VTI-Fahrt nach Dortmund

Besichtigung der DASA - Arbeitswelt Ausstellung

und Besuch der Fa. ThyssenKrupp Uhde

38 unserer Vereinsmitglieder und 4 Gäste, die durch die Solinger Presse auf diese Tour aufmerksam gemacht worden sind, trafen sich am Freitagmorgen, dem 12. April, an der Klingenhalle, um an der ersten VTI-Fahrt im Jahre 2013 teilzunehmen. Pünktlich um 9 Uhr startete der Neoplan-Starliner der Fa. Wiedenhoff mit Herrn Makossa am Steuer Richtung Dortmund.

 

Das erste Ziel war die Deutsche Arbeitsschutzausstellung der DASA, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie ist in einem architektonisch gelungenen modernen Gebäude in der Nachbarschaft der Dortmunder Universität im Westen der Stadt untergebracht. Sie wurde im Jahr 2000 als dezentraler Teil der Expo 2000 mit einer Ausstellungsfläche von etwa 13.000 m² fertiggestellt und bietet einen spannenden Ausflug in die Arbeitswelt von gestern, heute und morgen. Dabei spannt sie unter dem Motto „Mensch, Arbeit, Technik“ einen Bogen von der klassischen Fabrikarbeit bis hin zur Anwendung der modernen Informations- und Kommunikationstechniken.

 

Aufgeteilt in zwei Gruppen, jeweils von einem Guide geleitet, ging es durch die umfangreiche und interessante Ausstellung. Herr Muschalla führte uns durch die Bereiche der Lithografie, der alten Druckpressen, der Buchbinderei und der Setzerei zu den Druckmaschinen und dem Maschinensatz. Kenntnisreich erklärte er uns an den einzelnen Objekten den Fortschritt der Technik und des Arbeitstempos, aber auch die jeweiligen speziellen Gefahren durch Unfälle und Belastungen des werktätigen Menschen durch Lärm, Staub, giftige Substanzen usw. Um uns diesen enormen Lärm zu demonstrieren, ließ  ein Mitarbeiter eine Rotationsdruckmaschine anlaufen – 100 dB sind auf die Dauer eine enorme Bedrohung für das Gehör – von den anderen Gefahren für den Bediener der Maschine wie unzureichend abgedeckten Zahnrädern ganz zu schweigen.

 

Danach ging es vorbei an einem modernen CAD-Arbeitsplatz und durch den Lärmtunnel, in dem verschiedene Lautstärken vom leisesten Rauschen bis zum Krach an der Schmerzgrenze demonstriert und diese den abstrakten Geräuschangaben in Dezibel zugeordnet werden, weiter zur Stahlhalle, der größten Halle der Ausstellung. Hier werden die umfangreichsten Exponate präsentiert, unter anderem ein Elektroofen aus einem Stahlwerk, in dem mit Hilfe von Lichtbögen Stahlschrott eingeschmolzen und mit Legierungsbestandteilen versehen und so zu neuem Flüssigstahl für die Gießerei wird. Unvorstellbar ist die körperliche Anstrengung und Belastung durch die enorme Hitze am Ofen, dem sich die Arbeiter nur im Schutz kleiner Hitzeschilder nähern können, um die Schlacke abzustechen, Proben der Schmelze zu entnehmen oder mit der Lanze Sauerstoff in die Schmelze einzublasen, das alles begleitet von Staub, Lärm und elektromagnetischer Strahlung und diese Schufterei dazu noch im Dreischichtbetrieb.

 

Die andere Hälfte unserer Truppe, geführt von Frau Fuchs, besichtigte den Schwerpunkt Weberei mit den diversen Webstühlen, den Bereich der Haushaltsgeräte wie z. B. Kühlschränken oder Staubsaugern aus der Wirtschaftswunderzeit, der Entwicklung der Telefone und der Bürostühle in allen Varianten inklusive der Gleichgewichtsmechanik. Gezeigt wurden auch die körperlich mehr oder weniger belastenden Techniken des Hebens und Greifens. Geendet hat diese Führung an der Fotowand mit der Katastrophe von Herborn, als ein übermüdeter Fahrer am Steuer eines Tanklastzugs im Jahre 1987 ein Riesenunglück verursachte. Ein Teil des geborstenen Tanks sowie der ausgeglühte Rahmen und das ausgebrannte Führerhaus des LKWs lassen das Ausmaß dieser Katastrophe, bei der sechs Menschen ums Leben kamen und 38 verletzt wurden, nur erahnen.

 

Wie im Fluge sind zwei interessante und informative Stunden vergangen. Wir dankten unseren beiden Führern und verabschiedeten uns von ihnen. Es hätte ja noch so viel anderes Sehenswertes und Wissenswertes gegeben, aber für einmal ist diese Ausstellung viel zu umfangreich – also ein guter Grund, an einem trüben Tag nochmals hierher zu kommen, was man nur empfehlen kann.

 

Herr Makossa brachte uns anschließend in die Dortmunder Innenstadt zur Hövels Hausbrauerei, wo wir zum Mittagessen angemeldet waren. Die Brauerei ist eine der letzten verbliebenen in der einstigen „Bierstadt“ Dortmund, die noch aktiv braut und heute zur Radeberger-Gruppe gehört. Neben der guten Brauhausküche genossen wir natürlich auch den Gerstensaft des Hauses, das „Hövels Original“ und das „Dortmunder Zwickelbier“. Dann war auch schon Zeit zur Abfahrt, denn um 14 Uhr erwartete man uns bei ThyssenKrupp Uhde.

 

Der Besuch bei gerade diesem Unternehmen war die Folge unserer letztjährigen Besichtigung bei der BASF in Ludwigshafen, wo wir uns die Anlagen zur Ammoniakherstellung während der Produktion genauer ansehen durften. Mit mehr als 2000 gebauten Anlagen zählt TK Uhde zu den weltweit führenden Ingenieurunternehmen in der Planung und im Bau von Chemie-, Raffinerie- und anderen Industrieanlagen. Südöstlich der Dortmunder Innenstadt bei TK Uhde angekommen, begrüßten uns Herr Dr. D. Markmann und unser VTI-Mitglied Herr Dipl. Ing. R. Meis und führten uns in einen Vortragsraum, wo wir zu Beginn einen Film vorgeführt bekamen, der sich auf das ThyssenKrupp Uhde Ideenbuch bezog, durch das sich das Unternehmensmotto „Engineering with ideas“ wie ein roter Faden zieht. Am Beispiel des Sorfert-Projekts in Algerien wurde gezeigt, wie dieser mit 1,2 Mrd. € bis dahin größte Einzelauftrag in der Geschichte von TK Uhde realisiert wurde. Das Sorfert-Projekt ist eine Chemieanlage in Algerien, die in der Nähe der gewaltigen Erdöl- und Erdgasvorkommen errichtet wurde, die aus zwei Ammoniak-Anlagen und einer Harnstoff-Anlage besteht und nach der Fertigstellung Düngemittel produzieren soll. Im Juni 2007 wurde mit den Planungsarbeiten begonnen und im Mai 2012 wurde das erste Produkt erzeugt. In Spitzenzeiten sind auf so einer Baustelle über 5000 Menschen beschäftigt.

 

Als nächstes stellte Herr Dr. D. Markmann das Unternehmen ThyssenKrupp Uhde GmbH mit Sitz in Dortmund detaillierter vor. Anfang 2011 beschäftigte man weltweit 5.600 Mitarbeiter. 2007/2008 wurden 1,54 Mrd. € umgesetzt. Das Unternehmen bietet neben den bereits oben aufgeführten auch weitere Leistungen aus den Bereichen Planung, Beschaffung, Bau und Montage sowie Services an. Zusätzlich kümmert man sich um die Auswahl eines Standortes, die Verhandlungen mit den Behörden, die Finanzierung und das technische Management, die Sicherheitsanalysen und die Sicherheitstechnik und später um das Training des Betriebspersonals und die wartungstechnischen Aufgaben. Die Schwerpunkte des Unternehmens sind Düngemittel, Raffinerietechnik, Elektrolysen, Gastechnik, Öl-, Kohle- und Rückstandsvergasung, organische Zwischenprodukte, Polymere und Synthesefasern, Biotechnologie sowie Kokerei- und Hochdrucktechnik.

 

Nach einer kleinen Pause erklärte uns Herr Dipl. Ing. R. Meis sehr gut verständlich die Planung und den Aufbau einer Anlage zur Produktion synthetischer Düngemittel und der aktuellen Schwierigkeiten, mit denen man beim Bau solch einer Anlage z. B. in der Türkei kämpft. Als Beispiel nannte er uns am Freitagnachmittag das Problem, dass man für den kommenden Montagmorgen noch keinen Lieferanten gefunden hat, der bereit und in der Lage war, viele LKW-Ladungen einer bestimmten Betonqualität zu liefern.

 

Es ist schon eine logistische Meisterleistung, bei so einem riesigen Projekt alles zur rechten Zeit an der richtigen Stelle zu haben. Weit über 100.000 Tonnen Fracht kommen von weltweit positionierten Zulieferern in vielen Schiffsladungen an und müssen dann noch oft viele Kilometer ins Landesinnere zur Baustelle transportiert werden, manche mehrere hundert Tonnen schwere Teile mit aufwendigen Schwertransporten. Schon erstaunlich, dass die Fertigstellungstermine trotz vieler unabsehbarer Schwierigkeiten trotzdem eingehalten werden können.

 

Nach diesem mit informativen Bildmaterial unterlegten Vortrag wurden in einer Fragerunde alle aufgetauchten und offengebliebenen Fragen beantwortet und so endete dann dieser von ThyssenKrupp Uhde speziell für den VTI ausgerichtete Besuch. Unser Dank gilt deshalb dem Unternehmen und denen, die dazu ihr Einverständnis gegeben haben, besonders aber unseren beiden Gastgebern Herr Dr. D. Markmann und Herr Dipl. Ing. R. Meis, der diesen Nachmittag eingestielt hat, für die Arbeit, die Mühen und vor allem für die Zeit, die sie für uns aufgewendet haben.

 

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, brachte uns Herr Makossa wieder wohlbehalten zurück zum Ausgangspunkt an der Klingenhalle in Solingen.

 

Danken möchte ich am Ende auch unserem Vorsitzenden Jürgen Stamm, der die Idee zu dieser gelungenen Tagesfahrt hatte und sie wie gewohnt perfekt organisierte, wobei uns seine familiäre Beziehung zu Herrn Dipl. Ing. Roland Meis die normalerweise verschlossenen Türen zu  TK Uhde öffnete.

 

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)