VTI-Fahrt nach Duisburg

Besichtigung der KÖNIG-BRAUEREI der Bitburger Braugruppe

und Hafenrundfahrt im größten BINNENHAFEN EUROPAS

 

 

Am Montagmorgen den 27. Mai 2013, bestiegen vor der Klingenhalle 45 Personen den von Herrn Axel Padberg gelenkten Mercedes-Reisebus der Fa. Wiedenhoff mit Ziel Duisburg.

 

Vom montäglichen Berufsverkehr weitestgehend verschont erreichten wir pünktlich unser erstes Ziel, die König-Brauerei in Duisburg-Beeck. Bei einer kleinen Kostprobe der Produkte des Hauses begrüßte uns im traditionsreichen Theodor-König-Keller Herr Horst Schellack im Namen des Unternehmens und stellte uns das bekannte Brauhaus vor.

 

Im Jahre 1858 gründete Theodor König im Ort Beeck bei Duisburg die Brauerei und begann dort Bier nach Pilsener Brauart zu brauen, obwohl zu dieser Zeit meist einfache obergärige Biere konsumiert wurden. Schon im Jahre 1900 konnte König 50.000 Hektoliter absetzen, vorwiegend in Duisburg und Umgebung, Seit 1911 wird die Marke König-Pilsener produziert, die sich auf dem Markt schnell durchsetzte. 1929 wurde erstmals die 100.000 Hektoliter-Marke durchbrochen. Zur Zeit beträgt der Ausstoß 1,8 Mio. Hektoliter Gerstensaft im Jahr. Etwa 280 Mitarbeiter haben dabei königlich zu tun. Seit Juli 2004 gehört die König-Brauerei zu 100 % zur Bitburger Getränke Verwaltungsgesellschaft.

 

Versehen mit Headsets machten wir uns dann in zwei Gruppen, geführt von Herr Schellack und Herr Poscher, auf den Weg durch die ausgedehnten Gebäude. Jetzt ging es ans Bierbrauen. Das Malz stellt König nicht selbst her, sondern kauft es von Mälzereien in Deutschland und im europäischen Ausland ein. Der eigentliche Brauprozess beginnt mit dem Maischen. Dabei wird Wasser erwärmt und das geschrotete Malz beigegeben. Die dabei entstehende Maische wird unter Rühren weiter erhitzt, wobei Enzyme die Stärke aus dem Malz in Malzzucker umsetzen, was in großen Tanks erfolgt. Danach wird die Maische in Läuterbehältern geläutert, das heißt, dass der Malztreber von der Würze, dem flüssigen vergärbaren Teil der Maische, getrennt wird. Die Würze wird im Sudkessel zusammen mit dem Hopfen gekocht. Dieser Sud wird dann gefiltert, um Eiweiß und Schwebstoffe zu trennen. Die verbleibende Flüssigkeit wird auf Gärtemperatur abgekühlt, danach je nach Biersorte die entsprechende Hefe zugesetzt und anschließend im Gärbehälter vergoren. Nach der etwa eine Woche dauernden Hauptgärung muss das Jungbier noch zwischen vier bis sechs Wochen nachgären, bevor es nochmals gefiltert und am Ende abgefüllt wird.

 

Da sich das alles in Behältern, Tanks, Bottichen, Kesseln usw. abspielt, war vom eigentlichen Bierbrauen nicht sehr viel zu sehen. Beeindruckt hat uns allerdings, dass alle Behälter, die vielen Rohrleitungen und die zahllosen Armaturen in Edelstahl ausgeführt waren. Wirklich lebhaft wurde es dann, als es ans Abfüllen des Gerstensafts ging. Bei unserem Besuch am Montag wurden Kegs abgefüllt, also die Mehrwegfässer aus Alu mit Inhalten von 20, 30 und 50 Litern, die sich bei der keimfreien Lagerung von Getränken durchgesetzt haben und die bei Zapfanlagen verwendet werden. Vor dem Befüllen werden die Kegs nach Entfernung des alten Kennzeichnungsrings und der Außenreinigung innen mehrmals gespült und danach mit heißem Wasserdampf sterilisiert. Dann erfolgt die Dichtigkeitskontrolle. Um die Kegs nach der Dampfbehandlung wieder abzukühlen, werden sie mit Kohlendioxid unter Druck gesetzt, damit die Schaumbildung beim Füllen unterbleibt – und endlich wird befüllt. Alle diese Vorgänge laufen vollautomatisch ab.

 

Anschließend wollten wir noch die Flaschenabfüllung besichtigen, auf der 55.000 Flaschen pro Stunde befüllt und verpackt werden können. Leider reichte dafür nichtmehr die Zeit – also ein guter Grund, bei einer der nächsten Exkursionen das Versäumte nachzuholen.

 

Zurück ging es daraufhin wieder in den urigen Theodor-König-Keller, wo wir uns bei einem herzhaften Imbiss mit Leberkäs und bayrischen Kartoffelsalat stärken und uns bei einer nochmaligen Qualitätsprüfung von der Güte der hergestellten Produkte überzeugen konnten – zu einem liebevoll gezapften wohlschmeckenden Pils kann man nicht so leicht nein sagen. Wir bedankten uns bei Herrn Schellack und Herrn Poscher für die informativen knapp zwei Stunden, die die Führung dauerte und auf der uns geduldig alle unsere Fragen beantwortet wurden.

 

Herr Padberg brachte uns anschließend an vielen LKWs vorbei – bis zu 100 werden hier täglich beladen – und an haushohen Stapeln im Hof lagernder roter Getränkekisten entlang zurück auf die Straße und weiter in den nur wenige Kilometer entfernten Ruhrorter Hafen, wo am Anleger „Schifferbörse“ das Personenschiff MS Rheinfels zur Hafenrundfahrt auf uns wartete. Herr Moser, der Eigner und Kapitän, sowie seine Frau begrüßten uns herzlich an Bord und als wir alle ein gemütliches Plätzchen auf dem Oberdeck gefunden hatten – am liebsten draußen in der herrlichen Sonne – legten wir auch schon ab. Das Fahrgastschiff der Ruhrorter Personenschifffahrt ist 25,6 m lang, etwas über 5 m breit, motorisiert mit 330 PS und bietet Platz für etwa 150 Fahrgäste – ein richtig gemütliches Schiff, das trotz seines Alters von bald 50 Jahren sehr gepflegt ist.

 

Zuerst fuhren wir durch den Vinckekanal Richtung ehemaligen Nordhafen in den Südhafen entlang des Container-Terminals und der Roll-on/Roll-off-Anlage, dann wieder zurück vorbei an den Museumsschiffen des Binnenschifffahrt-Museums, dem Seitenradschleppdampfer „Oscar Huber“ und dem Eimerkettendampfbagger „Minden“, hinaus auf den Rhein. Der nächste Abzweig flussaufwärts brachte uns in den Hafenkanal vorbei am Becken A mit den vielen Öltanks hinein in die großen Becken B und C, in denen vorwiegend Kohle und Schrott gelöscht und verladen werden. Jeweils an den Beckenenden befinden sich die Werftbetriebe der Meidericher Schiffswerft, der Neuen Ruhrorter Schiffswerft und der Neuen Triton-Schiffswerft, wo jeweils Schiffe auf der Helling lagen, um repariert, umgebaut oder mit neuem Anstrich versehen zu werden. Schiffsneubauten sind eher selten, da sie aus Kostengründen im Ausland geordert werden.

 

Der freundliche Bordservice versorgte uns mit Getränken und auch mit Kaffee und leckerem Apfel- und Käsekuchen. Wir genossen so richtig den herrlichen Tag. Kapitän Mosers Wissen über den Hafen ist beinahe unerschöpflich – man möchte meinen, er kennt jedes Schiff, jedes Unternehmen und jeden Meter Kaimauer persönlich.

 

Der Duisburg-Ruhrorter Hafen liegt an der Mündung der Ruhr in den Rhein und gilt als größter Binnenhafen Europas, zusammen mit den anderen öffentlichen und privaten Hafenanlagen der Stadt bis nach Rheinhausen mit einer Gesamtfläche von 10 km² als größter Binnenhafen der Welt, in dem im Jahr rund 20.000 Frachtschiffe anlegen. 180 Hektar Wasserfläche verteilen sich auf 21 öffentliche Hafenbecken mit 40 km Uferlänge, wobei 15 km Umschlagufer mit Gleisanschluss sind. Im Jahre 2011 wurden 64 Mio. Tonnen umgeschlagen. Zusammen mit den privaten Werkhäfen ergibt das einen Gesamtumschlag von 125,6 Mio. Tonnen. In den Container-Terminals wurden im letzten Jahr 2,3 Mio. TEUs (Twenty-foot Equivalent Unit – 6 Meter Standard Container) ent- und beladen. Der Hafen Duisburg ist der Binnenhafen zu den Seehäfen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Emden und Hamburg, in denen Güter von Seeschiffen auf Binnenschiffe umgeladen und hauptsächlich über Duisburg in das europäische Hinterland verteilt werden. 350 Container-Bahn-Shuttles starten jede Woche von hier aus. Er ist auch der westlichste Seehafen unseres Landes, denn im Jahr wird er von ca. 2000 flussgängigen Seeschiffen angelaufen und dabei 2 Mio. Tonnen Fracht umgeschlagen. Die rund 250 im Hafen ansässigen Firmen bieten etwa 36.000 Arbeitsplätze, gut 10% aller Arbeitsplätze der Stadt. Ab Spätsommer dieses Jahres eröffnet Audi im Hafen sein weltgrößtes Export-Zentrum. In jährlich ca. 16.000 Containern gelangen Fahrzeugteile zukünftig von hier aus in die ganze Welt.

 

Kapitän Moser erzählte uns auch von der Duisburger Hafenabsenkung, die sich fast wie gut gesponnenes Seemannsgarn anhört, die aber in den 1950er bis in die 1960er Jahre weltweit Aufsehen erregte. Infolge von Flussregulierungen am Oberlauf des Rheins, dem Deichbau und der Schifffahrt gräbt sich der Rhein jedes Jahr sein Bett zwischen zwei und vier Zentimeter tiefer. Dabei sinkt nicht nur der Wasserspiegel des Rheins, sondern auch der in den Hafenbecken, die in ihn münden und demzufolge immer weniger Wassertiefe vorweisen können. Die Duisburger nutzten den Kohlebergbau und senkten durch gezielten Abbau von 12 Millionen Tonnen Kohle in 600 m Tiefe das gesamte Hafengebiet im Verhältnis zum Rhein um etwa 2 Meter ab, was das Wasser in den Becken um dieses Maß steigen ließ.

 

Bei so viel Interessantem endete die zweistündige Fahrt viel zu schnell. An der „Schifferbörse“  gingen wir wieder von Bord, nicht ohne uns von Käpt´n Moser und seiner Mannschaft zu verabschieden und uns für den gelungenen Turn zu bedanken.

 

Herr Padberg brachte uns danach wohlbehalten zurück an unseren Ausgangspunkt an der Klingenhalle in Solingen.

 

Zu danken ist am Ende auch dem Organisator, für die perfekte Tour – und dem Sonnenschein an diesem Tage. ( Verantwortlicher dafür nicht ermittelt )

 

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer) ..............und Organisator