VTI-Fahrt nach Meerbusch-Osterath + Krefeld

Besuch der Elektrothek Osterath

( 100 Jahre elektrische Energieverteilung )

Besuch der Wasserburg Linn

 

40 VTI-Mitglieder wollten am Dienstag, den 16. April, dabei sein bei der ersten Fahrt unseres Vereins im Jahr 2019. Weit sollte es nicht gehen – in den Düsseldorfer Norden und nach Krefeld. Vom Parkplatz an der Klingenhalle holte uns ein Neoplan-Reisebus der Firma Wiedenhoff ab, am Steuer Herr Antonio Morangi, der sich uns als Toni vorstellte. Trotz Stau vor der Autobahnauffahrt auf die A46 trafen wir fast pünktlich in Meerbusch-Osterath ein. Am Tor zum Firmengelände nahmen uns bereits einige Herren der Elektrothek in Empfang. Noch im Bus begrüßte uns Herr Rohlfing, der 2. Vorsitzende des 2011 gegründeten Vereins Elektrothek e. V. und stimmte uns schon mit ein paar Worten auf die Führung ein.

Die Elektrothek ist ein technisches Museum für Hochspannungstechnik, das auf dem Gelände der zur Amprion GmbH gehörenden Umspannanlage Osterath beheimatet ist. Zur Amprion GmbH ist noch zu sagen, dass sie ein deutscher Betreiber von Stromübertragungsnetzen ist und mit ihrem Sitz in Dortmund beheimatet ist. Sie betreibt mit knapp 11.000 km Länge das zweitgrößte Höchstspannungs-Stromnetz (220 kV und 380 kV) in Deutschland. Das Unternehmen entstand 2003 durch die Ausgliederung dieses Bereichs aus dem Energiekonzern RWE AG. Die Elektrothek wurde auf Betreiben eines RWE-Beschäftigten ins Leben gerufen und 1981 eröffnet. Heute betreuen ehemalige RWE-Mitarbeiter ehrenamtlich das Museum und führen Besucher durch die Ausstellung im Gebäude und im Außenbereich.

Aufgeteilt in drei Gruppen ging es dann auch für uns los unter dem Motto: „Stromversorgung vom Kraftwerk bis zur Steckdose und was sich dazwischen in den vergangenen 100 Jahren getan hat“. Zunächst begannen wir mit der umfangreichen Freiluftausstellung. Neben einer Reihe von Mittelspannungsstationen, uns auch als Trafohäuschen bekannt, in denen der Strom aus den Mittelspannungsnetz (heute in Deutschland meist 10.000 - 20.000 Volt = 10 – 20 kV/Kilovolt) auf im Niederspannungsnetz übliche 230 – 400 Volt umgespannt/transformiert wird, sind mächtige 220 kV- und 110 kV-Großtransformatoren zu bestaunen, die mit ihren immensen Gewichten zur damaligen Zeit nur per vielachsigen Schwerlastwaggons mit der Eisenbahn an ihren Bestimmungsort gebracht werden konnten. Weiter sind im Außenbereich eine Reihe von Leistungs- und Trennschaltern bis 380 kV zu bestaunen, außerdem ein Hochspannungsmast der ersten 110 kV-Leitung in Europa, die das Braunkohlegebiet von Lauchhammer im südlichen Brandenburg mit den Stahlwerken von Riesa und Gröditz in Sachsen verband und die Anfang des Jahres 1912 in Betrieb genommen wurde.

Vom Außenbereich ging es dann hinein in die Räumlichkeiten, in denen weitere Schätze aus der Geschichte der Elektrotechnik zu sehen sind, wobei diverse Exponate inzwischen einzigartig sind und nur noch in der Elektrothek bestaunt werden können. Egal ob die verschiedenartigsten Mess- und Prüfgeräte für Frequenz, Spannung, Stromstärke und Leistung, weiterhin Schalter, Stromkabel und Leitungen, Isolatoren, Sicherungen, Gerätschaften zum Schalten wie z. B. Schaltstangen, ein Sortiment von der kleinsten bis zur größten Glühlampe, Gleichrichter, Strom- und Spannungswandler, Zähler und Schaltuhren für Gleich- und Wechselstrom in der Industrie und im Haushalt.

Eine besondere Rarität ist die Kraftwerksschalttafel aus dem alten Kraftwerk Goldenberg der RWE in Hürth-Knapsack südwestlich von Köln, das 1914 den Betrieb aufnahm. Diese Marmorschalttafel aus dem Jahr 1921 mit den darin eingelassenen edel aussehenden Messinginstrumenten ist ein wirkliches Prunkstück. Etwas Ähnliches haben wir 2017 bei unserem Besuch im Wasserkraftwerk Heimbach/Eifel bewundert. Marmor hat man damals aber nicht der Optik wegen eingesetzt, sondern weil er ein hervorragender Isolator ist und dafür geeigneter Kunststoff noch nicht zur Verfügung stand.

Aus alter Zeit zeugt auch eine Reparaturwerkstatt, in der die Werkzeugmaschinen noch über Transmissionen angetrieben wurden, unter anderem eine Ständerbohrmaschine und eine Drehmaschine. Passend dazu schmunzelten wir über einen Reparatur- und Servicetechniker aus damaliger Zeit in seiner wind- und wetterfesten Arbeitskleidung und einem Koffer, in dem die Werkzeuge für beinahe alle Eventualitäten einsortiert waren.

In einem anderen Raum wird Fernmeldetechnik aus vergangener Zeit präsentiert, als das Fräulein vom Amt noch für die richtigen Verbindungen sorgte. Aus der Zeit vor SMS und E-mail werden Fernschreiber und weitere Nachrichtentechnik präsentiert. Aus der gleichen Zeit stammen die Exponate, die uns im letzten Raum ein Lächeln ins Gesicht zauberten und ein „Weißt du noch …?“ auf die Lippen, nämlich Haushaltselektrogeräte und Unterhaltungstechnik, die uns noch aus unserer Jugendzeit vertraut ist.

Damit war die Führung durch diese einzigartige Sammlung beendet und wir trafen uns alle in der herrlichen Frühlingssonne auf dem Freigelände wieder. Letzte offengebliebene Fragen konnten noch beantwortet werden, dann bedankten wir uns bei den Herren Hoolmans, Vermaßen und Meyer, die uns all die Schätze gezeigt und verständlich erklärt und mit der einen oder anderen Geschichte aus dem eigenen Arbeitsleben aufgelockert haben. Unser Vorsitzender Herr Stamm dankte besonders auch Herrn Rohlfing, der uns diese Einblicke in die spannende Geschichte der Elektrotechnik ermöglicht hat.

Nach zwei Stunden Besichtigung wurde es Zeit, etwas für die körperlichen Bedürfnisse zu tun, deshalb brachte uns Toni zum nicht weit entfernt gelegenen Restaurant „Im Pferdestall“, wo man für uns einen separaten Raum reserviert hatte. Flotter Service brachte uns schnell die Getränke und auch das schmackhafte Essen ließ nicht lange auf sich warten. Die Pause mit Erfrischung und Stärkung hat uns gutgetan und so waren wir bald wieder fit für den Nachmittag.

Die Wasserburg Linn ist einer der touristischen Anziehungspunkte im Stadtteil Linn der Seidenweberstadt Krefeld. Auf dem kurzen Weg vom Bus durch die Parkanlagen der Vorburg bekamen wir schon den ersten Eindruck von dem wehrhaften Gemäuer, das vom stämmigen Bergfried überragt wird. Links neben der Brücke über den Wassergraben fällt in freundlichem Gelb das barocke Jagdschlösschen aus dem 18. Jahrhundert auf, in dem heute geheiratet werden darf. Hier trafen wir auf die beiden Damen, die uns die Burganlage näherbringen sollten. In zwei Gruppen begann dann auch sofort die Führung mit Erklärungen über das Jagdschloss, die äußere historische Stadtmauer und dem Kräutergarten, an diesem entlang und den weiteren Gebäuden in der Vorburg, unter anderem die historische Zehntscheune. Über eine Holzbrücke, die über den mit Wasser gefüllten Burggraben führt und auf den letzten Metern vor dem Burgtor als Zugbrücke funktioniert, betraten wir das Torhaus, das als weitere Vorsichtsmaßnahme ein stabiles Fallgitter (mit ungemütlich spitzen Pfählen) und eine daran anschließende tiefe Fallgrube unter dem Torbogen als zusätzliche Überraschung für ungebetene Gäste parat hält und wo sich auch die Wachstube für die Torwachen befindet.

Im Burghof angekommen erklärt uns die Dame, die uns führte, zunächst die Gliederung der Burg und wie diese in mehreren Schritten seit etwa 1200 entstanden ist. Der imposante Bergfried, „Butterturm“ genannt, beherrscht den Innenhof. Im Gefahrenfall war er nur durch eine hoch gelegene kleine Tür zu betreten, die gut zu verteidigen war. Und dann ging´s hinein in die ehemalige Welt der Ritter, Knappen und der holden Damen. Zuerst betraten wir den Palassaal, der uns mit seiner Größe und der soliden Konstruktion der dunklen Holzdecke beeindruckte. An dem einen Ende schließt sich die gotische Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert an. In der Knappenstube stehen Ritterrüstungen und weiteres Kriegsgerät.

Eine Etage höher fanden wir den Rittersaal mit ebensolch beeindruckender Holzdecke, die Wände dekoriert mit Teppichen aus Flandern. Daran schließt sich die spartanisch eigerichtete Küche an und die Kemenate, in die sich die Damen zurückziehen konnten. In einem weiteren Raum war noch mehr Wehrtechnik ausgestellt, die man sogar in die Hand nehmen oder anprobieren konnte. Wie fühlt sich ein Morgenstern an, wie ein kleines oder ein großes Schwert, eine Streitaxt oder ein Dolch? Wie schwer ist ein Kettenhemd oder ein Helm, aus dem man fast nicht heraus sehen kann? Es gab schon einiges zu lachen bei der Anprobe diverser Modelle.

Und dann ging´s über den Wehrgang auf der Burgmauer hinüber und hinauf in den Bergfried. Durch ein Gitter im Boden des runden Turms kann man hinunterschauen in das sogenannte Angstloch, das einstige Verlies der Burg, in dem Gefangene ihrer Verhandlung entgegen zitterten. Über enge Treppen stiegen wir dann hinauf in die vierte, die oberste Etage des Turms, von wo man einen weiten Blick über den Park und die Stadt genießt. Zum Abschluss führte uns unsere Dame noch in einen letzten Raum, in dem sie uns die Gewinnung von Leinen aus Flachs erklärte und wo historische Werkzeuge und Geräte wie Spinnräder und Webstühle ausgestellt waren. Damit war die Führung beendet und wir bedankten und verabschiedeten uns von Frau Stettin und Frau Zacher, die uns mit viel Herzblut so interessant durch die alte Zeit geführt haben.

Als Belohnung waren wir zum Abschluss zu Kaffee und leckeren Kuchen in der Dependance des Museumscafés eingeladen. Gut gestärkt haben wir dann die Heimreise angetreten, wo uns Toni nach zügiger und störungsfreier Fahrt vor der Klingenhalle von Bord ließ, wobei wir Ihm an dieser Stelle noch einmal für die gute Fahrt danken wollen.

Unser besonderer Dank gilt unserem langjährigen Mitglied Karl Luchtenberg, der die Idee und Organisation zur Besichtigung der Elektrothek in Osterath  hatte.

 

Organisation: Karl Luchtenberg, Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)