VTI-Betriebs-Besichtigung der Fa. EVERTZ in Solingen

am 14.03.2013

Am Donnerstag, den 14. März 2013 trafen wir uns um 14 Uhr am Hauptsitz der Firma EVERTZ am Birkenweiher in Solingen. 40 VTI-Mitglieder waren daran interessiert, sich bei dieser Gelegenheit das bekannte Solinger Unternehmen etwas genauer anzusehen.

Mit über 700 Mitarbeitern arbeiten die Firmen der Evertz-Gruppe seit mehr als 50 Jahren weltweit für Stahlwerke – in eigenen Betrieben, aber auch direkt in den Stahlwerken – und übernehmen mit fortwährend verbesserten Verfahren und Techniken Teilbereiche der Stahlproduktion. Das Angebot für die Stahl- und Aluminiumwerke wird durch Engineering und den Anlagenbau abgerundet. Aber auch andere Bereiche der Industrie werden bedient, so gehört z. B. der Klopp-Maschinenbau, der Universal-Bohr- und –Fräsmaschinen herstellt und vertreibt, seit Jahren zur Evertz-Gruppe.

Es begrüßten uns Herr Horlitz und Herr Klose. Aufgeteilt in zwei Gruppen unter Führung dieser beiden Herren ging es dann auch gleich los auf den Weg über das Firmengelände und durch die Werkshallen. Erste Station war der Magnetbau, in dem Elektrolasthebemagnete hergestellt, aber auch instandgesetzt werden. Zu sehen waren mehrere einsatzbereite Rechteck- und Rundmagnete. Herr Benner, der Leiter des Bereichs Magnetbau, erklärte uns die Einsatzgebiete dieser unterschiedlichen Typen, die ferromagnetische Güter mit Lasten von über 50 Tonnen transportieren können, z. B. Brammen, Coils, Schrott etc. Die Gehäuse für die Rechteckmagnete sind Schweißkonstruktionen, die selbst hergestellt werden, die Gehäuse für die Rundmagnete bestehen aus Stahlguss und werden von einer Gießerei bezogen. Zu sehen waren auch Magnete, die zur Reparatur angeliefert worden waren, weil etwa die Gehäuse beschädigt, die Anhängepunkte gebrochen waren oder wo die Wicklungen erneuert werden mussten. Die Magnetspulen werden hier nicht nur für den Reparaturfall, sondern auch bei Neufertigung zumeist aus Aluminiumdraht mit diversen Querschnitten selbst gewickelt.

Aus dem Bereich Stahlbau war eine große Hubtraverse, die für den Einsatz mit einem Rechteckmagneten gedacht ist, zum Verschweißen vorbereitet. Viele hundert Meter Schweißnaht sind erforderlich, um aus vielen Einzelteilen eine hoch belastbare Schweißkonstruktion zu machen, an der schwere Güter sicher und unfallfrei transportiert werden können. Aufwendige Prüfverfahren bei externen Firmen garantieren die Fehlerfreiheit der Schweißnähte.

Auch eine Flämmaschine war in der Halle zu sehen, allerdings ohne die spezielle Flämmeinheit. Diese Maschinen werden von Evertz hergestellt und dienen dazu, im Stahlwerk die Oberflächen der Brammen vor dem weiteren Walzen von Zunder und anderen Verunreinigungen zu befreien und so eine fehlerfreie Oberfläche zu erzielen. Diese Flämmanlagen werden von Evertz meist als komplette Dienstleistung mit eigenem Personal beim Kunden betrieben.

Zum Verbessern der Oberflächen von Brammen, Knüppeln und Halbzeugen aus Stahl vor der Weiterbearbeitung durch Walzen oder Schmieden müssen fehlerhafte Stellen herausgeschliffen oder gesamte Oberflächen überschliffen werden. Die dazu benötigten Maschinen und auch die dabei eingesetzten Schleifscheiben werden von Evertz hergestellt. Der Werdegang der Schleifscheiben wurde uns erklärt und wir konnten dabei zusehen. Das Schleifgemisch wird in eine runde Form eingefüllt und diese dann unter hohem Druck und Temperatur in einer hydraulischen Presse sozusagen fertiggebacken. Nach dem Erkalten wird jede Scheibe auf dem Prüfstand mit dem Zweifachen der Einsatzdrehzahl getestet. Da die Herstellung dieser Schleifscheiben in Zukunft deutlich ausgebaut werden soll, wird diese Fertigung in die ebenfalls zu Evertz gehörende Halle an der Prinzenstraße in Solingen-Ohligs verlagert, da dort der dafür erforderliche Platz zur Verfügung steht. Dort wird zusätzlich eine zweite deutlich leistungsfähigere Presse in Betrieb genommen.

Weiter ging es in die Werkshalle 11, die hauptsächlich für Ausstellungen, Konzerte und Musik-Aufnahmen wie z. B. der CD-Reihe „Classics in the workplace“ genutzt wird. In einer Ecke der Halle wurde uns von Herrn Lux in einem Modellaufbau die Funktion des EGIS-Systems (Evertz Group Intelligente Sicherheit) vorgeführt. Dieses von Evertz entwickelte System verhindert bei Bruch der Stromzuführung und dem damit verbundenen sofortigen und vollständigen Stromausfall an einem Elektro-Hubmagneten den unmittelbaren Absturz der am Kran hängenden Last und damit der Gefahr für Menschenleben und der Beschädigung von Transportgut, Krananlage und weiteren Einrichtungen. EGIS ermöglicht es dem Kranführer noch, nach Alarmauslösung das am Magnet hängende Gut schnell abzusetzen. Bei der Vorführung am Modell standen dazu noch gut 40 Sekunden zur Verfügung – ein riesiger Gewinn an Sicherheit.

In der benachbarten Halle hat die KLOPP-Maschinenbau GmbH & Co. KG ihre Zelte aufgeschlagen. Dieses 1910 gegründete Unternehmen gehört seit 1992 zur Evertz-Gruppe und blickt auf über 100 Jahre Erfahrung im Werkzeug- und Sondermaschinenbau zurück – mehr als 100.000 Werkzeugmaschinen wurden weltweit gebaut. Herr Konertz zeigte und erklärte uns die in der Montage befindlichen Maschinen und wies uns auf aufwendige Besonderheiten hin wie etwa geschabte Maschinentische. Das Fertigungsspektrum reicht von der einfachen manuellen Fräsmaschine bis hin zum Bearbeitungszentrum mit neuester und modernster Technologie und 10 oder mehr CNC-gesteuerten Achsen. Neben dem Bau von Neumaschinen wird auch die Teil- und Komplettüberholung sowie Generalüberholungen mit Modernisierung der Steuerung und der Antriebe von gebrauchten Werkzeugmaschinen angeboten.

Letzte Besichtigungsstation war eine im Aufbau befindliche Brammenmarkieranlage, mit der glühendheiße Brammen vor der Weiterbearbeitung an der Stirnseite vollautomatisch markiert werden.

Anschließend brachten uns unsere Guides wieder zurück zum Ausgangspunkt der Werksführung, wo wir uns bei Herrn Horlitz und Herrn Klose für die informative Besichtigung und das geduldige Beantworten all unserer Fragen bedankten. Zu danken haben wir aber auch den Herren Evertz, die uns mit Ihrem Einverständnis diesen interessanten Einblick in Ihr Unternehmen ermöglicht haben.

Bei dieser Gelegenheit  möchten wir unserem VTI-Vereinsmitglied Herrn Egon Evertz, wenn auch im Nachhinein, zur Verleihung des Ehrenrings der Stadt Solingen, herzlich gratulieren.

 

Gerhard Moch (Schriftführer)