VTI-Fahrt nach Grevenbroich

Besichtigung der Fa. NOEX ( Entsorgung + Recycling Elektroschrott )

Besichtigung ADAC-Fahrsicherheitszentrum

 

48 VTI-Mitglieder eröffneten am Donnerstag, dem 13. März, die Saison 2014. Herr Makossa holte uns mit einem Setra-Reisebus der Fa. Wiedenhoff am Parkplatz beim Kunstmuseum (ehemaliges Museum Baden) in SG-Gräfrath ab, um uns zur Firma NOEX in Grevenbroich zu bringen, die wir besuchen wollten.

Pünktlich um 10 Uhr dort angekommen, begrüßten uns Frau Helmhold, die Pressesprecherin der EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH, die die Muttergesellschaft der NOEX AG ist, und Herr Riemann, der bei der NOEX für den Vertrieb und das Monitoring zuständig ist. Frau Helmhold erklärte uns zuerst die Entstehung und die Entwicklung der EGN (vormals Trienekens AG), die zunächst von Mathias Trienekens gegründet und später von Hellmut Trienekens übernommen wurde und mit der auch die Solinger Firma Scalabrin zusammenarbeitete. Dann beteiligte sich RWE, später übernahm die RWE Umwelt AG das Unternehmen vollständig. 2005 erwarben es die SWK Stadtwerke Krefeld. Heute beschäftigt die ENG, deren Logo die Ameise ist, an 14 Standorten 670 Mitarbeiter und setzt 183 Mio. € im Jahr um, was sie durch Müllentsorgung, Straßenreinigung, Pflege der Abwasserkanäle und durch Verleih mobiler Sanitärsysteme bei Großereignissen erzielt.

In einem weiteren Vortrag brachte uns Herr Riemann die NOEX AG nahe, die umfassende Dienstleistungen anbietet, wenn es um das Sammeln, Entsorgen und das Recyclen von Elektro- und Elektronikgeräten geht. Das Zerlegezentrum in Grevenbroich ist der Hauptstandort, in Wilhelmshaven und in Gemmerich in der Nähe von Koblenz bestehen zwei weitere Niederlassungen, womit 50% der Bevölkerung Deutschlands erreicht werden. Mit Kooperationspartnern arbeitet man europaweit zusammen und kann so mit aktuell 162 Mitarbeitern 95.000 Tonnen alte Elektrogeräte im Jahr verwerten. Ein Team von 72 Personen hat sich in Grevenbroich darauf spezialisiert, Kühlschränke, Waschmaschinen, Röhrenfernseher und Bildschirme zu demontieren. Allein 400.000 Kühlgeräte werden jedes Jahr aufbereitet und verarbeitet. Dabei ist nicht nur die Rückgewinnung der Wertstoffe wichtig, sondern auch die fachgerechte Schadstoffentsorgung wie z. B. von FCKW-haltigem Thermoöl, denn das Kältemittel ist 10.900 mal klimaschädlicher als CO2 und die in einem einzigen Kühlschrank enthaltene Menge entspricht der CO2-Emission eines Autos bei 20.000 gefahrenen Kilometern.

Und dann konnten wir uns das eben Gehörte auch in der Praxis ansehen. Frau Helmhold und Herr Riemann führten uns in zwei Gruppen durch den Zerlegebetrieb. Erste Station war der Bereich Waschmaschinen, die manuell vorzerlegt, die Motoren und die Platinen ausgebaut wurden, wobei man auch mal mit gezielten Hammerschlägen nachhalf. Leider lief die Zerkleinerungsanlage wegen einer Revision nicht. Eine Halle weiter wurden Fernseher und Bildschirme zerlegt (Röhren- und Flachgeräte), die Elektrik (Trafos, Lautsprecher, Ablenkeinheiten) und die Elektronik (Platinen, Prozessoren, Speicherbausteine) gezielt ausgebaut und die Glasteile separiert. Ähnlich ergeht es Computern, Unterhaltungselektronik, elektronischem Spielzeug, Haushaltskleingeräten und elektrischen Werkzeugen etc. Der Rest wird zerkleinert. 13.000 Tonnen Bildschirme pro Jahr können so verarbeitet werden, 27.000 Tonnen bunt gemischte Materialien werden zerkleinert, sortiert und als Sekundärrohstoffe wieder dem Kreislauf zugeführt.

Vor der letzten Halle, in der sich die Kältegeräteaufbereitung befindet, werden die Kühlschränke per Container-LKW angeliefert und von da direkt auf das Transportband geladen. Als erstes werden der Kühlkompressor und das Wärmetauschgitter samt Inhalt entfernt, was an einem mit speziellen Absauganlagen ausgerüsteten Arbeitsplatz erfolgt, um die Gesundheit der Mitarbeiter und die Umwelt zu schonen. 99,9% des FCKW wird hier abgesaugt – über 150.000 kg des schädlichen Gases werden so zurückgehalten und wie auch die Öle und die Kühlflüssigkeiten in Behältern gesammelt. Ein schräges Förderband transportiert die ausgebeinten Kühlgeräte hinauf zum Querstromzerspaner, einem isolierten und gut gedämmten System, in dem mit Hilfe von schnell rotierenden schweren Ketten die Gehäuse komplett zerkleinert werden. Der geschredderte Kühlschaum wird von den FCKW-Resten getrennt, das Gas gekühlt, verflüssigt und in Behältern aufgefangen. Die diversen Metalle und Kunststoffe werden maschinell getrennt und bis zum Verkauf an die Verwerter in Bergen auf dem Hof gelagert, was uns unsere Guides als Abschluss der Führung zeigten. Damit war unser NOEX-Besuch zu Ende. Wir dankten Frau Helmhold und Herrn Riemann für die Einblicke, die wir in ein für unsere Umwelt so entscheidendes Thema nehmen durften. Danken möchten wir an dieser Stelle unserem Vereinsmitglied Herrn Klaus Artmann, der uns mit seinen persönlichen Kontakten die Tür zu diesem Entsorgungsunternehmen geöffnet hat.

Unser zweites Tagesziel war nur ein paar Kilometer entfernt – Herr Makossa brachte uns nach kurzer Fahrt dorthin – zum ADAC-Fahrtsicherheitszentrum Grevenbroich. Zunächst war gemeinsames Mittagessen im lichtdurchfluteten Restaurant „Jedermann“ angesagt. Gut gestärkt und erfrischt trafen wir uns danach mit Herrn Eilers, einem der ADAC-Fahrsicherheits-Instruktoren, in unserem Bus, um uns das ausgedehnte Gelände mal etwas genauer anzusehen.

Das 2005 eröffnete Fahrsicherheitszentrum ist das modernste in Europa und eines der vorbildlichsten seiner Art. Es erfüllt technisch die anspruchsvollsten Anforderungen für ein grundlegendes Sicherheitstraining. Auf dem 12 ha großen Areal finden Schulungen und Trainings für PKW, Motorräder, Kleintransporter, Geländefahrzeuge, LKW, Busse, Wohnmobile und Wohnwagengespanne etc. statt. Dazu stehen eine Kreisbahn (Ø80 m) mit Kurvengleitfläche, eine Rundstrecke mit 2,3 km Länge, große Dynamikmodule, 12 elektronisch gesteuerte Wasserhindernisse, eine Gefällstrecke (9%) mit Gleitfläche, zwei Hydraulikplatten für LKW/PKW, ein Aquaplaningbecken und eine Offroad-Strecke zur Verfügung.

Von Herrn Eilers geleitet steuerte unser Fahrer den Bus langsam über die Strecke vorbei an den einzelnen Trainingsbereichen, deren Funktion uns der ADAC-Instruktor umfassend erklärte. Leider fand zu diesem Zeitpunkt nur ein Sicherheitslehrgang statt, bei dem wir zusehen konnten (es war noch früh im Jahr und dazu mitten in der Woche), aber wir bekamen demonstriert, wie ein mit dem Heck ausbrechender PKW auf glatter Fahrbahn abgefangen und um ein auftauchendes Hindernis gelenkt werden kann. Leider war Herr Makossa nicht dazu zu bewegen, diese oder eine ähnliche Übung mit dem Wiedenhoff-3-Achser zu wagen. Zurück am modernen Multifunktionsgebäude bedankten und verabschiedeten wir uns von Herrn Eilers. Vielleicht hat doch jemand von uns Lust bekommen, etwas für seine Fahrzeugbeherrschung zu tun und unter Anleitung professioneller Instruktoren das Fahrverhalten seines fahrbaren Untersatzes ohne Gefahr im Grenzbereich kennenzulernen und sich damit vertraut zu machen. 20.000 Teilnehmer haben hier im Jahr 2013 den Mut dazu gehabt.

Unser Tagesprogramm war damit abgearbeitet, aber es war noch früher Nachmittag und so entschieden wir uns kurzfristig zum Kaffeetrinken nach Schloss Dyck zu fahren, das nur wenige Kilometer entfernt zwischen Grevenbroich und Mönchengladbach gelegen ist. Leider war das Café wegen Renovierungsarbeiten geschlossen – wir genossen trotzdem die herrliche Sonne und ihre wärmenden Strahlen vor dem Schlossgarten – dann ging es zurück nach Solingen, wo unsere interessante Exkursion an einem traumhaften Vorfrühlingstag zu Ende ging.

Organisation: Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)