VTI-Fahrt nach Nörten-Hardenberg und Einbeck in Niedersachsen

Besichtigung  der Gräflich von Hardenberg´schen Kornbrennerei

Firmenbesichtigung der KWS SAAT AG in Einbeck

 

Am Sonntag, den 3. Juli 2011, nachdem alle Teilnehmer eingesammelt waren, fuhren wir mit einem fast neuen Reisebus der Fa. Wiedenhoff (Mercedes Tourismo, 8 Wochen alt), gelenkt von Herrn Padberg, über das AK Dortmund/Unna und das Autobahndreieck Kassel-Süd nach Nörten-Hardenberg.

Dort gegen 12 Uhr auf dem Gräflich von Hardenberg´schen Landsitz angekommen, stärkten wir uns alle zusammen beim deftigen Mittagessen in der Keilerschänke.

Anschließend führte uns Frau Rotter über gut eine Stunde durch die Gräfliche Kornbrennerei und erklärte uns die einzelnen Stationen der Herstellung, so z.B. die Destillerie, das Fasslager für spezielle Produkte (wie z.B. das Danziger Goldwasser) und die Abfüllung. In einem Schwarzweiß-Film aus den Jahren 1934/35 zeigte man uns, wie schon vor dem Zweiten Weltkrieg auf einem riesigen landwirtschaftlichen Betrieb mit intensivem Maschineneinsatz, aber auch harter körperlicher Arbeit die Feld- und Erntearbeit geleistet wurde.

Selbstverständlich konnten wir uns bei der anschließenden Verkostung des Weizenkornbrandes von seinem Geschmack und seiner Qualität überzeugen. Die eine oder andere Flasche aus dem umfangreichen Sortiment mit dem schwarzen Keilerkopf wurde anschließend noch im Shop erstanden.

Gelegenheit gab es auch, sich den Reitturnierplatz anzusehen, auf dem jedes Jahr die Elite des internationalen Springreitsports zum Kampf um die „Goldene Peitsche“ des Grafen von Hardenberg antritt und bei der Hardenberg-Klassika, zu der sich die besten Dressurreiter zum internationalen Wettkampf treffen. Auch zu einem Spaziergang durch den Gräflichen Park reichte noch die Zeit.

Um 16 Uhr ging es weiter nach Einbeck, wo wir unsere Hotelzimmer im „Einbecker Hof“ oder im „Haus Johanna“ bezogen.

Am Abend trafen wir uns alle dann im Restaurant des „Einbecker Hofs“ zum gemeinsamen Abendessen. És war ein gelungener gemütlicher Abend, an dem lautstark vieles erzählt und diskutiert wurde, bevor wir zu vorgerückten Stunde müde in die Kissen sanken.

Am Montagvormittag um 10 Uhr ging es mit unserem Bus zunächst zu Stadtrundfahrt in und um Einbeck. Frau Hebel von der örtlichen Touristik zeigte und erklärte uns viel von der ehemaligen Hansestadt. Zu Fuß ging es mit ihr anschließend weiter auf den Weg durch die Altstadt. Der historische Stadtkern von Einbeck bietet mit über 150 Fachwerkhäusern ein fast vollständig erhaltenes Bild einer spätmittelalterlichen Fachwerkstadt. Das Eickesche Haus mit seinen einzigartigen figürlichen Fachwerkschnitzerei ist als „Baudenkmal von besonderer nationaler und kultureller Bedeutung“ klassifiziert.

Soviel Bewegung und Information machen hungrig. Bei einem gemeinsamen Mittagsimbiss im „Altstadt-Cafe“ konnten wir uns stärken und etwas ausruhen.

Danach besuchten wir um 14 Uhr das „Rad-Haus“ im Stadtmuseum. Dieses Fahrradmuseum ist wahrscheinlich das modernste in Deutschland. Vom Laufrad des Herrn von Drais, den ersten Knochenschüttlern auf Einbecks Straßen und den Hochrädern spannt sich der Bogen über Klappräder, Sport- und Artistik-Räder und ein fliegendes Rad bis hin zur Moderne mit den Produkten der ehemaligen Einbecker Firma Heidemann. Nach dem Rundgang konnten besonders Mutige in Hof des Museums einige historische Räder selbst ausprobieren. Am Ende bedankte sich Herr Stamm bei Frau Hebel  für die informative und unterhaltsame Stadtführung.

Um 18 Uhr fuhren wir dann mit unserem Bus nach Winzenburg-Westerberg zur Bauerngaststätte „Zum Zwetschenkreuger“. Beim gemeinschaftlichen rustikalen Abendessen aus Produkten vom eigenen Hof ließen wir es uns so richtig gutgehen. Später als geplant waren wir dann nach diesem langen Tag wieder zurück in unseren Einbecker Hotels.

Am Dienstag nach dem Frühstück wurde unser Gepäck verladen und Herr Padberg brachte uns mit dem Bus zur nahegelegenen Firma KWS. In Einbeck ist die KWS SAAT AG der größte Arbeitgeber - insgesamt sind in der KWS-Gruppe etwa 3500 Mitarbeiter beschäftigt, die in den Jahren 2009/2010 einen Umsatz von 754 Mio. € erwirtschafteten. Präsent ist man in 70 Ländern, wobei man auf den wichtigsten Märkten vertreten ist mit eigenen Selektions- und Prüfstandorten, Vermehrungsaktivitäten und eigenen Saatgutaufbereitungsanlagen. Rund 98 Mio. € werden in Forschung und Entwicklung investiert, wobei über 100 Wissenschaftler und über 1000 Mitarbeiter in diesem Bereich tätig sind.

Die KWS SAAT AG (vormals Kleinwanzlebener Saatzucht AG) mit Sitz in Einbeck ist ein 1856 in Klein Wanzleben bei Magdeburg gegründetes Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologie-Unternehmen. Mit einem Marktanteil von jeweils 45% ist das Unternehmen KWS bzw. die Unternehmensgruppe Weltmarktführer bei Zucht und Vertrieb von Zuckerrüben- und Maissaatgut sowie Europas Nummer eins für Getreidesaatgut.

Um 10 Uhr begrüßte uns Herr Dr. Holtschulte im AudiMax und umriss in einem kurzen Vortrag die Entwicklung und die Aktivitäten der KWS. Ein kurzer Film untermauerte das auch optisch. Drei hochkarätige Referenten gingen dann in ihren Vorträgen ins Detail.

Herr Dr. Weißleder brachte uns die klassischen Technologien der Pflanzenzüchtung anhand der Zuckerrübe nahe. Es ging um Züchtung durch Auslese und Selektieren.

Herr Dr. Tilcker erklärte uns anhand des Zuckerrübensaatguts, in wie viel Schritten ein sperriges ZR-Samenkorn zu einem vom Landwirt einfach zu handhabenden Saatgut verwandelt wird, das optimale Keimeigenschaften mit sicherem Schutz gegen Krankheiten und Schädlinge verbindet.

Herr Dr. Stahl umriss die Vorzüge der gentechnologischen Pflanzenzuchttechniken und deren Möglichkeit, resistente Pflanzen gegen Pilz- und Virenbefall zu züchten oder auch Zuckerrüben, deren Wachstumsphasen verschoben werden können und damit einen wesentlich höheren Ertrag erbringen.

Auftauchende Fragen konnten sofort geklärt und diskutiert werden. Zu danken ist den Referenten noch einmal dafür, dass sie diese für uns fremden, aber sehr interessanten Sachverhalte in verständlichen Worten vermitteln konnten.

Um 13 Uhr stand dann im KWS-FORUM ein leckerer Imbiss für uns bereit, denn Lernen macht bekanntlich hungrig. Da sich unser Gastgeber Herr Dr. Holtschulte wegen anderer Verpflichtungen leider ausklinken musste, dankte ihm Herr Stamm im Namen von uns allen für diesen hochinteressanten Tag.

Anschließend nahm uns Herr Mielke ins Schlepptau, um uns die architektonischen Höhepunkte der KWS zu zeigen und zu erklären. Für die Sanierung des historischen Maschinen- und Speicherhauses erhielt die KWS den PROM des Jahres 2011, einen mit 20.000 € dotierten Architekturpreis, mit dem der niedrige Gesamtenergiebedarf, die hohe Wirtschaftlichkeit sowie die Originalität und Funktionalität des Gebäudes gewürdigt wurden. Besonderes Lob verdienen die Variabilität der neu geschaffenen Räume, die Ausstattung des Gebäudes mit modernster Bürotechnik und Möbeln, die von den Mitarbeitern selbst ausgesucht wurden. Alles in allem ein stimmiges, ökologisch-humanes Konzept, das vorbildlich ist. Es muss Spaß machen, hier zu arbeiten, denn an allem erkennt man, wie KWS mit seiner Belegschaft umgeht.

Herr Klose führte uns danach in das neue, 7000 m² große Gewächshaus LEO, außen beinahe ein holländisches Gewächshaus von der Stange, aber innen vollgepfropft mit modernster Technik, egal, ob es um die Heizung/Klimatisierung geht, die Regelung des Lichteinfalls, die Beleuchtung mit unterschiedlichsten Lichtquellen oder die Bewässerung usw.

Damit war unser lehrreicher Besuch bei diesem Vorzeigeunternehmen beendet. Also machten wir uns um 15.15 Uhr wieder auf den Weg zurück nach Solingen.  Die Fahrt ging zunächst durch die wunderschöne Landschaft des Naturparks Solling-Vogler und dann über die Autobahn nach Hause, wo uns Herr Padberg wohlbehalten wieder absetzte.

Danken möchte ich Herrn Stamm für diese von ihm wirklich gut organisierte Fahrt und die Betreuung an diesen Tagen. Seine privaten Kontakte nach Einbeck haben uns dort sicherlich einige Türen geöffnet.

Ein kleiner Wermutstropfen am Ende: Schade, dass diese wunderbare Tour nicht mehr Zuspruch gefunden hat. Es schadet nicht, hin und wieder etwas über den Tellerrand zu schauen. Auch der Wettergott hat uns trotz fehlendem VTI-Wetter nicht ganz im Stich gelassen.

 

Gerhard Moch (Schriftführer)