VTI-Fahrt nach Krefeld und Goch

Besuch der DB Fahrzeuginstandhaltung, Werk Krefeld

Besuch in der Viller Mühle in Goch

 

Am 11. Juni, einem Donnerstagmorgen, holte uns das Team Makossa/Neoplan-Starliner von Wiedenhoff-Reisen zu unserer Fahrt nach Krefeld und Goch vom Reisebushalt am Solinger Kunstmuseum ab – „uns“, das bedeutete in diesem Falle 40 unserer Vereinsmitglieder, die wieder einmal einen interessanten und schönen Tag erleben wollten, und auch die Sonne zeigte sich schon von ihrer besten Seite. Nach einer teilweise aufregenden Fahrt (auf der Autobahn ein LKW-Auffahrunfall direkt vor uns) kamen wir rechtzeitig in Krefeld an, jedoch nicht ohne eine kleine Sonderprüfung für Herrn Makossa auf der Zufahrt zum DB-Werk in Krefeld-Oppum, der „Fahrzeuginstandhaltung GmbH der Deutschen Bahn AG“, einem der modernsten Kompetenzzentren der DB Instandhaltung. Zurzeit sind in Krefeld ca. 960 Mitarbeiter beschäftigt, in der gesamten DB Fahrzeugínstandhaltung etwa 8600. Diese ist ein Dienstleister für die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie wickelt Aufträge nicht nur für die DB, sondern für Kunden in ganz Europa ab. Unser Mitglied Klaus Artmann hatte die Idee und öffnete uns mit seinen persönlichen Kontakten die Tür nach Krefeld – ihm vielen Dank dafür.

Schon vor dem Pförtner nahm uns Herr Sebastian Pott in Empfang und lotste den Bus auf das Werksgelände. Vor dem Kantinengebäude stiegen wir aus und im Vorraum wurden wir dann alle mit weißen Helmen ausgestattet. Herr Pott und auch unsere beiden anderen Werksführer Herr Böhmer und Herr Josten begrüßten uns. Unsere große Gruppe wurde für die Besichtigung in drei kleinere aufgeteilt und dann ging es auch schon los. Über das Freigelände vorbei an beschädigten und verunfallten Waggons und Zugeinheiten für den Personenverkehr erreichten wir den Eingang der Halle, deren Außenmauern noch aus dem Jahr 1892 stammen, als in Krefeld die erste Eisenbahn-Reparaturwerkstatt in Betrieb ging. In diesen denkmalgeschützten historischen Hallen, deren Innenleben aber ganz auf der Höhe der Zeit ist, werden vorwiegend die elektrisch angetriebene Regio-Züge gewartet, repariert und überholt. Die Zugeinheiten brauchen dazu meist nicht getrennt werden, was eine nicht unwesentliche Zeitersparnis mit sich bringt. Auf drei Ebenen gleichzeitig wird dann meist an den Zügen gearbeitet – unterhalb des Fahrzeugs in einer Grube, die so lang ist wie der ganze Zug, sodann auf Einstiegshöhe und auf der Höhe des Dachs mit verfahrbaren Arbeitsbühnen. Umfangreichste Sicherheitsvorkehrungen gilt es zu beachten, wenn Arbeiten an der Stromzuführung von der Oberleitung her durchgeführt werden müssen, denn die Fahrspannung beträgt 15.000 Volt.

In den danebenliegenden Werkstätten werden Komponenten überholt und repariert wie z. B. Gebläse und Lüfter. Auch die Schreinerei und die Glasfaserkomponentenwerkstatt sind hier untergebracht und wir durften jeweils einen Blick hinein werfen. Als wir das Gebäude am anderen Ende verließen und ein Freigelände mit den Geleisen einer Waggon-Verschiebebühne überquerten, lagen die im Oktober des Jahres 2003 in Betrieb genommenen ICE-Hallen vor uns. Hier werden alle Wartungs- und Reparaturarbeiten an den verschiedenen Versionen der ICE-Flotte durchgeführt. So kommt jeder der inzwischen über 270 ICEs der Deutschen Bahn spätestens nach sechs bis acht Jahren und nach etwa 1,5 Millionen gefahrener Kilometer zur großen Revision nach Krefeld. Treten unterwegs technische Probleme auf, können diese schon vor dem Werkstattaufenthalt vom Diagnosesystem während der Fahrt per Datenfernübertragung gemeldet werden. So ist eine Minimierung der Stillstandzeit möglich, denn es können die erforderlichen Ersatzteile frühzeitig bestellt und die nötigen Arbeiten besser eingeplant werden.

Zu den standardmäßigen Arbeiten zählt auch der Austausch der Drehgestelle. Dazu können die Wagenkörper komplett angehoben werden. In einer benachbarten Halle werden die bereits überholten oder reparierten Fahrwerke gelagert und stehen somit zum schnellen Wechsel bereit. Nebenan liegen die Werkstätten, in denen die Drehgestelle demontiert und komplett überarbeitet werden, dazu gehören die Fahrgestellrahmen, die Radsätze, die Bremsen, die Stoß- und die Schlingerdämpfer, die Getriebe und falls vorhanden die Komponenten der Neigetechnik. Man kann nur hoffen, dass diese Arbeiten an den Drehgestellen weiterhin in Krefeld ausgeführt werden – es besteht zur Zeit die Gefahr, dass eine Verlagerung nach Kassel erfolgt, was eine Reihe von Arbeitsplätzen gefährden – und den LKW-Verkehr zwischen beiden Reparaturzentren deutlich erhöhen würde. Um diesen eventuellen Verlust zu kompensieren, will man vor Ort das Unfallinstandsetzungszentrum weiter ausbauen, denn das nötige Know-how ist vorhanden und was hier geleistet wird, ist schon erstaunlich, denn selbst Richtarbeiten an verzogenen Wagenkörpern beherrschen die Spezialisten. Kundenspezifische Umbauten werden realisiert und auch umfangreiche Lackierarbeiten erfolgen hier, dazu stehen eine Kabine zum Strahlen von Stahl und Aluminium und eine große Lackierkabine zur Verfügung. Auch die Spuren sogenannter Graffiti-Künstler können ohne Neulackierung beinahe vollständig entfernt werden.

Interessiert folgten wir den Ausführungen und Erklärungen unseres Werksführers und löcherten ihn mit vielen Fragen, von denen keine unbeantwortet blieb. Leider verging die Zeit viel zu schnell – ich glaube, jeder von uns hätte gern noch mehr erfahren – denn das Thema Eisenbahn berührt uns fast alle. Und so ging es zurück zum Ausgangspunkt der Führung, wo wir die Helme wieder abgaben und uns von unseren Guides verabschiedeten, nicht ohne uns vorher bei ihnen für ihr Engagement und der DB für den Blick hinter die Kulissen zu danken. In der Kantine waren für uns Plätze reserviert – das Sitzen tat gut nach der ausgedehnten Besichtigung – und das wirklich schmackhafte Essen brachte unsere Kräfte wieder zurück. In einem persönlichen Gespräch mit Herrn Pott, einem unserer Werksführer, lobte dieser das rege Interesse, die Aufmerksamkeit und die Wissbegier unserer Gruppe und bedauerte, dass dies leider nicht immer so ist.

Früher als im Programm vorgesehen starteten wir zur Weiterfahrt nach Kessel, einem Ortsteil von Goch fast an der Grenze zu den Niederlanden, wo an einem Seitenarm der Niers in wunderschöner Natur die Viller Mühle steht, nur 87,3 Kilometer vom Carsch-Haus entfernt, also in unmittelbarer Nähe zu Düsseldorfer Kö, wie ihr Besitzer Heinz Bömler betont. Neugierig entstiegen wir dem Bus, denn wir wussten nicht, was uns in dem alten Gemäuer erwartete. Nachdem wir schon einige Minuten den merkwürdigen „aulen Brassel“ auf dem Mühlengelände bestaunt hatten, begrüßte uns Herr Bömler in einer kleinen Rede voller hintergründigem Humor. Die Mühle, die Herr Böhmler, seines Zeichens „wahnsinniger Puppenspieler“ und Unterhalter, im Jahre 1994 erworben hat, ist eine ehemalige Öl-, Säge- und Getreidemühle, die bis auf das Jahr 1291 zurückgeht, aber in der heutigen Form etwa im Jahr 1870 erbaut wurde. Früher wurden ihre unterschlächtigen Wasserräder von der Niers angetrieben, aber infolge der Begradigung der Niers im Jahr 1933 wurde die Mühle vom Wasser abgeschnitten und deshalb danach mit Dampf und Elektrizität betrieben. Seit 2000 ist die Mühle denkmalgeschützt.

Dann begann die Zeitreise durch eine unglaubliche Raritätenwelt eines Edel-Messis, der Ende der 1970er Jahre seiner Sammelleidenschaft verfallen war. Vorbei an seinem auf den 17.8.2029 vordatierten Grabstein und der „weltgrößten Luftballon-Startrampe“, einem 32 Meter hohen Schornstein, zeigte er uns eine ganze Reihe seiner 40 historischen Läden, in denen abertausende alte Waren präsentiert werden, die vielen von uns noch ein Begriff sind und uns oft ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Es gibt fast nichts Altes vom LKW-Oldtimer bis zum Hosenknopf, was in dem riesigen Fundus nicht aufzutreiben ist – deshalb ist Herr Bömler bei den Machern von Film und Fernsehen gefragt, wenn Requisiten für Historienfilme gesucht werden, die er verleiht wie zuletzt für „Anne Frank“. Wie viele Stücke es wirklich sind, weiß er selbst nicht, denn mal sagt er: über neun Millionen, dann wieder mehr als zwei Millionen, die aber angeblich alle im Computer einschließlich ihres Platzes, wo sie zu finden sind, erfasst sind. Als Beispiel zeigte er uns den Karton eines CARE-Pakets aus der Nachkriegszeit – wer weiß denn heute noch genau, wie das Original mit Aufschrift ausgesehen hat und wie groß es war?

Am Ende der „Zeitreise“ landeten wir in Bömlers Kasperle-Theater, wo er uns mit Kostproben seines Könnens als Puppenspieler zum Lachen brachte. Damit verabschiedete sich der Tausendsassa der Unterhaltung von uns. In einem buntgedeckten Zelt gab es für uns alle Kaffee und Kuchen. Bis zur Rückfahrt des Busses blieb noch etwas Zeit, die wir uns in der schönen Abendsonne auf dem Freigelände vertrieben.

Für die Rückfahrt stand uns dann ein Mercedes-Reisebus zur Verfügung – der Neoplan war wegen eines technischen Problems in der Zwischenzeit von Wiedenhoff gegen diesen ausgetauscht worden. Aber auch mit dem Stern brachte uns Herr Makossa nach einem erlebnisreichen Tag wieder sicher in unsere Heimatstadt zurück.

Organisation: Klaus Artmann, Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)