VTI-Fahrt nach Minden + Wolfenbüttel + Wolfsburg

Besichtigung der VW-Autostadt und der Produktion

sowie der Fa. Mast-Jägermeister (Kräuterlikör)

 

 

Am Morgen des 9. Juni 2013, einem Sonntag, machte sich nach einem etwas holprigen Beginn ein mit 56 leicht besorgten VTI-Mitgliedern gut besetzter SETRA-Reisebus der Firma GLAUCH mit Herrn Hans Neukirch hinter dem Lenkrad von der Klingenhalle über den Reisebushalt in Ohligs auf den Weg Richtung Wolfsburg.

Der erste Halt war in Minden, wo wir im Hotel Exquisit zum Mittagessen angemeldet waren. Obwohl „nomen est omen“ nicht immer zutrifft, waren wir danach ausgeruht und gesättigt und somit gut gerüstet für eine kleine Schifffahrt. Dazu brachte uns Herr Neukirch einige wenige Kilometer zum Mindener Wasserstraßenkreuz, wo die MS Europa von der Mindener Fahrgastschifffahrt schon auf uns wartete. Schnell hatten wir alle ein Plätzchen gefunden – die meisten auf dem Sonnendeck, da ging es auch schon los zur Kanal-Weser-Rundfahrt. Wir wollten uns das Mindener Wasserstraßenkreuz etwas genauer ansehen. Es ist zwar nicht ganz so gewaltig wie das von unserem Verein schon im September 2008 besichtigte Wasserstraßenkreuz zwischen der Elbe und dem Mittellandkanal bei Magdeburg, dafür aber auch bereits ein paar Jahre früher realisiert worden. Seit 1915 wird der Mittellandkanal in einer Trogbrücke über die etwa 13 Meter tiefer liegende Weser geführt. Beide Wasserstraßen sind über Kanäle und Schleusen miteinander verbunden. Das Schiff legte auf Kanalniveau im oberen Vorhafen der Schachtschleuse ab und durfte sofort in die Schleuse einlaufen. Knapp zehn Minuten wuchsen die Wände der Schleusenkammer neben unserem Schiff in die Höhe; dann hatten wir das Niveau der 13 Meter tiefer liegenden Weser erreicht. Aus der 85 mal 10 Meter messenden Kammer wurden dabei 11.000 Kubikmeter Wasser abgelassen, 7300 davon speichert man beim Abwärtsschleusen in sogenannten Sparbecken zwischen, um sie bei der nächsten Aufwärtsschleusung wieder zu verwenden. Dann öffnete sich das 63 Tonnen schwere Hubtor zum unteren Vorhafen und zur Weser. Stromaufwärts ging es zu den beiden Trogbrücken der alten und der neuen Kanalüberführung, deren Konstruktion von unten sehr gut zu sehen war. Die alte Kanalbrücke überspannt in massiver Betonbauweise mit 370 Meter Länge die Weser und die Weserwiesen. Die 1993 parallel zur alten Brücke errichtete neue Brücke verfügt über einen 341 Meter langen Kanaltrog, der als stählerne Schweißkonstruktion ausgeführt wurde.

Weiter weseraufwärts fuhren wir an der Mindener Altstadt vorbei bis zur historischen Schiffsmühle, einer Rekonstruktion einer Schiffsmühle aus dem 18. Jahrhundert, die bis ins 19. Jahrhundert in Minden auf der Weser gelegen und gemahlen hat. Bei dieser Konstruktion liegt das mit zehn 5 Meter breiten Schaufeln bestückte Wasserrad mit einem Durchmesser von 5 Metern zwischen dem Hausschiff und dem kleineren Wellschiff als Gegenlager und treibt einen 800 kg schweren Mühlstein an. Dann machte die MS Europa kehrt und es ging den gleichen Weg zurück zur Schachtschleuse, wo wir wieder auf das Kanalniveau angehoben wurden. Oben angekommen war der Blick frei auf die Großbaustelle für die neue parallele Weserschleuse, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll und mit einer Kammergröße von 139 Metern Länge und 12,5 Metern Breite auch den modernen Großmotorschiffen Platz bieten wird. 25.000 Kubikmeter Wasser müssen dann für eine Schleusung bewegt werden – Sparbecken sollen den Verbrauch um über 60% senken. Unser Schiff steuerte dann einen östlichen Kurs in den Mittellandkanal, wo wir kurz darauf über die neue Kanalbrücke die Weser querten. Der Unterschied der beiden direkt nebeneinander liegenden Brücken ist sofort zu erkennen – die alte ist 24 Meter breit bei einer Trogtiefe von 3 Metern, die neue weist eine Breite von 42 Metern auf bei einer Tiefe von 4 Metern. Die alte Brücke ist für die Schifffahrt gesperrt, nur Sportboote dürfen sie noch passieren. Die MS Europa brachte uns zum Anleger zurück und wir gingen nach einer Tour mit vielen interessanten Erklärungen von Bord.

Herr Neukirch brachte uns dann die restliche Strecke nach Wolfenbüttel, wo er uns an den für uns gebuchten Hotels, dem Parkhotel Altes Kaffeehaus und dem Rilano Hotel absetzte. Als wir die Zimmer bezogen hatten, war der offizielle Teil des Tages beendet. Wir machten uns frisch und bummelten noch etwas durch die Stadt. Im Keller des Rathauses fanden wir das gemütliche Wolfenbütteler Brauhaus. Wir hatten noch nicht lange im urigen Gewölbe platz genommen, da fanden sich so nach und nach immer mehr von unserer Truppe ein – alle sehr erstaunt über diesen Zufall. Am Ende waren wir fast vollzählig – und der Keller ganz in unserer Hand – ein Alptraum für das wenige Personal, das wahrscheinlich mit einem ruhigen Sonntagabend gerechnet hatte – und wir hatten Hunger und viel Durst!!! Kompliment, sie haben es gut gemeistert. Es wurde ein lebhafter und lustiger Abend, der erst ziemlich spät endete – wir fanden aber erstaunlicherweise doch alle wieder zurück in unsere Hotels.

Am Montagmorgen um 9.30 Uhr standen wir alle erwartungsvoll parat – die Autostadt in Wolfsburg stand auf dem Programm. Unser Bus brachte uns pünktlich an das Ziel – perfekt organisiert nahm man uns auf dem Parkplatz an der Autostadt in Empfang. Zu Fuß ging es die kurze Strecke entlang des Mittellandkanals zum Konzernforum. Auf der Piazza im Konzernforum trafen wir auf die drei freundlichen Guides, die uns durch die Autostadt führen sollten. Nach einer kurzen Vorstellung ging es dann auch gleich los. Die Autostadt ist eine Erlebniswelt, die direkt am VW-Werk liegt und deren Gebäude und das 28 Hektar große Freigelände aktuelle Architektur und Landschaftsarchitektur zeigt. Sie wurde am 1. Juli 2000 als dezentrales Projekt der Expo 2000 in Hannover eröffnet.

Unser erstes Ziel war das Zeithaus, ein Automobilmuseum der Extraklasse, in dem über 100 herstellerunabhängige Meilensteine der über 125jährigen Automobilentwicklung gezeigt werden, angefangen vom Nachbau des Benz Patent-Motorwagens Nummer 1 von 1886 über eine Nachbildung des Bugatti Atlantic, von dem weltweit nur noch zwei Exemplare existieren, bis hin zu fast aktuellen Fahrzeugen unserer Zeit. Auch der 1.000.000ste VW 1200, nebenan im Werk am 5. August 1955 in goldener Lackierung vom Band gelaufen und mit tausenden von Glitzersteinen versehen, ist hier ausgestellt. Leider blieb im Rahmen der Führung nicht genug Zeit, um jeder der gezeigten Pretiosen die nötige Aufmerksamkeit zu widmen.

Das neben dem Zeithaus gelegene Premium Clubhouse beherbergt die Marken Bugatti und Bentley. Der dort ausgestellte Bugatti Veyron 16.4 ist vollständig verspiegelt und steht noch dazu auf einer ebenfalls verspiegelten Ellipse. In den betörend geformten Flächen des Supersportwagens reflektiert sich der Betrachter und die bunt-geformten Leuchtstoffröhren einer Lichtinstallation des Künstlers Anselm Reyle.

Der weitere Weg durch den gepflegten Park führte uns vorbei an den futuristisch gezeichneten Pavillons von Lamborghini, Skoda und Audi zu den zwei Autotürmen. Die beiden 48 Meter hohen verglasten Zylinder sind das Wahrzeichen der Autostadt. Sie dienen als Lager für bis zu 800 Neuwagen, die von den Kunden im danebengelegenen KundenCenter noch am gleichen oder am nächsten Tag persönlich abgeholt werden. Die Hochregale arbeiten vollautomatisch und liefern Tag für Tag (ausgenommen Heiligabend) 600 Autos aus, das heißt, sie werden durch einen Tunnel vom Werk her per Rollband beschickt und sie liefern die auf Paletten geparkten Neufahrzeuge wieder unterirdisch ins KundenCenter an, wenn nach dem Eintreffen der neuen Besitzer deren persönlicher Kundenbetreuer das Fahrzeug abruft. Wir waren fasziniert, wie die neuen Autos von zwei an der zentralen Säule laufenden Liften scheinbar schwerelos auf und ab transportiert wurden. Wir folgten unserer Guide in das benachbarte KundenCenter, einer außen vollständig verglasten Ellipse, 87 Meter breit und 16 Meter hoch, deren Dach von einer Stahlseilkonstruktion getragen wird. Hier kommen unterirdisch die Neuwagen aus den Autotürmen an, erhalten im LastFinish-Bereich ihre Nummernschilder angeschraubt und die letzten Fingerabdrücke und Stäubchen entfernt, bevor die Kunden sie in Empfang nehmen und vom Kundenberater umfangreich eingewiesen werden, um dann als stolze Eigentümer selbst das Steuer in die Hand zu nehmen, die ersten Meter zu fahren und die Halle zu verlassen.

Letzte Station unserer Führung durch die Autostadt war der neue Porsche Pavillon – Porsche ist ja die neueste Automarke unter dem Dach des VW-Konzerns. Mit seiner weit über die Lagune geschwungenen Dachkonstruktion ist das innovative Bauwerk ein architektonischer Akzent und Blickfang im Park. Die Hülle aus Edelstahl wird in Monocoque-Bauweise zum Tragwerk des Pavillons, in dessen Inneren 25 Modelle ehemaliger Sportwagen im Maßstab 1:3 die Entwicklung der Marke Porsche dokumentieren. Drei aktuelle Wagen laden die Besucher zum Probesitzen und Träumen ein, ein Boxter S, ein 911 Carrera S und ein Panamera S Hybrid.

Damit war der geführte Rundgang durch die Autostadt beendet. Wir bedankten uns bei der freundlichen Dame, die uns über eineinhalb Stunden lang begleitet und uns vieles gezeigt und vermittelt hat, und verabschiedeten uns von ihr. Hungrig und durstig wie wir waren, zog es uns in die diversen Restaurants der Autostadt, manche von uns zurück ins KundenCenter und dort in den Tachometer, ein spezielles Restaurant hauptsächlich für Wurstgerichte, in dem auch der Klassiker, die Original Volkswagen Currywurst und die zugehörige Sauce, angeboten wird. Sagen wir mal so – Anspruch und Wirklichkeit liegen doch etwas auseinander ( Meinung des Verfassers ) – aber trotzdem gestärkt und erfrischt trafen wir uns alle um 15 Uhr am Schiffsanleger vor dem Konzernforum zur Werksbesichtigung der VW-Produktion. Wir bestiegen ein Schiff auf dem Mittellandkanal, aber die Fahrt war nach wenigen hundert Metern schon zu ende und wir mussten in eine Panoramabahn umsteigen, die uns durch das Werk bringen sollte.

Auf dem Weg dahin gab es vorab einige Informationen. Das gesamte Werksgelände ist 6,5 Quadratkilometer groß. Hinter der bekannten 1,5 Kilometer langen Backsteinfassade entlang des Mittellandkanals erstrecken sich Hallenflächen von 1,6 Quadratkilometern, beinahe so groß wie das Fürstentum Monaco. Das Straßennetz, das die Fertigungsstätten, die Lagerhallen, die beiden Heizkraftwerke und die Verwaltungsgebäude verbindet, ist 75 Kilometer lang. Dazu kommen 70 Kilometer Schienennetz. Das Werk ist die größte zusammenhängende Automobilfabrik der Welt. Die größte Halle ist 2,3 Kilometer lang und 300 Meter breit. Im letzten Jahr wurden hier etwa 760.000 Volkswagen der Modelle Golf, Golf Plus, Touran und Tiguan gefertigt. Bei Vollauslastung können täglich bis zu 4000 Autos hergestellt  werden. Außerdem werden hier noch zahlreiche Komponenten produziert, die zudem auch an anderen Standorten des Konzerns verbaut werden. 52.000 Menschen arbeiten hier im Wolfsburger VW-Werk, davon 25.000 im 3-Schicht-Betrieb in der Produktion und etwa 10.000 in Forschung und Entwicklung.

Jeden Tag liefern 1900 Firmen Rohmaterialien, Teile und Baugruppen mit 150 Eisenbahnwaggons und 700 LKWs an, anderseits verlassen täglich 150 Doppelstockwaggons und 160 Autotransporter das Werk.

Zu Beginn ging es hinein in die Karosseriemontage. Die Rohkarossen werden zum Lackieren vorbereitet, anschließend biegt das Transportband mit den hängenden Karosserierohlingen in die Lackiererei ab, wo der Besucher keinen Zutritt hat, da unter Reinraum-Bedingungen von Robotern lackiert wird. Danach kommen die inzwischen farbig glänzenden Karosserien wieder zurück, werden weiter komplettiert und bei der „Hochzeit“ mit dem Chassis und dem Motor, die wie von Geisterhand bewegt aus dem Hallenboden auftauchen, millimetergenau verbunden und mit Hilfe von Robotern verschraubt. Dann wird Schritt für Schritt weiter montiert, die teilfertigen Autos hängen dabei in einem Transportsystem, das oben an Schienen geführt wird. Die Monteure können sie dabei in der Höhe per Teleskop nach Bedarf montagegerecht verfahren und sind dabei zudem um die Längsachse schwenkbar, wenn Arbeiten am Unterboden auszuführen sind. Alle Teile, die zur Komplettierung erforderlich sind, in Regalen lagernd, und auch die weißgekleideten Monteure, fahren auf dem beweglichen Hallenboden mit der gleichen Geschwindigkeit mit. Jedes hier entstehende Fahrzeug ist nach persönlichen Vorstellungen und Wünschen der Kunden im Rahmen der umfangreichen Ausstattungslisten zusammengestellt und somit ganz unterschiedlich ausgestattet. Allein bei den vier technisch sehr nahe verwandten Baureihen sind unvorstellbare 340.000 Variationen möglich. Es ist fast schon ein Wunder, dass jeder Kunde sein Auto so erhält, wie er es bestellt hat. Ist dann alles an der Stelle, wo es hingehört, folgt die Endkontrolle, ehe es schließlich zum Verladen auf LKWs oder Eisenbahn geht oder vielleicht auch auf das Transportband Richtung Autostadt in die Autotürme zur Selbstabholung. Wenige Tage nach unserem Besuch lief am 14. Juni hier im Werk der 30millionste Golf vom Band.

Nach etwa einer Stunde war die Werktour beendet und wir fuhren zurück zum Schiff, das uns wieder zum Konzernforum brachte. Es blieben danach noch fast zwei Stunden Zeit für eigene Unternehmungen in der Autostadt – etwa um sich im Zeithaus die Fahrzeuge anzusehen, die am Vormittag zu kurz gekommen waren oder um sich noch einen bei der Besichtigung nicht besuchten interessanten Markenpavillon  anzusehen – oder auch für eine Schiffstour auf dem Mittellandkanal entlang der kilometerlangen Backsteinfassade des Werkes und darüber hinaus.

Um 18 Uhr stand dann unser Bus parat, der uns nach einem langen interessanten Tag wieder zurück nach Wolfenbüttel brachte. Da die Abendsonne noch so wunderschön strahlte, trafen wir uns fast alle im Biergarten der Schloss-Schänke vor dem Wolfenbütteler Schloss wieder. Es wurde noch ein sehr unterhaltsamer Abend mit viel Spaß.

Nachdem wir am Dienstagmorgen aus den Hotels ausgecheckt hatten und unser Gepäck im Bus verstaut war, begann unser Wolfenbüttel-Programm. Aufgrund unserer so zahlreich mitgereisten Mitglieder war es erforderlich, die Stadtführung und den Besuch bei Mast-Jägermeister in zwei Gruppen aufzuteilen. Also machte sich die eine Hälfte am Morgen auf den Weg zum Rundgang durch die Stadt, die andere Hälfte stieg in den Bus und fuhr zur Werksführung. Am Nachmittag wurde dann das Programm der beiden Gruppen getauscht.

Um 9 Uhr traf sich unsere Gruppe am Portal des Schlosses mit der Stadtführerin Frau Sigrun Bethmann, die uns durch die ehemalige Residenzstadt führen und uns dabei manches Schöne zeigen und viel Wissenswertes und Interessantes vermitteln wollte. Nach einleitenden Worten über die Ursprünge der Stadt, deren Entwicklung und die mehrere hundert Jahre als Residenz der Welfenherzöge erklärte uns Frau Bethmann das Schloss mit seiner Fachwerkfassade, das Portal mit den Skulpturen, die an die herzoglichen Tugenden und Pflichten erinnern sowie den Schlosshof mit seinen italienisch anmutenden Arkaden. Heute wird das zweitgrößte noch erhaltene Schloss Niedersachsens hauptsächlich als Gymnasium genutzt.

Nur über die Straße gleich nebenan steht das Lessinghaus, das wie ein kleines spätbarockes Schlösschen aussieht und in dem der große deutsche Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing von 1777 bis zu seinem Tode im Jahr 1781 gewohnt und gearbeitet hat. Lessing kam im Jahr 1770 nach Wolfenbüttel, als er vom Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel als Bibliothekar an die Herzogliche Bibliothek berufen wurde. Von seinem Wohnhaus geht der Blick durch den Park hinüber zum Hauptgebäude der Herzog August Bibliothek, einer der bedeutendsten in unserem Lande, die ehedem als achtes Weltwunder galt.

Vorbei am Zeughaus gingen wir weiter in die Altstadt mit dem nahezu geschlossenen historischen Stadtbild und ihren vielen gut erhaltenen und wunderschön restaurierten Fachwerkhäusern, die den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden haben. Die etwa 52.000 Bürger leben in einer recht großzügig angelegten Renaissance-Stadt mit breiten Straßen und weiten Plätzen, die als erste in Deutschland planmäßig konzipiert wurde, die aber auch sehr romantische Ecken hat wie z. B. die Krambuden und die Zimmerhöfe oder das besonders idyllische „Klein Venedig“ entlang der Oker. Ein Muss ist auch der Stadtmarkt mit dem Fachwerk-Rathaus und dem Brunnen von Herzog August, der einmal nicht stolz hoch zu Ross dargestellt ist, sondern neben seinem Pferd stehend, das den Kopf zum Trinken beugt.

Nach mehr als eineinhalb Stunden war die ausgedehnte Führung beendet. Wir dankten Frau Bethmann dafür, dass sie uns die Stadt auf so unterhaltsame Art nahegebracht hat und verabschiedeten uns von ihr. Danach bummelten wir zurück durch die Fußgängerzone und die Einkaufsstraßen zum Hotel-Restaurant Kronprinz, wo wir zusammen mit der Jägermeister-Truppe zum Mittagessen angemeldet waren. Nach einem wohlschmeckenden Mahl genossen wir alle zum Nachtisch noch einen eisgekühlten Jägermeister, die einen als Kostprobe nach der Werksführung, die anderen als Einstimmung davor.

Herr Neukirch brachte uns in kurzer Fahrt zum Stammsitz der Firma Mast-Jägermeister SE. Im Foyer des verglasten Verwaltungsgebäudes nahm man uns in Empfang und begrüßte uns. Nach einem Gruppenfoto nahmen uns zwei Damen und ein Herr in Schlepp, um uns die Produktion des bekannten Kräuterlikörs zu zeigen. Auf dem Weg dahin erfuhren wir viel Wissenswertes über das Unternehmen. Gegründet im Jahre 1878 in der Wolfenbütteler Altstadt als Weinhandel und Essigmanufaktur, die später auch Spirituosen vertrieb, gedieh das Unternehmen prächtig. Zu Beginn der 1930er Jahre entwickelte Curt Mast, der Sohn des Firmengründers Wilhelm Mast, einen Kräuterlikör, den er 1934 als „Jägermeister“ präsentierte und als Marke eintragen ließ. Das seit damals unveränderte Getränk feiert also im nächsten Jahr seinen 80sten Geburtstag. Seitdem hat sich die Firma Mast-Jägermeister entwickelt und beschäftigt heute etwa 600 Mitarbeiter und hat im vorletzten Jahr 416 Millionen € umgesetzt, indem es von dem 35%igen Halbbitter-Likör fast 90 Millionen Flaschen verkaufte.  80% davon werden weltweit in ca. 90 Länder exportiert.

An den Labors vorbei,  die für die Qualitätskontrolle verantwortlich sind, führte uns unser Guide in die Ecke der Geheimnisse. Sozusagen in einem großen Setzkasten sind alle 56 botanischen Bestandteile ausgestellt, die zur geheimen Rezeptur gehören. Jeder darf sie in die Hand nehmen und daran riechen, unter anderem Sternanis, Safran und verschiedene Pflanzen und Früchte beinahe aus der ganzen Welt. 130 Tonnen davon werden pro Jahr benötigt. Gemischt und danach gemahlen werden sie in großen Edelstahltanks mit Alkohol angesetzt und ausgelaugt. Vier verschiedene Ansätze werden dann in Holzfässern aus deutscher Eiche mit Inhalten zwischen 2.000 und 24.000 Litern etwa ein Jahr gelagert und reifen gelassen. In über 450 Fässern lagern ca. 3,7 Mio. Liter Grundstoffe in den Hallen und Kellern. Am Ende werden die 4 Grundstoffe nach Rezept gemischt und noch Zucker, Karamell, Alkohol und Wasser beigemengt, alles filtriert und danach in Flaschen abgefüllt, bis zu 20.000 Litern je Stunde. Damit ist Jägermeister die erfolgreichste deutsche Spirituosenmarke und liegt in der Weltrangliste der Top 100 Premium Spirituosen auf Rang sieben. Auf dem Rückweg erklärte uns unser Guide die diversen innovativen Marketing-Strategien, die das Vorzeigeunternehmen über Jahrzehnte dorthin führten, wo es heute steht. Damit war der Werksrundgang beendet und wir dankten unserem Guide für die gelungene Führung und der Firma Mast-Jägermeister für die Einblicke, die wir erhalten haben. Alle erhielten zum Abschied einen kleinen Präsentkarton mit Kostprobe und zwei Original-Jägermeister-Gläsern.

Unser Bus brachte uns zurück ins Zentrum, wo auch die Stadtführungs-Truppe wieder zustieg. Auf dem Weg nach Solingen hatten wir noch eine Kaffe- und Kuchenpause auf der Terrasse vom Landgasthof „Grüner Jäger“ bei Braunschweig, wo wir uns noch einmal für die weitere Rückfahrt stärkten. Bis auf eine erforderliche Pause für unseren Fahrer ging es in einem durch bis nach Solingen, wo uns Herr Neukirch wieder wohlbehalten absetzte. Ihm möchten wir danken für eine gute und sichere Fahrt.

Danken möchten wir aber vor allem unserem Vorsitzenden Jürgen Stamm und seiner Frau Ursel für die professionell ausgearbeitete und durchgeführte Fahrt und auch für die guten Connections zu Petrus, dem wir vielleicht doch die Ehrenmitgliedschaft verleihen sollten.

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)