmännchen, die auf einem Bildschirm liefen, alles Episoden aus ihrer über 40jährigen Geschichte, die nie veröffentlicht wurden – zum Teil noch in Schwarz-Weiß. Aufgeteilt in zwei Gruppen begann dann die Führung durch das Sendezentrum.

Auf dem Platz vor dem interessant gegliederten Rundbau des 1984 fertiggestellten Sendebetriebsgebäudes begann Herr Steinmetz mit der Geschichte des „Zweiten Deutschen Fernsehens“, kurz ZDF, das am 1. April 1963 auf Sendung ging und das seit dem Jahre 1974 auf dem Mainzer Lerchenberg produziert, zur Zeit mit etwa 3550 Mitarbeitern, die sich jedoch bis 2020 durch weitreichende Digitalisierung um ca. 200 vermindern sollen. Neben dem ZDF hier vor Ort sind im nahegelegenen Sendezentrum 2 die Partnerprogramme ZDF INFO und ZDF KULTUR sowie ARTE und 3sat beheimatet. Aktuell sind 70% der vom ZDF ausgestrahlten Sendungen Eigenproduktionen.

Und dann ging es hinein in den fünfgeschossigen Rundbau, vorbei an der legendären Torwand aus dem Sportstudio in einen großen Aufzug, der auch für den Transport umfangreicher Bühnendekorationen geeignet ist, hinauf zum Studio 2. Laut unserem Guide befinden sich im Sendegebäude fünf Aufnahmestudios, zwei große und drei kleinere. Erstaunlicherweise sind die Studios nicht eckig, sondern rund, was sie bei der Aufnahme größer wirken lässt. Hier konnten wir auch eine der 250.000 € teuren Fernsehkameras genauer ansehen und uns von Herrn Steinmetz die Funktion eines Teleprompters erklären lassen, einer Einrichtung, von der der Moderator während seines Vortrags den Text vor dem Kameraobjektiv abliest und so seinen Blick nicht abwenden muss, was dem Zuschauer den Eindruck einer freien Rede vermittelt. In so einem TV-Studio hängt der Himmel nicht voller Geigen, sondern voller Scheinwerfer, manchmal bis zu 200, je nachdem wie viele Sendungen im Studio aufgenommen werden, wie viele Kameraeinstellungen und Positionen erforderlich sind – für jede dieser Einstellungen sind mindestens drei Scheinwerfer erforderlich, die über Computer fernzusteuern sind – in Leuchtwinkel, Leuchtrichtung und Lichtleistung, dazu noch in unterschiedlichen Farben. Alle diese Werte sind für die Sendungen gespeichert und können jederzeit wieder abgerufen werden.

Weiter führte uns danach unser Guide durch das Sendegebäude Richtung Regieraum. Auf dem Weg dorthin konnten wir noch einen Blick in das Studio 3 werfen, das größte von allen, aus dem am Samstagabend das Aktuelle Sportstudio übertragen wird. Das zweite Großstudio wurde gerade technisch umgebaut. Im Regieraum erstaunten uns die Wand voller Monitore und die Mischpulte für Bild und Ton in unüberschaubarer Anzahl. Anschließend führte uns die Besichtigungstour hinaus aufs im Sonnenschein liegende Freigelände zum hinter dem Rundbau gelegenen ZDF-Fernsehgarten, der die Kulisse für die namensgleiche Show am Sonntagmittag abgibt. Dann ging es noch einmal zurück ins Sendegebäude in den Besucherraum 2. Anhand eines Films durften wir miterleben, wie das „heute-journal“ entsteht und welcher Aufwand erforderlich ist, um diese 30minütige Nachrichtensendung zu produzieren, die täglich meistens um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird. Schon am Vormittag trifft sich das gesamte Team, um die Sendung zu planen, die aktuellen Themen zu sichten, die Beiträge vorzubereiten, die betroffenen In- und Auslandstudios zu informieren, dass deren Einspielfilme minutengenau zur Verfügung stehen, die Vorbereitungen der Nachrichtenstars Marietta Slomka und Claus Kleber in ihren Büros und in der Maske, beides ja keine Schauspieler, sondern gestandene Journalisten. Und trotz des Aufwandes muss noch bis zur letzten Sekunde vor der Sendung oder sogar während ihrer Ausstrahlung auf wichtige aktuelle Ereignisse reagiert werden können. Selbst nach der Sendung erfolgt noch eine Besprechung, um zu diskutieren, was man hätte besser machen können. Erst kurz vor Mitternacht geht der lange Arbeitstag schließlich zu Ende.

Bis hierhin offengebliebene Fragen beantwortete uns Herr Steinmetz, bevor er uns dann wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt im Foyer führte. Zu Ende war damit auch unsere informative Führung durch das große Medienunternehmen ZDF. Für diese außergewöhnlich lehrreiche Besichtiung, bei der uns Frau Hoppe und Herr Steinmetz zum Teil mit launigen Worten in humorvoller Art viel über die Arbeit der Fernsehleute vermittelten und uns damit begeisterten, bedankten wir uns bei beiden und nicht zuletzt auch beim ZDF und verabschiedeten uns. Ein paar Minuten blieben noch, um im kleinen Shop zu stöbern und das eine oder andere Andenken zu erstehen. Als wir das Sendezentrum verließen, entdeckten der eine oder andere aus unserer Gruppe das Besucherstudio, in dem sie von einer Fernsehkamera im „Blue box“-Verfahren aufgenommen und mit Herrn Claus Kleber per Computer zu einem virtuellen „heute-journal“ zusammengerechnet wurden – für uns ein unglaublicher Trick.

Herr Makossa brachte uns anschließend hinunter in die Stadt. Da der „Augustinerkeller“, in dem wir zum Mittagessen angemeldet waren, in der Mainzer Fußgängerzone liegt, stiegen wir am Rande der Altstadt aus und gingen das letzte Stück zu Fuß bis dahin. Was tat uns das Sitzen gut nach der langen Führung und nach gutem Essen und Trinken waren wir bald wieder obenauf. Vor dem Lokal holten uns hinterher Frau Martens und ihr Kollege Herr Bergmann zur Stadtführung ab. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es dann auch sofort los.

In den einleitenden Worten zur Geschichte der Stadt, die auf die Gründung eines römischen Heerlagers im Jahre 13 oder 12 vor unserer Zeitrechnung zurückgeht und die bis heute auf über 200.000 Einwohner gewachsen ist, stimmte uns Frau Martens auf die Führung ein. Der erste Weg führte uns in die nahegelegene Weintorstraße, wo das älteste noch erhaltene und bewohnte Gebäude der Stadt, das Haus zum Stein, zu bewundern ist. Der romanische Wohnturm geht auf das Ende des 12. Jahrhundert zurück und gehörte mit seinen 1,4 Meter dicken Wänden ehemals zum Stadtmauerring. Der über 20 m hohe Turm mit seinen 3 Geschoßen wurde um 1970 instandgesetzt und dabei kamen originale Teile aus der romanischen Zeit zum Vorschein. Danach wurde der Turm saniert, restauriert und teilweise mit historischer Bausubstanz rekonstruiert. Zurück auf der Augustinerstraße standen wir bald vor der prachtvollen Fassade aus rotem Sandstein, die zur barocken Augustinerkirche gehört, die zwischen 1768 und 1771 erbaut wurde. Wir bewunderten den reichdekorierten lichtdurchfluteten Innenraum mit den schönen Deckengemälden, der sich am Rokoko orientiert. Prunkstück ist die Barockorgel, die 1773 von der berühmten Orgelbauerfamilie Stumm geschaffen wurde. Ein paar Schritte weiter staunten wir über den Kirschgarten, einen romantischen Platz, den ein kleiner Brunnen mit einer Madonna obenauf ziert und der von wunderschönen Fachwerkhäusern eingerahmt ist.

Gleich um die Ecke grüßten uns dann auch schon die mächtigen Türme von St. Martin, dem Hohen Dom zu Mainz. Auf dem Weg an ihm vorbei zum Gutenbergplatz passierten wir auch die Johanniskirche, die älteste Mainzer Kirche und gleichzeitig die zweitälteste Kathedrale Deutschlands. Der Kathedralbau ist als einziger aus der späten Zeit der Karolinger und der frühen ottonischen Zeit erhalten und wurde anno 910 geweiht. Bis zur Weihe des Doms im Jahre 1036 war sie die Kathedralkirche des Erzbistums Mainz. 1828 wurde sie von der evangelischen Gemeinde übernommen.

Auf dem Gutenbergplatz steht das Denkmal von Johannes Gensfleisch, auch Gutenberg genannt, jenes Mannes, der um 1400 in Mainz geboren wurde und der den modernen Buchdruck erfunden hat. Am 3. Februar 1468 verstarb er dann auch in seiner Heimatstadt. Quer über den Gutenbergplatz verläuft der 50. Breitengrad (nördliche Breite), der als Doppellinie im Bodenpflaster zu erkennen ist. Über das Höfchen nördlich des Doms, dem Mittelpunkt der Mainzer Innenstadt, erreichten wir den Markt, den größten Platz am Dom.

Von dort aus betraten wir das als einer der Kaiserdome geltende beeindruckende Bauwerk, das bis auf seine Ostseite fast vollständig von anderen Gebäuden umbaut ist, durch das Nordportal, das auch als das Marktportal bezeichnet wird. Die beiden aus Bronze gegossenen Türflügel sind deutlich älter als der Dom, sie stammen etwa aus dem Jahre 1000 und gehörten wohl vorher zur Liebfrauenkirche. Wenn man sich an das Dunkel im Innern gewöhnt hat, erkennt man die unterschiedlichen Baustile, Romanik, Gotik und Barock, die sich trotzdem zu einem harmonischen Ganzen zusammenfinden. Erstaunlich ist die Doppelchoranlage, wobei der Ostchor recht nüchtern ausgefallen ist, der Westchor dagegen mit seinem prunkvollen Chorgestühl und dem Hauptaltar umso imposanter. Früher wurden beide Chöre gleichwertig genutzt, heute hat sich der Schwerpunkt eindeutig westlich verlagert. Kunstgeschichtlich bedeutend sind die vielen Grabdenkmäler, denn der Dom beherbergt eine außergewöhnliche Anzahl dieser Kunstwerke, beginnend in der Mitte des 13. und endend im 19. Jahrhundert, ursprünglich auf Gräbern liegend, später dann an Wänden oder Pfeilern hängend. Allein über 40 Mainzer Erzbischöfe wurden hier beigesetzt. Im Rahmen der Stadtführung blieb leider nicht genug Zeit, um sich das steinerne Symbol der Macht der Mainzer Erzbischöfe umfassender anzusehen.

Wieder draußen im herrlichen Sonnenschein führte uns Frau Martens zur Mitte des Marktes, wo gleich einem Obelisken ein mächtiger über 1000 Jahre alter Monolith aus rotem Sandstein steht – die Heunensäule – inzwischen ein Wahrzeichen von Mainz, das der Stadt 1975 zum 1000-jährigen Dombaujubiläum geschenkt wurde und seitdem hier steht. Die Säule wiegt bei einer Höhe von 6,4 Metern und einem Durchmesser von 1,2 Metern 16 Tonnen und steht aufrecht auf einem Bronzesockel, auf der vier charakteristische Kopfbedeckungen der Mainzer Stadtgeschichte dargestellt sind – versehen mit einigen Feinheiten, die sich auf ehemalige Persönlichkeiten, politische Parteien und Gebäude der Stadt beziehen.

Damit war die Stadtführung zu Ende und unser Guide brachte uns über den Liebfrauenplatz und die engen Altstadtgassen zurück zu unserem Bus, der hinter der Rheingoldhalle am Rheinufer auf uns wartete. Hier verabschiedeten wir uns von unseren beiden Stadtführern Frau Martens und Herrn Bergmann, natürlich nicht ohne ihnen für ihre informationsreiche und humorvolle Arbeit zu danken. Und dann war es Herrn Makossas Aufgabe, uns wieder gut zurück nach Solingen zu bringen, was er wie immer hervorragend machte – herzlichen Dank dafür.

Organisation: Friedrich Meyer, Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)

 

VTI-Fahrt nach Mainz

Informationsbesuch des ZDF Sendezentrums

Stadtführung inkl. Dom und Altstadt

 

Es war eine Fahrt für Frühaufsteher, zu der sich am Dienstagmorgen, den 5. Mai 2015, 45 unserer Mitglieder um 6.30 Uhr auf dem Parkplatz des Solinger Kunstmuseums trafen. Nach über einem Jahr war wieder einmal Herr Makossa vom Reiseunternehmen Wiedenhoff derjenige, der uns mit dem Neoplan-Starliner-Bus zu unseren Exkursionszielen in der Rheinland-Pfälzischen Hauptstadt Mainz bringen sollte. Aufgrund der Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke für den Schwerverkehr und dem gleichzeitigen Streik der Lokführer war auf den Straßen um Köln besonders zäher Verkehrsbrei angerührt.

Glücklicherweise erreichten wir trotzdem pünktlich das ZDF Sendezentrum auf dem einige Kilometer südwestlich von Mainz gelegenen Lerchenberg, wo wir um 10 Uhr zur Besichtigung angemeldet waren. Vor dem 14-stöckigen Redaktions- und Verwaltungshochhaus nahm uns dann schon Herr Hans-Joachim Steinmetz aus der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Empfang und führte uns in das Foyer des Kasinogebäudes, wo er und Frau Hesse uns begrüßten und uns die ersten Informationen vermittelten. Die Zeit bis zum Beginn der Führung verging schnell, denn wir lachten über die Späße der Mainzelmännchen, die auf einem Bildschirm liefen, alles Episoden aus ihrer über 40jährigen Geschichte, die nie veröffentlicht wurden – zum Teil noch in Schwarz-Weiß. Aufgeteilt in zwei Gruppen begann dann die Führung durch das Sendezentrum.

Auf dem Platz vor dem interessant gegliederten Rundbau des 1984 fertiggestellten Sendebetriebsgebäudes begann Herr Steinmetz mit der Geschichte des „Zweiten Deutschen Fernsehens“, kurz ZDF, das am 1. April 1963 auf Sendung ging und das seit dem Jahre 1974 auf dem Mainzer Lerchenberg produziert, zur Zeit mit etwa 3550 Mitarbeitern, die sich jedoch bis 2020 durch weitreichende Digitalisierung um ca. 200 vermindern sollen. Neben dem ZDF hier vor Ort sind im nahegelegenen Sendezentrum 2 die Partnerprogramme ZDF INFO und ZDF KULTUR sowie ARTE und 3sat beheimatet. Aktuell sind 70% der vom ZDF ausgestrahlten Sendungen Eigenproduktionen.

Und dann ging es hinein in den fünfgeschossigen Rundbau, vorbei an der legendären Torwand aus dem Sportstudio in einen großen Aufzug, der auch für den Transport umfangreicher Bühnendekorationen geeignet ist, hinauf zum Studio 2. Laut unserem Guide befinden sich im Sendegebäude fünf Aufnahmestudios, zwei große und drei kleinere. Erstaunlicherweise sind die Studios nicht eckig, sondern rund, was sie bei der Aufnahme größer wirken lässt. Hier konnten wir auch eine der 250.000 € teuren Fernsehkameras genauer ansehen und uns von Herrn Steinmetz die Funktion eines Teleprompters erklären lassen, einer Einrichtung, von der der Moderator während seines Vortrags den Text vor dem Kameraobjektiv abliest und so seinen Blick nicht abwenden muss, was dem Zuschauer den Eindruck einer freien Rede vermittelt. In so einem TV-Studio hängt der Himmel nicht voller Geigen, sondern voller Scheinwerfer, manchmal bis zu 200, je nachdem wie viele Sendungen im Studio aufgenommen werden, wie viele Kameraeinstellungen und Positionen erforderlich sind – für jede dieser Einstellungen sind mindestens drei Scheinwerfer erforderlich, die über Computer fernzusteuern sind – in Leuchtwinkel, Leuchtrichtung und Lichtleistung, dazu noch in unterschiedlichen Farben. Alle diese Werte sind für die Sendungen gespeichert und können jederzeit wieder abgerufen werden.

Weiter führte uns danach unser Guide durch das Sendegebäude Richtung Regieraum. Auf dem Weg dorthin konnten wir noch einen Blick in das Studio 3 werfen, das größte von allen, aus dem am Samstagabend das Aktuelle Sportstudio übertragen wird. Das zweite Großstudio wurde gerade technisch umgebaut. Im Regieraum erstaunten uns die Wand voller Monitore und die Mischpulte für Bild und Ton in unüberschaubarer Anzahl. Anschließend führte uns die Besichtigungstour hinaus aufs im Sonnenschein liegende Freigelände zum hinter dem Rundbau gelegenen ZDF-Fernsehgarten, der die Kulisse für die namensgleiche Show am Sonntagmittag abgibt. Dann ging es noch einmal zurück ins Sendegebäude in den Besucherraum 2. Anhand eines Films durften wir miterleben, wie das „heute-journal“ entsteht und welcher Aufwand erforderlich ist, um diese 30minütige Nachrichtensendung zu produzieren, die täglich meistens um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird. Schon am Vormittag trifft sich das gesamte Team, um die Sendung zu planen, die aktuellen Themen zu sichten, die Beiträge vorzubereiten, die betroffenen In- und Auslandstudios zu informieren, dass deren Einspielfilme minutengenau zur Verfügung stehen, die Vorbereitungen der Nachrichtenstars Marietta Slomka und Claus Kleber in ihren Büros und in der Maske, beides ja keine Schauspieler, sondern gestandene Journalisten. Und trotz des Aufwandes muss noch bis zur letzten Sekunde vor der Sendung oder sogar während ihrer Ausstrahlung auf wichtige aktuelle Ereignisse reagiert werden können. Selbst nach der Sendung erfolgt noch eine Besprechung, um zu diskutieren, was man hätte besser machen können. Erst kurz vor Mitternacht geht der lange Arbeitstag schließlich zu Ende.

Bis hierhin offengebliebene Fragen beantwortete uns Herr Steinmetz, bevor er uns dann wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt im Foyer führte. Zu Ende war damit auch unsere informative Führung durch das große Medienunternehmen ZDF. Für diese außergewöhnlich lehrreiche Besichtiung, bei der uns Frau Hoppe und Herr Steinmetz zum Teil mit launigen Worten in humorvoller Art viel über die Arbeit der Fernsehleute vermittelten und uns damit begeisterten, bedankten wir uns bei beiden und nicht zuletzt auch beim ZDF und verabschiedeten uns. Ein paar Minuten blieben noch, um im kleinen Shop zu stöbern und das eine oder andere Andenken zu erstehen. Als wir das Sendezentrum verließen, entdeckten der eine oder andere aus unserer Gruppe das Besucherstudio, in dem sie von einer Fernsehkamera im „Blue box“-Verfahren aufgenommen und mit Herrn Claus Kleber per Computer zu einem virtuellen „heute-journal“ zusammengerechnet wurden – für uns ein unglaublicher Trick.

Herr Makossa brachte uns anschließend hinunter in die Stadt. Da der „Augustinerkeller“, in dem wir zum Mittagessen angemeldet waren, in der Mainzer Fußgängerzone liegt, stiegen wir am Rande der Altstadt aus und gingen das letzte Stück zu Fuß bis dahin. Was tat uns das Sitzen gut nach der langen Führung und nach gutem Essen und Trinken waren wir bald wieder obenauf. Vor dem Lokal holten uns hinterher Frau Martens und ihr Kollege Herr Bergmann zur Stadtführung ab. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es dann auch sofort los.

In den einleitenden Worten zur Geschichte der Stadt, die auf die Gründung eines römischen Heerlagers im Jahre 13 oder 12 vor unserer Zeitrechnung zurückgeht und die bis heute auf über 200.000 Einwohner gewachsen ist, stimmte uns Frau Martens auf die Führung ein. Der erste Weg führte uns in die nahegelegene Weintorstraße, wo das älteste noch erhaltene und bewohnte Gebäude der Stadt, das Haus zum Stein, zu bewundern ist. Der romanische Wohnturm geht auf das Ende des 12. Jahrhundert zurück und gehörte mit seinen 1,4 Meter dicken Wänden ehemals zum Stadtmauerring. Der über 20 m hohe Turm mit seinen 3 Geschoßen wurde um 1970 instandgesetzt und dabei kamen originale Teile aus der romanischen Zeit zum Vorschein. Danach wurde der Turm saniert, restauriert und teilweise mit historischer Bausubstanz rekonstruiert. Zurück auf der Augustinerstraße standen wir bald vor der prachtvollen Fassade aus rotem Sandstein, die zur barocken Augustinerkirche gehört, die zwischen 1768 und 1771 erbaut wurde. Wir bewunderten den reichdekorierten lichtdurchfluteten Innenraum mit den schönen Deckengemälden, der sich am Rokoko orientiert. Prunkstück ist die Barockorgel, die 1773 von der berühmten Orgelbauerfamilie Stumm geschaffen wurde. Ein paar Schritte weiter staunten wir über den Kirschgarten, einen romantischen Platz, den ein kleiner Brunnen mit einer Madonna obenauf ziert und der von wunderschönen Fachwerkhäusern eingerahmt ist.

Gleich um die Ecke grüßten uns dann auch schon die mächtigen Türme von St. Martin, dem Hohen Dom zu Mainz. Auf dem Weg an ihm vorbei zum Gutenbergplatz passierten wir auch die Johanniskirche, die älteste Mainzer Kirche und gleichzeitig die zweitälteste Kathedrale Deutschlands. Der Kathedralbau ist als einziger aus der späten Zeit der Karolinger und der frühen ottonischen Zeit erhalten und wurde anno 910 geweiht. Bis zur Weihe des Doms im Jahre 1036 war sie die Kathedralkirche des Erzbistums Mainz. 1828 wurde sie von der evangelischen Gemeinde übernommen.

Auf dem Gutenbergplatz steht das Denkmal von Johannes Gensfleisch, auch Gutenberg genannt, jenes Mannes, der um 1400 in Mainz geboren wurde und der den modernen Buchdruck erfunden hat. Am 3. Februar 1468 verstarb er dann auch in seiner Heimatstadt. Quer über den Gutenbergplatz verläuft der 50. Breitengrad (nördliche Breite), der als Doppellinie im Bodenpflaster zu erkennen ist. Über das Höfchen nördlich des Doms, dem Mittelpunkt der Mainzer Innenstadt, erreichten wir den Markt, den größten Platz am Dom.

Von dort aus betraten wir das als einer der Kaiserdome geltende beeindruckende Bauwerk, das bis auf seine Ostseite fast vollständig von anderen Gebäuden umbaut ist, durch das Nordportal, das auch als das Marktportal bezeichnet wird. Die beiden aus Bronze gegossenen Türflügel sind deutlich älter als der Dom, sie stammen etwa aus dem Jahre 1000 und gehörten wohl vorher zur Liebfrauenkirche. Wenn man sich an das Dunkel im Innern gewöhnt hat, erkennt man die unterschiedlichen Baustile, Romanik, Gotik und Barock, die sich trotzdem zu einem harmonischen Ganzen zusammenfinden. Erstaunlich ist die Doppelchoranlage, wobei der Ostchor recht nüchtern ausgefallen ist, der Westchor dagegen mit seinem prunkvollen Chorgestühl und dem Hauptaltar umso imposanter. Früher wurden beide Chöre gleichwertig genutzt, heute hat sich der Schwerpunkt eindeutig westlich verlagert. Kunstgeschichtlich bedeutend sind die vielen Grabdenkmäler, denn der Dom beherbergt eine außergewöhnliche Anzahl dieser Kunstwerke, beginnend in der Mitte des 13. und endend im 19. Jahrhundert, ursprünglich auf Gräbern liegend, später dann an Wänden oder Pfeilern hängend. Allein über 40 Mainzer Erzbischöfe wurden hier beigesetzt. Im Rahmen der Stadtführung blieb leider nicht genug Zeit, um sich das steinerne Symbol der Macht der Mainzer Erzbischöfe umfassender anzusehen.

Wieder draußen im herrlichen Sonnenschein führte uns Frau Martens zur Mitte des Marktes, wo gleich einem Obelisken ein mächtiger über 1000 Jahre alter Monolith aus rotem Sandstein steht – die Heunensäule – inzwischen ein Wahrzeichen von Mainz, das der Stadt 1975 zum 1000-jährigen Dombaujubiläum geschenkt wurde und seitdem hier steht. Die Säule wiegt bei einer Höhe von 6,4 Metern und einem Durchmesser von 1,2 Metern 16 Tonnen und steht aufrecht auf einem Bronzesockel, auf der vier charakteristische Kopfbedeckungen der Mainzer Stadtgeschichte dargestellt sind – versehen mit einigen Feinheiten, die sich auf ehemalige Persönlichkeiten, politische Parteien und Gebäude der Stadt beziehen.

Damit war die Stadtführung zu Ende und unser Guide brachte uns über den Liebfrauenplatz und die engen Altstadtgassen zurück zu unserem Bus, der hinter der Rheingoldhalle am Rheinufer auf uns wartete. Hier verabschiedeten wir uns von unseren beiden Stadtführern Frau Martens und Herrn Bergmann, natürlich nicht ohne ihnen für ihre informationsreiche und humorvolle Arbeit zu danken. Und dann war es Herrn Makossas Aufgabe, uns wieder gut zurück nach Solingen zu bringen, was er wie immer hervorragend machte – herzlichen Dank dafür.

Organisation: Friedrich Meyer, Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)