VTI-Fahrt nach Osnabrück

Werksbesichtigung bei der Fa. KME Germany

( Industrieprodukte aus Kupfer und Kupferlegierungen )

Stadtbesichtigung Osnabrück

 

32 gusseiserne VTI-ler und zwei Gäste ließen sich offensichtlich nicht von der frühen Abfahrtszeit abschrecken und standen am Donnerstag, den 9. Mai 2019, gut gelaunt auf dem Parkplatz vor der Klingenhalle parat. Schon um 6 Uhr 30 sollte es losgehen Richtung Osnabrück. Die unkalkulierbare Verkehrslage auf der A46 und der A1 waren der Grund für die frühe Abfahrt, denn um 10 Uhr wurden wir bei KME erwartet. Gefreut haben wir uns darüber, dass wir uns den erfahrenen Händen von Herrn Makossa am Steuer eines dreiachsigen Mercedes-Reisebusses von Wiedenhoff-Reisen anvertrauen durften. Mit leichter Verspätung ging es dann auch auf die Fahrt. Dank großzügiger Zeitkalkulation brachten uns die Staus in Wuppertal, vor Hagen und vor einer ganzen Reihe von Baustellen, an denen marode Brückenbauwerke erneuert werden, nicht in Bedrängnis. Es reichte sogar noch für eine kurze Pause an der Raststätte „Tecklenburger Land“.

Rechtzeitig fuhren wir am Werkstor des nahe der Osnabrücker Innenstadt gelegenen Unternehmens KME vor, wo wir bereits von zwei Auszubildenden erwartet wurden. Sie führten uns auf das ausgedehnte Werksgelände zur zentralen Lehrwerkstatt. Als wir alle im Vortragsraum Platz genommen hatten, wurden wir von einer jungen Dame und drei jungen Herren begrüßt. Herr Eisenhut, einer der Auszubildenden, stellte uns dann in einem Multivisionsvortrag das Unternehmen näher vor. KME ist zu übersetzen als Kabel Metall Europa. Diese geht zurück auf die Draht- und Stiftfabrik Witte & Kämper, die 1873 in Osnabrück gegründet und die 1890 in die Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerke AG (OKD) umgewandelt wurde. Die KME SE ist heute eine Europäische Aktiengesellschaft (lateinisch Societas Europaea), kurz Europa-AG genannt. Sie ist eine hundertprozentige Tochter der in Mailand ansässigen Intek Group S.p.A. und stellt Produkte aus Kupfer und Kupferlegierungen her. An 10 Standorten in den wichtigsten Ländern Europas und in China wird gefertigt. Mit weltweit über 3700 Mitarbeitern, davon allein 2300 in Osnabrück, setzt KME pro Jahr über 330.000 Tonnen Kupfer und Kupferlegierungen um. Positiv erwähnen muss man die 120 jungen Menschen, die am Hauptstandort in 13 Berufen und dualen Studiengängen ausgebildet werden.

Und dann wurde es Zeit, sich das alles in der Praxis anzusehen. Zuerst mussten wir aber in der Kleiderkammer antreten, wo wir eine sicherheitstechnische Komplettausstattung verpasst bekamen. Vom knitterfreien Hut über die neongelbe Warnweste, die Schutzbrille und stahlkappenbewehrte Schuhüberzieher wurde alles aufgeboten - wir hatten so unseren Spaß. Mit einem kleinen Mann im Ohr klappte dann auch die Verständigung. Als erstes zeigten uns die Auszubildenden die ausgedehnte zentrale Lehrwerkstätte mit einem umfangreichen Maschinenpark für die wichtigen Bearbeitungstechniken. Auch einige Probestücke, die dabei entstanden sind, präsentierten sie uns stolz. Wieder draußen im Sonnenschein (gottseidank) führte man unsere Gruppe auf der über einen Kilometer langen schnurgeraden Werkstraße zwischen alten Backsteinfassaden bis zum Walzwerk, das in einer der ausgedehnten Hallen untergebracht ist. Von einer erhöhten Bühne konnten wir gut beobachten, wie eine 800 Grad heiße rotglühende Kupferbramme auf die Walzstraße einschwenkte und schon im ersten Walzvorgang 30 Millimeter in der Dicke reduziert wurde. In weiteren Pendelschritten nahm die Materialstärke zusehends ab, bis am Ende die 95 Meter Länge der Walzstraße fast vollständig ausgenutzt wurden. Bestaunen konnten wir auch die kaltgewalzten blanken Kupfer-Coils, die zum Schutz der Oberfläche beim Wickeln eine Zwischenlage Papier erhalten und in großer Anzahl in den Hallen gelagert werden.

Wieder zurück auf der langen Werkstraße ging es noch ein paar Hallen weiter, wo wir dann durch das offene Hallentor einen Konverter bei seiner glühendheißen Arbeit beobachten konnten. In ihm wird Rohkupfer mit einem Kupferanteil von 98 % gewonnen. Dabei wird auch Kupferschrott eingeschmolzen, der in großen Mengen im Hof lagert, wobei selbst vielfaches Recycling keinen negativen Auswirkungen auf die metallischen Eigenschaften von Kupfer mit sich bringt. Aus dem Rohkupfer werden dann die Anoden gegossen, die anschließend in der elektrolytischen Raffination zu Elektrolytkupfer mit einem Reinheitsgrad von etwa 99,99 % verarbeitet werden. Dieses sehr reine und weiche Kupfer wird in einem weiteren Prozess mit anderen metallischen Legierungsbestandteilen geschmolzen, um dem vielseitig verwendbaren Werkstoff die gewünschten Eigenschaften zu verleihen.

Zusehen konnten wir in einer weiteren Halle auch beim Strangpressen von Rohren, die dann in der Weiterbearbeitung kalt gezogen werden. Aber neben der Produktion von Halbzeugen hat man sich darauf spezialisiert, den Kunden fertig bearbeitete Produkte anzubieten. Die entsprechenden Bearbeitungsmaschinen sahen wir durch die geöffneten Tore in den Hallen stehen. Auf ihnen können Werkstücke mit einem Gewicht bis zu mehreren Tonnen bearbeitet werden. Leider hätte dieser bestimmt sehr interessante Einblick den Rahmen der Führung gesprengt. So richteten wir unsere Schritte wieder zurück Richtung Kleiderkammer, wo wir uns umgehend unserer Schutzkleidung entledigten. Anschließend trafen wir uns erneut im Vortragsraum – das Sitzen nach der langen Zeit auf den Beinen tat wirklich gut. Alle Fragen waren offensichtlich während der Führung von den jungen Auszubildenden erschöpfend beantwortet worden und so hieß es Abschied nehmen. Unser Vorsitzender Herr Stamm bedankte sich bei den Herren Eisenhut, Pasch, Hörnchenmeier und Lange sowie Frau Piehl, lobte sie für die Durchführung der Werksbesichtigung und wünschte ihnen für ihre berufliche Zukunft viel Erfolg. Als Dank übereichte er ihnen jeweils eine kleine Anerkennung aus Solingen. Danken wollen wir aber auch der KME, dass sie uns so entgegenkommend empfangen und uns erlaubt haben, ihnen ein bisschen in die Karten zu schauen.

Ein kleiner Spaziergang brachte uns zurück zum unweit geparkten Bus, mit dem uns Herr Makossa die kurze Strecke zum Parkplatz am Dom direkt in der Altstadt brachte. Nur ein paar Schritte waren es zur Hausbrauerei und Restaurant „Rampendahl“. Durch das schöne Sandsteinportal in einem der wenigen noch erhaltenen Giebel aus der Barockzeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts betraten wir das brauhaustypische Innere. Auf der gemütlichen Galerie im Obergeschoß unter einer soliden Balkendecke waren Tische für unsere Gruppe reserviert. Schon auf dem Weg dahin konnten wir einen Blick auf die blankpolierten wohlgerundeten kupfernen Sudkessel im Sudhaus werfen, womit sich sozusagen der Kreis zur vormittäglichen Werksbesichtigung schloss. Natürlich haben wir dann auch die hausgebrauten erfrischenden Biere genossen und dazu die meist rustikalen Gaumenfreuden, die uns die eifrigen Damen kredenzten. So waren wir nach gemütlichen und unterhaltsamen Stunden wieder fit für den Nachmittag.

Dazu nahmen uns vor dem „Rampendahl“ Herr Junker und seine Kollegin Frau Kuper von der Osnabrücker Stadtführergilde in Empfang, um uns etwas mehr von dieser interessanten Stadt im südlichen Niedersachsen zu vermitteln, die etwa so groß ist wie Solingen. In zwei Gruppen zogen wir im Gefolge der beiden Guides auch gleich los. Herr Junker führte uns ein kurzes Stück über die Hasestraße zum Markt und dem anschließenden Marktplatz. An diesem dreieckigen Platz dominiert auf der rechten Seite die Marienkirche, daran schließt sich die ehemalige Stadtwaage an. An der linken Seite versprühen die bunten Treppengiebel der Bürgerhäuser mittelalterliches Flair. Die schmalere dritte Seite des Dreiecks wird vom Historischen Rathaus geschlossen. Das bekannte und prägende Gebäude der Stadt wurde zwischen 1487 und 1512 im spätgotischen Stil aus Sandstein erbaut und trägt ein Dach, das ebenso hoch ist wie der steinerne Baukörper. Über die Freitreppe kommt man hinauf ins Erdgeschoß, in dem sich der bekannte Friedenssaal befindet, in dem auch der „Westfälische Frieden“ zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges verhandelt wurde. Leider konnten wir keinen Blick hineinwerfen, da aktuell Frau Dr. Anita Lasker-Wallfisch, deutsch-britische Cellistin und mit 94 Jahren eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hat.

Im ersten Obergeschoß zeigte uns unser Stadtführer anhand eines Modells, wie Osnabrück 1633 ausgesehen hat, das an einer Furt durch den Fluss Hase um den von Kaiser Karl dem Großen 780 gegründeten Bischofssitz entstanden ist und erklärte uns die weitere Entwicklung zur Stadt. Heute ist Osnabrück, das etwa 164.000 Einwohner zählt, eine putzmuntere Stadt mit einer ganzen Reihe von bedeutenden Unternehmen und mit vielen jungen Leuten, denn an der Universität und an der Hochschule sind circa 27.000 Studenten eingeschrieben.

An der Bierstraße gleich hinter dem Rathaus fiel uns ein barockes Fachwerkhaus auf, das schon 1690 erbaut wurde. Das denkmalgeschützten Gebäude dient heute als Romantikhotel, in dem im Laufe seiner Geschichte eine ganze Reihe Prominente aus dem In- und Ausland zu Gast waren. Hinter dem Hotel bogen wir in die Heger Straße ein, in der eine Reihe interessanter kleiner Geschäfte mit attraktivem Angebot unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Am Heger Tor, das da steht, wo früher die Stadtmauer verlief, machten wir kehrt. Wir folgten der Marienstraße, wo uns Herr Junker auf eines für die Stadt typischen Steinwerke aufmerksam machte, die ältesten aus Bruchsteinen gemauerten Zeugen der Osnabrücker Wohnbaukunst. Ein paar Meter weiter fielen uns drei nebeneinander stehende besonders attraktive schwarz-weiße Fachwerkhäuser, in einem davon ein Weinhaus, auf. Über die nächste Querstraße erreichten wir wieder das Rathaus, wo wir zum Marktplatz einbogen, um die evangelisch-lutherische Marienkirche zu besuchen.

Durch das reich geschmückte Brautportal, geleitet auf der linken Seite von den sieben törichten und rechts von der gleichen Anzahl der klugen Jungfrauen, betraten wir die dreischiffige gotische Hallenkirche. Besonders fiel uns das vom Chorgewölbe hängende Triumphkreuz auf, das aus dem späten 13. Jahrhundert stammt. Ein weiteres Prunkstück ist der Hauptaltar, der mit seinem filigran geschnitzten Mittelteil und den bemalten Flügeln etwa 1520 in Antwerpen geschaffen wurde. Die Kirche war katholisch, bis 1543 die Reformation einzog, behielt aber ihren Namen.

Weiter über den Markt kamen wir zur Großen Domfreiheit, wo uns direkt an der Ecke vor dem Dom St. Peter ein steinernes Wesen auf einer Stele auffiel, das anscheinend nicht so richtig wusste, ob es Löwe oder Pudel sein soll. Unser Stadtführer erzählte uns dazu eine Sage, die auf Kaiser Karl den Großen zurückgeht und weshalb der Volksmund dieses Mischwesen Löwenpudel nennt.

Schon der erste Dom St. Peter wurde bereits 785 an dieser Stelle geweiht. Der heutige Bau im spätromanischen Stil entstand erst in den Jahren 1218 bis 1277 und ist das älteste Gebäude der Stadt. Als wir so vor der Westfassade standen, kam uns die Silhouette irgendwie unausgewogen vor. Ursprünglich hatte St. Peter symmetrische Zwillingstürme im romanischen Stil, aber im 15. Jahrhundert wurde der Südwestturm durch einen wesentlich massiveren gotischen Turm ersetzt – eine angeblich für den alten Turm zu groß geratene Glocke machte den Umbau erforderlich. Durch das spätgotische Westportal unter dem großen Rosettenfenster mit dem hochgotischen Maßwerk betraten wir das Kircheninnere, das mit den klaren Linien des gotischen Spitzbogengewölbes und den teils romanischen Rundbogen der Fenster gefällt. Ins Auge springt sofort das fast sechs Meter hohe Triumphkreuz aus dem Jahr 1230, das zwischen Vierung und Chor vom Gewölbe hängt. Der prachtvolle geschnitzte, vergoldete und bemalte Hochaltar und einige schöne Barockelemente wie die Kanzel, die bunten Kapitelle der Pfeiler und die prächtigen farbigen Glasfenster lockern die strenge Atmosphäre etwas auf.

Durch eine Tür im rechten Seitenschiff traten wir hinaus in den Kreuzgang, normalerweise eine Oase der Ruhe, aber durch eine lebhafte Schulklasse das Gegenteil davon. Im schönen Innenhof des romanischen Kreuzgangs ruhen die Domherren der vergangenen Jahrhunderte bis in die heutige Zeit. Durch den Dom gelangten wir wieder hinaus auf dem Domhof vor dem Gotteshaus, wo die Führung mit Herrn Junker endete. Wir dankten Ihm für die unterhaltsame Art, mit der er uns viel Interessantes vermittelte, und verabschiedeten uns. Ein paar Meter weiter trafen wir auch unsere Parallelgruppe, geführt von Frau Kuper. Auch Ihr dankten wir für den informativen Weg durch die spannende Stadt Osnabrück.

Um die Ecke an der Großen Domfreiheit wartete bereits Herr Makossa mit dem Bus auf uns. Das Sitzen auf den weichen Polstern tat nach der Tour durch die Stadt wirklich gut und wir konnten die Fahrt zurück nach Solingen genießen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass wir, als wir gerade auf der Autobahn waren, von einem kräftigen Regenschauer ordentlich abgeduscht worden sind – was hatten wir doch für ein Glück mit dem Wetter gehabt! Selbstverständlich verlief auf der Heimfahrt alles glatt, so dass uns Herr Makossa in Solingen beruhigt von Bord gehen lassen konnte – Ihm ein spezielles Dankeschön dafür.

Organisation: Gerhard Moch, Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)