VTI-Fahrt nach Trier + Konz

Besichtigung der Römerstadt Trier (älteste Stadt Deutschlands)

sowie der Fa. VOLVO (Baumaschinen) in Konz

 

Am 15. September 2013, einem Sonntagmorgen, starteten 32 erwartungsvolle VTI-Mitglieder und 3 Gäste vom Parkplatz an der Klingenhalle und vom Reisebushalt in Ohligs aus zu unserer Zweitagesfahrt nach Trier. Herr Makossa, unser Leib- und Magenfahrer, sollte uns mit dem Neoplan-Starliner-Bus von Wiedenhoff-Reisen sicher hin und zurück bringen. Vorbei an Prüm und Bitburg ging es bei Sonnenschein und Fotowolken und begleitet von Herrn Makossas erklärenden Worten quer durch die wunderschöne schon leicht herbstlich kolorierte Eifel in die Stadt an der Mosel, wo wir schon um 12 Uhr im „Bitburger Wirtshaus“ am Kornmarkt zum Mittagessen erwartet wurden. Im gemütlichen Ambiente stärkten wir uns mit Schmackhaftem aus Küche und Ausschank, denn es erwartete uns eine dreistündige Führung durch die Geschichte der über 2000 Jahre alten Moselmetropole. Dazu begrüßten uns vor dem Wirtshaus Frau Barbara Fickenscha und Herr Albert Minas von der Trierer Touristik. Nach einleitenden Worten  über die lange Geschichte der Stadt, die 16 v. Chr. als „Augusta Treverorum“ gegründet wurde und somit die älteste Stadt Deutschlands ist, ging es dann auch gleich in zwei Gruppen los.

Schon auf dem Kornmarkt bestaunten wir den Sankt Georgsbrunnen, der als einer der schönsten Rokokobrunnen in unserem Lande gilt. Auf unserem Weg kamen wir dann an einem weiteren interessanten Wasserspender vorbei, dem Heuschreckbrunnen, der von der Karnevalsgesellschaft gleichen Namens gestiftet wurde und bei genauerem Hinsehen neben fünf Trierer Originalen einige humorvolle Details zeigt, die von einer überdimensionalen Heuschrecke überragt werden.

Ein Stückchen weiter am Viehmarktplatz konnten wir durch die gläserne Fassade des modernen Ungers-Baus einen tiefen Blick in die Trierer Stadtgeschichte werfen, eine einstige römische Badeanlage, die schon etwa 80 n. Chr. begonnen und ca. 20 Jahre später mit einer Grundfläche von 102 x 82 Metern fertiggestellt wurde und damit älter als die Barbarathermen und die Kaiserthermen ist, die aber erst im 3. und 4. Jahrhundert am intensivsten genutzt wurde und im Jahr 1987 beim Bau der Tiefgarage unter dem Areal des Viehmarkts zum Vorschein kam. Gut zu erkennen sind das 30 Meter lange und 9 Meter breite Schwimmbecken, die weiteren Räume zum Umkleiden und Schwitzen und die Konstruktion der Fußbodenheizung mit ihren Heißluftschächten unter dem Boden.

Ein wirklicher Höhepunkt ist die Konstantinbasilika, die Anfang des 4. Jahrhunderts erbaut wurde und Kaiser Konstantin als Thronsaal diente – heute der größte säulenlose Einzelraum, der aus der Antike erhalten geblieben ist. Er misst 67 Meter in der Länge, 27,2 Meter in der Breite und 33 Meter in der Höhe – die komplette Porta Nigra ließe sich darin unterbringen. Die bis zu 2,7 Meter dicken Außenmauern der Nord- und der Westwand stammen noch aus der römischen Zeit – rote dünne Ziegelsteine mit dicker Mörtelfuge dazwischen – kaum zu glauben, dass etwas so Einfaches so lange hält. Schon damals war dieser riesige Raum mit heißer Luft zwischen dem doppelten Fußboden zu beheizen. Auch die Außenwände wurden so erwärmt und zwar hinter einer Verkleidung, die sozusagen als Heizkörper funktionierte. Fasziniert verließen wir dieses phantastische Bauwerk, das heute als älteste protestantische Kirche im katholischen Trier genutzt wird.

Auf unserem weiteren Weg zum Dom hatten wir auch die Gelegenheit, kurz in die unmittelbar danebengelegene Liebfrauen-Basilika zu blicken. Sie gilt zusammen mit der Marburger Elisabeth-Kirche als älteste gotische Kirche Deutschlands, die zwischen 1227 - 1260 nach der filigranen Architektur der französischen Hochgotik von französischen Baumeistern erbaut wurde, ein gotisches Juwel, das seinesgleichen sucht.

Der benachbarte Dom St. Peter ist die älteste Bischofskirche unseres Landes und die Mutterkirche des Bistums Trier. Als Gründer des Domes gilt Kaiser Konstantin, der zu seinem 20jähriges Regierungsjubiläum um etwa 326 n. Chr. mit vier berühmten Kirchenbauten begann, dem Petersdom in Rom, der Grabeskirche in Jerusalem, der Geburtskirche in Bethlehem und dem Dom in Trier. Der heute noch erhaltene römische Kernbau, der „Quadratbau“, mit den Originalmauern mit einer Höhe von über 25 Metern geht auf eine Erweiterung in den Jahren 378 – 383 zurück. Über die vielen Jahrhunderte hinweg und durch manche Katastrophen wie Brände und den starken Beschädigungen durch den Normannensturm im Jahre 882 sowie durch bauliche Maßnahmen veränderte sich das Bauwerk immer wieder. Heute zeigt der Trierer Dom mit seinen Krypten Architektur über einen Zeitraum von mehr als 1750 Jahren.

Über den Hauptmarkt und die Simeonstraße, dem Kern der schönen Trierer Fußgängerzone, führte uns unser Guide zur Porta Nigra, dem besterhaltenen römischen Stadttor nördlich der Alpen. Das „Schwarze Tor“ ist das ehemalige nördliche Stadttor  des antiken Triers und das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Es wurde ca. 180 n. Chr. erbaut und war in die 6.4 km lange Stadtmauer integriert. Für den Bau wurden etwa 7200 Steinquader verwendet, von denen die größten bis zu sechs Tonnen wiegen. Sie wurden sehr exakt behauen, ohne Mörtelfuge aufeinandergesetzt und mit eisernen Klammern verbunden, die mit Blei vergossen wurden. Das Stadttor ist anscheinend nie fertiggestellt worden, denn bewegliche Tore konnten niemals eingebaut worden sein. Erst im Mittelalter wurde der Name „Porta Nigra“ („Schwarzes Tor“) verwendet, weil sich der ursprünglich helle Sandstein immer dunkler färbte und über die Jahre fast schwarz wurde, wobei die dunkle Oxidschicht ein hervorragender Witterungsschutz für den Sandstein ist.

Damit endete die unterhaltsame und informative dreistündige Führung durch die älteste Stadt Deutschlands. Herr Stamm und wir bedankten uns bei unseren Führern Frau Fickenscha und Herrn Minas, die uns viele hundert Jahre Geschichte auf verdauliche Art und Weise vermittelt haben, die bei keiner Frage um eine Antwort verlegen waren und verabschiedeten uns von ihnen.

Herr Makossa hatte inzwischen den Bus „gleich um die Ecke“ zum Einsteigen positioniert, denn die drei Stunden auf den Beinen merkten wir dann doch. Er brachte uns die paar Kilometer hoch Richtung Eifel in das kleine Örtchen Newel, wo wir in „Zenners Landhotel“ zum Abendessen und zum Übernachten angemeldet waren. Schnell waren die Zimmer belegt und wir konnten uns etwas frisch machen und auch ein bisschen ausruhen, ehe wir uns zum gemeinsamen Abendessen trafen. Endlich konnten wir uns stärken – seit dem Mittagessen hatten wir schließlich einiges erlebt. Schnell ging der Abend vorbei und es hat ja auch nicht geschadet, dass es dieses Mal nicht ganz so spät geworden ist.

Am Montagmorgen, nachdem wir gut gefrühstückt und aus dem Hotel ausgecheckt hatten sowie unser Gepäck verstaut war, fuhr uns Herr Makossa erst hinunter nach Trier und dann entlang der Mosel gut zehn Kilometer stromauf, wo an der Mündung der Saar in die Mosel das Städtchen Konz liegt. Dort wollten wir uns das Unternehmen Volvo CE (Volvo Construction Equipment Germany GmbH), also einen Teil der Volvo Baumaschinensparte, ansehen. Im Forum begrüßten uns die Herren Jakob Ewald, Axel Roland (Leiter Konstruktion) und Klaus Erang (Leiter Arbeitsvorbereitung). Zu Beginn stellte uns Herr Ewald den Volvo-Konzern vor. Volvo ist heute ein schwedischer Nutzfahrzeug-Konzern mit Sitz in Göteborg. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 100.000 Mitarbeiter. Nachdem 1999 das Kerngeschäft, die Volvo-PKW-Sparte, an Ford verkauft wurde (Ende 2010 an den chinesischen Automobil- und Motorradhersteller Geely weiterverkauft), gehören heute Lastwagen, Omnibusse, Baumaschinen, Schiffs- und Industriemotoren sowie Volvo Financial Services zur Unternehmensgruppe. Hauptsächlich tätig ist Volvo heute  in Westeuropa, Nordamerika, Asien, Osteuropa und in Südamerika. Die Baumaschinensparte Volvo CE mit etwa 14.300 Mitarbeitern weltweit (18 Produktionsstätten in 12 Ländern) entwickelt, fertigt und vertreibt Kompakt-, Raupen- und Mobilbagger, Radlader, Dumper (knickgelenkte Muldenkipper), Grader (Straßenhobel), Baggerlader, Asphaltfertiger (Teermaschinen) und Walzen (Walzenzüge und Straßenwalzen).

Nachdem Volvo 1994 die Zettelmeyer Baumaschinen GmbH in Konz aufgekauft und im Jahre 2004 auch das komplette Firmengelände übernommen hat, investierte der Konzern im Jahre 2006 weitere 150 Mio. € in die Fertigung vor Ort und ist heute in der Lage, mit einem Team von ca. 850 Mitarbeitern maximal 6000 Maschinen im Jahr herzustellen. Hier entwickelt und baut man kompakte Radlader mit einem Einsatzgewicht zwischen 4,33 und 9,7 Tonnen, Mobilbagger zwischen 14 und knapp 26 Tonnen sowie Raupenbagger zwischen 13 und 25 Tonnen. Es sind interessante Fakten, die wir durch Herrn Ewald erfuhren. In einem weiteren Vortrag brachte uns Herr Roland die Technik der Mobil- und Raupenbagger nahe und welch hohe Aufmerksamkeit der Umweltverträglichkeit (Energieeffizienz, Schadstoff- und Geräuschemissionen, Nachhaltigkeit), der Zuverlässigkeit, der Wirtschaftlichkeit und der Sicherheit dieser Maschinen gewidmet wird.

Gekleidet in eine knallgelbe Sicherheitsjacke und ausgestattet mit Helm, Schutzbrille und Headset starteten wir anschließend zur Werksführung. Geleitet von Herrn Ewald und Herrn Erang ging es in zwei Gruppen los. Der Einstieg in die Fertigung erfolgte in der Schweißerei, wo z. B. die Unterwagenrahmen z. T. mit Hilfe von Schweißrobotern zusammengefügt werden. Nach der Bearbeitung auf modernen CNC-Maschinen und der Lackierung der Teile beginnt die Montage in zwei Fertigungslinien, eine für die Mobil- und Raupenbagger, die andere für die Radlader. Genauestens ist jeder Arbeitsschritt in den Fertigungsunterlagen dokumentiert – und so exakt wird im Team dann z. B. auch der Kabelbaum in den Unterwagenrahmen eingebaut. Schritt für Schritt entsteht auf einer 120 Meter langen Montagelinie auftragsbezogen ein Bagger – jeder für sich ein Unikat und genau so, wie ihn der Kunde anhand einer umfangreichen Ausstattungsliste bestellt hat – einschließlich der spezifischen Kundenlackierung. Ausführliche und fundierte Erklärungen unseres Guides verdeutlichten uns beinahe jeden Arbeitsgang – auch alle unsere Fragen wurden kompetent und erschöpfend beantwortet. So bekamen wir tiefe Einblicke in die moderne Fertigung und den Ablauf der Montage in einem Unternehmen, bei dem Organisation großgeschrieben wird. Die Sicherheit, die Qualität und der Umweltschutz – dafür steht der Name Volvo.

Nach so viel Technik war dann eine Stärkung angesagt – Herr Ewald begleitete uns zum Mittagessen in die Werkskantine, wo schon einmal intensiv über das bereits Gesehene diskutiert wurde. Gekräftigt und ausgeruht ging es zurück ins Forum. Von dort aus drängte es die Interessierten (fast alle) hinaus auf das Außengelände, wo hinter dem Service- und Trainingszentrum, in dem jedes Jahr etwa 1500 Servicetechniker ausgebildet und geschult werden, eine Reihe Maschinen aus dem Produktspektrum zu Anschauungszwecken zur Verfügung stehen. Einige von uns wollten einmal im Leben die Möglichkeit nutzen, um einen Bagger zu fahren. Leider durften sie das nicht – eine Baggerführerschein ist dafür erforderlich oder eine Ausbildung zum Baumaschinenführer. Aber Herr Ewald wusste Rat. Ein Mobilbagger mit Hubkabine stand zur Verfügung – und jeder, der Lust dazu hatte (und auch etwas Mut), der konnte das Führerhaus des Baggers erklimmen und sich dann selbst mit der Kabine auf 10 Meter Höhe liften lassen. In der Zwischenzeit war auch noch Herr Dr. Peter Bach zu uns gestoßen, den wir mit unseren Fragen so richtig löchern durften. Und es gab viele Fragen zu all den ausgestellten Baumaschinen. Besonders groß war das Interesse an einem Dumper (Muldenkipper), einem mächtigen Fahrzeug, an das man nicht alle Tage so nahe herankommt.

Zurück im Forum hatten wir nochmals Gelegenheit, alle bis hier noch offengebliebenen Fragen zu stellen, bevor der Besuch zu Ende war. Wir verabschiedeten uns von Herrn Ewald und von Volvo und bedankten uns bei Ihm und bei all denen, die sich so viel Zeit für uns genommen und so viel Mühe gegeben haben, besonders noch einmal bei Herrn Axel Roland, bei Herrn Klaus Erang und bei Herrn Dr. Peter Bach und nicht zuletzt bei Frau Barbara Musche, die uns diesen Besuch überhaupt erst ermöglicht hat. Zu danken haben wir am Ende auch dem Unternehmen Volvo CE für all die Blicke hinter die Kulissen und für die hochkarätigen Techniker, die sich um uns gekümmert haben.

Unter einem wunderschönen Wolkenhimmel in tiefstehender Herbstsonne steuerte uns Herr Makossa zurück quer durch die Eifel mit einem kleinen Abstecher nach Bad Münstereifel, wo wir im „Historischen Kurhaus“ das neue Café von Heino besuchen wollten – für ein Kännchen Kaffee und ein Stück von der bekannten Heino-Haselnuss-Torte oder ein anderes Stück süße Sünde war ja nach dem etwas einfacheren Mittagessen doch noch Platz. Musikalisch beschwingt nahmen wir dann die letzten Kilometer nach Solingen unter die Räder – Herr Makossa war in seinem CD-Archiv über ein paar musikalische Merkwürdigkeiten gestolpert, was ihn aber trotz unserer zweifelhaften Chorqualitäten nicht daran hinderte, uns gut nach Hause zu bringen. Dafür und für vieles andere danken wir ihm und freuen uns darauf, wieder einmal mit ihm auf Tour zu gehen.

Organisation: Gerhard Moch + Jürgen Stamm

 

Gerhard Moch (Schriftführer)