Fahrt nach Dortmund

Siemens Rail Service Center und Hafenführung

 

An der Fahrt nach Dortmund am Dienstag, 04.06.2019 nahmen 35 Vereinsmitglieder teil.

 

Der Bus traf pünktlich beim Siemens Rail Service Center in Dortmund ein. Hier wurde 2017 auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Dortmund-Eving das Rail Service Center gebaut.

Während die erste Gruppe, geführt von Herrn Hellberg, das Instandhaltungswerk besichtigte, fuhr die zweite Gruppe zum Hafen. Hier wurden wir von Frau Iserloh im alten Hafenamt mit Kaffee und Tee begrüßt.

Das Alte Hafenamt Dortmund wurde 1898 im Stil der Neorenaissance mit einem 38 m hohen, einem Leuchtturm ähnlichen, Turm erbaut. Als Hafenverwaltung wurde das Gebäude bis zum Jahr 1962 genutzt.

Besonders sehenswert ist das Mosaik einer mittelalterlichen Kogge im Eingangsbereich. Das farbenprächtige, verschleiß- und rutschfeste „Dortmunder Thonmosaik“ wurde 1898 in der Mosaikfußboden-Manufaktur von Rudolf Leistner hergestellt.

 

Der Dortmunder Hafen ist der größte Kanalhafen Europas. 1892 wurde mit dem Bau des 265 km langen Dortmund-Ems-Kanals begonnen; 1895 erfolgte der erste Spatenstich für den Dortmunder Hafen. Die Herausforderungen dieser Projekte lagen einerseits im Höhenunterschied von 70 m zwischen Emden und Dortmund und andererseits in den verfügbaren Baumaschinen. So ist vom Bau des Hafens mit 5 Hafenbecken und 2,50 m Wassertiefe nur der Einsatz eines einzigen Dampfbaggers bekannt. Die Erdarbeiten wurden im Wesentlichen von Hand vorgenommen.

Der Höhenunterschied wurde durch 16 Schleusenstufen und das Schiffshebewerk in Henrichenburg (16 m Hub) überwunden. Heute ist in Henrichenburg nur noch eine Schleuse in Betrieb und stellt für den Stichkanal zum Dortmunder Hafen ein gefährliches Nadelöhr dar. Nachdem die Schleuse schon im September 2018 außer Betrieb war, wird sie nun vom 15 Juni bis 31. Juli voll gesperrt und bis November nur nachts für den Schiffsverkehr zur Verfügung stehen. Im Mai 2020 wird sie wieder für ca. 6 Wochen gesperrt. Nach diesen Maßnahmen soll die Schleuse dann wieder dauerhaft der Schifffahrt zur Verfügung stehen. Wenn man bedenkt, dass ein modernes Binnenschiff 150 LKW ersetzt, müssen die Wasserwege dringend instandgesetzt werden.

 

Im 2. Stock des alten Hafenamtes nahmen wir dann im „Kaiserzimmer“ Platz und fühlten uns bei den Berichten zur Einweihung am 11. August 1899 in die Kaiserzeit zurückversetzt. Kaiser Wilhelm II kam per Schiff von Henrichenburg. Aus Stoffbahnen war ein Prunktor errichtet und die „Spalierbildungskommission“ hatte neben den Tauben- und Schützenvereinen auch die „höheren Töchterschülerinnen in strahlendem Weiß“ antreten lassen.

 

Nach einem Besuch im nahegelegenen Stahlwerk Union und im Rathaus fuhr der Kaiser nach Essen und übernachtete in der Villa Hügel. (Am 12. August besuchte der Kaiser dann die Kaiser-Wilhelm-Brücke –heute Müngstener Brücke-, die bereits 1897 durch Prinz Friedrich Leopold von Preußen eingeweiht worden war und Schloss Burg [Solinger Tageblatt 26.09.2014].)

 

 

 

 

 

Der Dortmunder Hafen hat heute 10 Hafenbecken

mit einer Uferlänge von 11 km, einer Wassertiefe von 3,50 m und einer Abladetiefe (zulässiger Tiefgang) von 2,80 m. Im Hafengelände sind 160 Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern ansässig. Ursprünglich wurde über den Hafen Dortmund hauptsächlich Eisenerz angeliefert und Kohle verschifft (Güterumschlag 1976: 6,3 Mio t). Der größte Frachtumschlag (Güterumschlag 2016: 2,7 Mio t) erfolgt heute über das Containerterminal Dortmund mit 3 Portalkränen (je max. 60 t) an 450 m Kailänge und einem Portalkran für den Umschlag zwischen Bahn und LKW. Wir beobachteten einen Portalkran bei der Arbeit und gingen dann zum Stadthafen. Hier werden im „Stahlanarbeitungszentrum“ Coils per Schiff oder LKW angeliefert und in einem spanlosen Trennverfahren in schmale Bänder oder in Tafeln geteilt. Wir beobachteten das Handling der schweren Coils mit einem speziellen Hallenkran.

Für die gegenüberliegende Seite des Stadthafens und des Schmiedinghafens gibt es schon seit vielen Jahren Pläne, die teilweise leerstehenden Lagerhäuser abzureißen oder neu zu nutzen. Das Ziel ist, einen „Medienhafen“ zu entwickeln, eine Flaniermeile zu bauen und Gastronomie anzusiedeln.

Wir bedankten uns bei Frau Iserloh für eine spannende Zeitreise im Dortmunder Hafen.

 

Wir fuhren zum gemeinsamen Mittagessen zur Kleingartenanlage „Hafenwiese“, mit 225 Gärten die größte von 118 Anlagen in Dortmund. Vassili und sein Team bewirteten uns mit vorzüglichem Essen an einer langen Tafel auf der schönen Terrasse.

 

Um 14:00 Uhr begann dann für die zweite Gruppe die Führung im Siemens Rail Service Center. Da der RRX (Rhein-Ruhr-Express) am 09.06.19 auf der nächsten Regionalexpress Linie (RE 5 Koblenz – Wesel) in Betrieb geht, waren außergewöhnlich viele neue Fahrzeuge zu sehen. Herr Becker begrüßte uns und erläuterte das Konzept des RRX und die Rolle von Siemens.

Das NRW Verkehrsministerium war maßgeblich an der Konzeption des RRX beteiligt.

Fünf Verkehrsverbünde haben sich zusammengeschlossen und die Betriebsleistungen geplant und beauftragt.

Für den Ausbau der Strecken und die Modernisierung der Bahnhöfe ist DB Netz zuständig.

Siemens hat den Zuschlag für die Lieferung von 82 Elektrotriebzügen Typ Desio HC (Kosten jeweils über 10 Mio €) bekommen, die hauptsächlich in Krefeld gebaut werden.

Siemens hat auch den Zuschlag für die Instandhaltung der Fahrzeuge für 32 Jahre erhalten und dazu das Rail Service Center Dortmund gebaut.

 

Die Aufträge für den Betrieb für 15 Jahre gingen an:

-          Abellio Rail NRW GmbH für RE 1 (Aachen – Hamm ab Juni 2020) und RE 11 (Düsseldorf - Kassel seit Dez. 2018) und

-          National Express Rail für RE 4 (Aachen – Dortmund ab Dez. 2020), RE 5 (Koblenz – Wesel ab Juni 2019) und RE 6 (Köln/Bonn Flughafen – Minden ab Dez. 2019).

 

Mit 800 Fahrgästen (bei Kopplung von 2 Triebzügen) wird das Platzangebot schon jetzt gegenüber dem üblichen Regionalexpress um 200 Plätze erhöht. Im Vollausbau 2030 ist dann auch ein 15 Minuten Takt vorgesehen.

Die Züge machen einen modernen und komfortablen Eindruck. Die Triebwagen haben eine Etage; die beiden mittleren Wagen sind doppelstöckig. Der RRX ist mit Steckdosen und WLAN ausgestattet. Die erste Klasse hat verstellbare Sitze und eingebaute Tische. Die breiten Türen sind, wenn alle Bahnhöfe auf 76 cm Bahnsteighöhe gebracht sind, niveaugleich. Die Klimaanlage hat 4 unabhängige Kreisläufe und eine Störung führt nicht gleich zum Totalausfall. Besonders hat uns die Behindertentoilette im ersten Wagen beeindruckt.

Das Instandhaltungswerk hat 6 Gleise in der 163 m langen Halle. Hier können auch andere Fahrzeuge (Straßenbahnen, Lokomotiven) gewartet werden. Zum digitalisierten Serviceangebot „Instandhaltung 4.0“ gehört die Radsatzdiagnoseanlage mit Lasermessung und der 3D-Drucker.

Die Unterflurdrehbank kann beide Räder einer Achse im eingebauten Zustand abdrehen.

Man erwartet, dass die Drehgestelle erst nach 8 Jahren ganz erneuert werden müssen.

Durch ein instandhaltungsfreundliches Design erwartet Siemens eine sehr hohe Verfügbarkeit der Züge.

Zum Serviceangebot gehören die Innen- und Außenreinigungsanlagen, Enteisungsgeräte, Medienversorgung und -entsorgung und bewachte Abstellgleise mit Fahrdraht.

Das Rail Service Center hat 75 Mitarbeiter. 35 Auszubildende wurden schon beim Bau des RRX in Krefeld geschult.

Wir bedankten uns bei den Herren Hellberg und Becker für die interessanten und äußerst fachkundigen Führungen und begannen nach Zustieg der anderen Gruppe am Hafenamt gegen 16:30 die Rückfahrt nach Solingen.

 

 

 

Organisation, Fotos und Bericht: Roland Meis