VTI-Fahrt nach Bielefeld

Besuch der Dr- Oetker Welt

Besichtigung der Fa. SonnenPartner (Strandkörbe + Gartenmöbel)

 

Früh aufstehen musste, wer am Dienstag, den 20. August, auf der VTI-Fahrt nach Bielefeld dabei sein wollte, denn schon um 6.45 Uhr ging es vom Parkplatz an der Klingenhalle los. 50 Frühaufsteher waren an Bord des Mercedes-Reisebusses der Fa. Wiedenhoff. (Zwei weitere wollten vor Ort dazukommen).  Herr Axel Padberg war unser Fahrer, der uns zügig und ohne Störungen zu unserem ersten Reiseziel, der Dr. Oetker Welt unweit des Zentrums der Stadt Bielefeld, brachte.

Pünktlich um 9.30 Uhr standen wir im Foyer der Dr. Oetker Welt zur Führung parat. Versehen mit einem kleinen Mann im Ohr erfuhren wir zu Beginn Interessantes über die Geschichte und die Entwicklung des Unternehmens, über die Produkte und anderes Wissenswertes der Marke Dr. Oetker, die ihren Stammsitz im ostwestfälischen Bielefeld hat. Die Dr. August Oetker KG ist einer der größten deutschen Familienkonzerne und international tätig. Zur Oetker-Gruppe gehören knapp 400 Firmen aus unterschiedlichsten Branchen nach der Firmenphilosophie „Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen“. 2012 lag der Umsatz bei fast 11 Mrd. €, die weltweit von ca. 26.400 Mitarbeitern erwirtschaftet wurden. Begonnen hat die Geschichte im Januar 1891, als August Oetker in Bielefeld eine Apotheke übernahm und  sie zu einem Laboratorium ausbaute. Heute gliedert sich das Unternehmen in die Bereiche Nahrungsmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier und alkoholfreie Getränke (Radeberger Gruppe GmbH), Sekt, Wein und Spirituosen (Henkell & Co Sektkellerei KG), Schifffahrt (Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft KG), Bank (Bankhaus Lampe) und Weitere Interessen (Dr. August Oetker Finanzierungs- und Beteiligungs-GmbH) auf.

Aufgeteilt in zwei Gruppen und geführt von Frau Birte Lux und Frau Ulla Winkemann ging es im restaurierten alten Klinkerbau des ehemaligen Produktionsgebäudes für Puddingpulver über die so genannte „Himmelsleiter“, eine lange diagonale Treppe hinter der vorgebauten modernen Glasfront, hinauf in die oberste der vier Etagen. Oben über den Dächern Bielefelds angekommen schauten wir durch die gläserne Fassade auf die Stadt, innen auf einen originalen historischen Tante Emma-Laden, der aus Berlin hierher geholt worden ist. Davor parken Oldtimer-Fahrzeuge, die damals im Dienste der Firma auf Europas Straßen unterwegs gewesen sind. In einer liebevoll gestalteten Schaufensterkulisse kann man die uns Älteren fast allen noch wohlbekannten Artikel aus vergangenen Jahrzehnten bestaunen.

Zwei Etagen tiefer blickten wir dank der gläsernen Raumarchitektur auf eine der ältesten Abteilungen des Unternehmens, die Dr. Oetker Versuchsküche, in der neue Koch- und Backrezepte entwickelt und erprobt werden. Dazu stehen viele handelsübliche Elektrogeräte zur Verfügung, so z. B. etwa 50 verschiedene Backöfen. Gleich nebenan befinden sich die Seminarküchen, wo sich Interessierte unter Anleitung in der Kochkunst weiterbilden können. Und danach wieder im Erdgeschoß angekommen erwartete uns eine frisch gerührte Leckerei – eine Tasse heißer Vanilletrinkpudding. Solchermaßen gestärkt waren wir fit für die Markenausstellung. So konnten wir z. B. akustisch den Moment erleben, in dem der Firmengründer Dr. August Oetker das Backpulver „Backin“ entwickelte. In einem anderen Raum sind alte Maschinen zur Abfüllung und Verpackung von Back- und Puddingpulver ausgestellt. Multimedial ist zu erleben, wie Pizza entsteht – pro Tag weltweit 1,7 Millionen. In insgesamt neun Themenräumen wird der Weg der Produkte vom Rohstoff bis zum fertigen Erzeugnis veranschaulicht. Am Ende durften wir im Bistro Kostproben diverser pikanter und süßer Gerichte testen.

Damit war die Besichtigung der Dr. Oetker Welt beendet. Wir bedankten uns bei den freundlichen Damen, die uns geführt und geduldig und erschöpfend unsere Fragen beantwortet haben und verabschiedeten uns von ihnen und einem interessanten Unternehmen. Danach besuchten die meisten den Dr. Oetker Shop, in dem viele Artikel aus dem Produktionssortiment erworben werden können, was fleißig genutzt wurde. Zum Abschied erhielt jeder Besucher noch eine kleine Überraschung.

Zum Mittagessen ging es ins GLÜCKUNDSELIGKEIT, die nahegelegene ehemalige Martini-Kirche, einen Sakralbau im neugotischen Stil aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts, die 2004 vollständig saniert und zu einem gastronomischen Betrieb umgebaut wurde. In der besonderen Atmosphäre des massiven Backsteinbaus mit seinen gotischen Stilelementen wie den Stützpfeilern, den Fenstern und der Kreuzgewölbedecke im Chorraum genossen wir das wohlschmeckende Mittagsmahl und den aufmerksamen Service. Es war schon etwas Besonderes, in einem ehemaligen Gotteshaus zu speisen. So erbaut konnte es zum nächsten Programmpunkt gehen

Dazu brachte uns Herr Padberg zur gleich neben der Autobahn A2 nahe der Anschlussstelle „Bielefeld Zentrum“ gelegenen Firma SonnenPartner, wo bestimmt niemand einen Hersteller für Strandkörbe vermutet. Herr Müsing und einer seiner beiden Söhnen begrüßten uns im Ausstellungszelt für Gartenmöbel. Kurz stellte er uns das Unternehmen vor, das sich aus einer kleinen Tischlerei innerhalb von gut 25 Jahren zum drittgrößten Hersteller für Strandkörbe in unserem Lande entwickelt hat, der hier vor Ort 200 und in Tschechien weitere 60 Mitarbeiter beschäftigt. Mehrere tausend Strandkörbe werden jedes Jahr in Bielefeld hergestellt und die meisten unterscheiden sich in Form, Farbe, Material, Geflecht und Polsterung. Kombiniert man alle diese Möglichkeiten, sind weit über 100.000 Varianten denkbar.

Und dann führten uns die beiden Herren in zwei Gruppen durch die Fertigung. Die beginnt in der Schreinerei, in der aus gut getrockneten und abgelagerten nordischen Hölzern wie etwa Fichte, aber auch aus Teak und Mahagoni, die Einzelteile in kleinen Serien entstehen. Maschinell wird hier gesägt, gebohrt und gefräst und die Teile montagefertig hergestellt. Gleich nebenan in der Vormontage werden die Einzelteile in Montage- und Spannvorrichtungen zusammengesetzt, aufwendig verzapft und dann wasserfest verleimt, was eine besondere Qualität des Strandkorbs garantiert. Allein für das Gerüst werden 100 Leisten verbaut, insgesamt besteht er aber aus ca. 300 Einzelteilen. Um den Strandkorb wetterfest und fäulnisbeständig zu machen, taucht man alle Holzteile bis zu dreimal in Holzschutz – selbstverständlich umweltfreundlich – und lackiert sie danach mit Dickschichtlasur oder auch farbig. Besonders aufwendige und wetterfeste Exemplare werden sogar aus Aluminium gefertigt und komplett mit Kunststoff beschichtet. Die Rahmenteile verschickt man dann in das eigene Werk nach Tschechien, denn dort sind die besonders zeitaufwendigen und somit lohnintensiven Flechtarbeiten kostengünstiger. Für jeden Strandkorb werden etwa 1500 Meter hochwertiges und strapazierfähiges Kunststoffband in reiner Handarbeit geflochten. Wieder in Bielefeld zurück, steht der Zuschnitt der Stoffe, das Nähen, das Polstern und das Überziehen an, bevor in der Endmontage die Baugruppen mit den massiven Beschlägen aus Edelstahl zu einem wunderschönen Strandkorb zusammengefügt und mit den gewünschten Extras komplettiert werden.

Nach der Endkontrolle ist dann wieder fast ein Unikat aus der Strandkorb-Manufaktur entstanden, das seinem Besitzer bei guter Pflege weit über 20 Jahre Freude macht. Je nach Modell muss er dafür einen Grundpreis zwischen ca. 1250 € und 4000 € auf den Tisch legen, wobei absolute Luxusmodelle auch schon einmal 8000 € kosten können und dann unter anderem auch Sitzheizung, Kühlfächer, Lautsprecher und Computeranschlüsse bieten. Für das unterste Preissegment liefert SonnenPartner aber auch Einfachmodelle, die in Indonesien gefertigt und zu einem Grundpreis von 350 €  bis knapp 1400 € angeboten werden.

Auf dem Rückweg aus der Fertigung führten uns die Herren Müsing auch durch die über 3000 m² große Verkaufsausstellung, in der ein umfangreiches Sortiment an Strandkörben, Gartenmöbeln, Liegen, Sonnenschirmen, Grillgeräten, Dekoartikeln und vielem anderen mehr angeboten wird. Zurück im Ausstellungszelt bekamen wir erfrischende Getränke angeboten und es war noch einmal die Gelegenheit, offen gebliebene Fragen zu stellen, die von unseren Gastgebern gern beantwortet wurden. Zum Schluss bedankten wir uns bei ihnen für die Bewirtung und vor allem für die Führung und die interessanten Einblicke in eine Produktion besonderer Art und verabschiedeten uns.

Auf direktem Weg ging es dann zurück nach Solingen, wo uns Herr Padberg nach einem erlebnisreichen Tag wohlbehalten absetzte – vielen Dank dafür.

Ein Dankeschön aber auch an unseren Vorsitzenden Jürgen Stamm und Herrn Friedrich Meyer, welche die Ideen zu dieser Exkursion hatten und sie wie gewohnt perfekt organisierten.

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)