VTI-Fahrt nach Petershagen

Besichtigung  des Industrie-Museums Glashütte Gernheim

 

Am Mittwoch, den 8. April 2012, nachdem alle 50 Teilnehmer eingesammelt waren, fuhren wir mit einem bis auf den letzten Platz besetzten Mercedes-Reisebus von Wiedenhoff, gesteuert von Herrn Goodwill, über die Autobahnen A46, A3 und A2 Richtung Hannover bis zur Ausfahrt Porta Westfalica, von da aus weiter Richtung Norden vorbei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal nach Petershagen-Ovenstädt im nordöstlichsten Zipfel unseres Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, um uns dort die Gernheimer Glashütte anzusehen.

Um 10.30 Uhr dort angekommen, begrüßten uns Frau Stünkel und Frau Baden von der Petershagener Touristik. Aufgeteilt in zwei Gruppen begann die Führung durch das Industrie-Museum. Die Glashütte Gernheim gehört zum Westfälischen Industriemuseum, dem Landesmuseum für Industriekultur. Der Themenschwerpunkt ist die Darstellung der Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte der industriellen Glasherstellung im 19. und 20. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen. Alltags- und Gebrauchsglas steht deshalb im Mittelpunkt der Glassammlung.

Zunächst wurde der geschichtliche Werdegang der Glashütte geschildert, anschließend zeigte man uns das spartanisch eingerichtete ehemalige Lohnbüro, die zur Fabrik gehörende Schule und die Korbflechterei, in der die zerbrechlichen Erzeugnisse für den Transport verpackt wurden. Eine Etage höher vermittelten uns die „Stationen der Glasherstellung“ die wichtigsten Arbeitsschritte in einem Mundblasbetrieb vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt aus Hohl- und Flachglas. Die Abteilung „Glasgeschichte/n“ zeigt die soziale und technische Entwicklung der Glasindustrie von frühindustriellen Zeiten bis heute. Im Dachgeschoß bieten etwa 2000 Exponate vom Einmachglas bis zum prunkvollen Pokal Einblick in die Vielseitigkeit des Werkstoffes „Glas“.

Ein paar Schritte weiter stehen die Häuserzeilen der Glasmacher, die ältesten Arbeiterhäuser Westfalens. Eines davon konnten wir uns ansehen mit der für Glasmacherwohnungen typischen Dunkelkammer, einem innenliegenden fensterlosen Schlafzimmer,  und eingerichtet wie zur damaligen Zeit.

Vorbei  am früheren Fabrikantenwohnhaus ging es zum Herzen der Glashütte, dem 1826 aus Ziegelstein errichteten 26 m hohen kegeligen Glashüttenturm, einem der beiden letzten noch erhaltenen Gebäude dieser Art in Deutschland, der den nach alten Plänen rekonstruierten Glasschmelzofen beherbergt. Wie vor mehr als hundert Jahren wird hier heute nach historischen Techniken wieder Glas produziert. Wir konnten hier einem Glasmacher zusehen, wie er mit Pfeife, Holzform und Schere aus der glühenden Glasschmelze in einer Reihe von Arbeitsgängen ein Zubindeglas herstellte. Gleich nebenan demonstrierte er uns auch, wie Gläser durch Schliff, Gravur und Politur veredelt werden

In dem der Glashütte angeschlossenen Restaurant „Traberstuben“ haben wir beim gemeinsamen Mittagessen wieder Kräfte gesammelt für den Nachmittag und dabei auch die Gelegenheit genutzt, noch einmal über das Gesehene zu sprechen. Zu unserem Bus waren es nur wenige Schritte – der beim Einstieg erfolgte Test der Sicherheitseinrichtungen (Feuerlöscher) ist positiv ausgefallen.

Also konnte unsere Exkursion auf der Storchen-Route weitergehen. Frau Stünkel begleitete uns in unserem Bus als Guide auf dieseer Strecke durch das zu Petershagen gehörende Gebiet links entlang der Weser bis nach Schlüsselburg. Bei einem kleinen Bummel durch das Scheunenviertel, einer Ansammlung von 26 Fachwerkscheunen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die etwas außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes auf etwas erhöhtem Gelände stehen, um vor den Hochwassern der Weser und auch vor des Öfteren stattfindenden Brandkatastrophen geschützt zu sein. Das denkmalgeschützte Ensemble verdankt seinen Erhalt der Tatsache, dass die meisten Gebäude noch bis in die jüngste Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt wurden oder noch werden. Kurz hinter Schlüsselburg querten wir die Weser, die hier aufgestaut ist,  um die Energie des Wassers im Kraftwerk zu nutzen.

Über Heinsen, Ilvese, Döhren, Seelenfeld, Neuenknick, Ilse und Ilserheide und vorbei am Kraftwerk Heyden der E.ON. Kraftwerke GmbH in Lahde, dem mit 920 Megawatt Bruttoleistung derzeit größten Steinkohle-Monoblock Europas, ging unsere Fahrt nach Petershagen, um uns auch dieses Städtchen anzusehen. Unterwegs erblickten wir das eine oder andere Storchennest, das schon bezogen war und in denen die Brut zum Teil schon begonnen hatte.

Zum Abschluss fuhren wir nach Windheim zum Storchenmuseum, das im Dachgeschoß des renovierten und denkmalgeschützten Fachwerkhaus Windheim Nº 2 untergebracht ist, dem ältesten Haus in Windheim aus dem Jahre 1701. Im Erdgeschoß jedoch luden uns das Hofcafé Nº 2 und unser Vorsitzender Herr Stamm zunächst zu Kaffee und von den Frauen selbst gebackenen Kuchen ein – einfach köstlich. Als wir ein paar Schritte vor die Tür machten, traf gerade ein Storchenpaar auf dem auf dem Dach errichteten Nest ein und stellte sich speziell für uns in Pose – das Herz jedes Fotografen schlug dabei höher.

Gut gestärkt waren die Stufen hinauf ins Museum unterm Dach keine Herausforderung für uns. Hier oben erfuhren wir alles zum Thema „Storch“. Präparate, Grafiken, Modelle, Filme und Medieninstallationen gaben uns Einblicke in die Biologie und die Lebensweise von „Meister Adebar“. Eine umfangreiche Postkartenausstellung mit dem Storch im Mittelpunkt ließ uns oftmals schmunzeln – leider fehlte uns die Zeit, jede Karte zu bestaunen - unser Bus wartete auf uns.

Um 18 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück nach Solingen – Regenschauer auf der Autobahn Richtung Dortmund beendeten einen Tag mit richtigem VTI-Wetter. Herr Goodwill brachte uns wohlbehalten zurück zu unseren Ausgangspunkten, wo eine gelungene „Saisoneröffnungstour“ ihr Ende fand.

Vielen Dank an Herrn Stamm, der diese Fahrt in gewohnt hervorragender Weise organisiert und betreut hat.

 

Gerhard Moch (Schriftführer)