Fahrt nach Dortmund, Brauereierlebnis und Phoenix See

 

An der Fahrt nach Dortmund am 26.06.2018 nahmen 52 Vereinsmitglieder teil.

Nach einer kurzen Runde am Dortmunder Nordmarkt erreichte der Bus das Betriebsgelände der einzigen verbliebenen Großbrauerei Dortmunds. Hier wurde 1870 die Borussia-Brauerei gegründet. Ob sie Namensgeber des BVB 1909 war ist umstritten, da sie schon 1901 in Konkurs gegangen war. Ein Gläubiger-Konsortium übernahm die Brauerei und gründete die Hansa Brauerei als Aktiengesellschaft. 1971 wurde Hansa von der Dortmunder Actien Brauerei übernommen, hinter der die Oetker Gruppe steht. Die Marke Hansa wird weiterhin hier gebraut.

Im Brauereimuseum wurden wir von einem gut aufgelegt, fachkundigen Team betreut. Das Museum wurde hier 2006 eröffnet. Der Rundgang begann im Maschinenhaus von 1912 an der imposanten Dampfmaschine. Ab 1880 wurde die Einlagerung von Natureis für die Kühlung des Biers durch Kälteanlagen mit Dampfmaschine und Ammoniakkompressor ersetzt.

 

Ursprünglich wurde im Mittelalter Grutbier aus einer Kräutermischung anstelle von Hopfen gebraut. Da das Grutbier häufiger Vergiftungen hervorrief wurde 1516 das Reinheitsgebot erlassen, das nicht nur die Inhaltsstoffe festlegte, sondern auch den Preis regelte.

Um 1800 war der Bierkonsum pro Kopf durch den steigenden Kaffee und Branntweingenuss, eventuell auch wegen der schlechten Qualität des Biers stark gesunken (auf ca. 25 l/Jahr). Die Industrialisierung mit ihren heißen und kräftezehrenden Arbeitsplätzen im Kohlebergbau und in den Stahlwerken führte zu einem rasanten Anstieg des Bierkonsums. Die Spitze lag 1975 bei 150 l/Kopf und Jahr. Heute liegt der Bierkonsum bei ca. 100 l/Kopf.

Ab 1890 wurde das helle untergärige (Hefe sinkt nach unten) Dortmunder Bier gebraut. Als Dortmunder Export wurde es in alle Welt exportiert.

Eine große, interaktive Karte zeigt die Entwicklung der Brauindustrie in Dortmund. 1901 gab es im Stadtgebiet über 20 Bierbrauereien. 7 davon lagen an der Rheinischen Straße der sogenannten Brauerei-Meile. Einige hatten einen eigenen Bahnanschluss, was die Logistik wesentlich vereinfachte. In den 1960ern wurden in Dortmund mit 6.800 Mitarbeitern 7,5 Mio hl Bier gebraut. Damit war Dortmund zweitgrößte Bierstadt nach Milwaukee in USA.

In den 1980er Jahren gab es noch 5 Brauereistandorte in Dortmund. 

An der Theke aus den 1920er Jahren kann man sich mit alter Fernsehwerbung für Dortmunder Bier in vergangene Jahrzehnte zurückversetzen lassen.

Ein weiteres imposantes Exponat ist der Krupp Bier LKW von 1922. Außerdem sind Abfüll- und Flaschenreinigungs-automaten aus den 1950er Jahren, Etikettier-Maschinen und Kronkorken-Verschlussmaschinen ausgestellt.

 

Am Ausgang des Museums nahmen uns die Braumeister der DAB in Empfang. Im neoklassizistischen Sudhaus der Hansa Brauerei von 1912 wurden wir mit einem Glas Pils begrüßt.

In der DAB werden heute mit 450 Mitarbeitern 2,5 Mio hl in 20 Sorten (u.a. Kronen, Union, DAB, Brinkhoff's, Hansa, Hövels, Ritter, Thier, Stifts, Wicküler, Schlösser Alt, Schöfferhofer Weizen) gebraut und in 80 Länder exportiert.

Deutsche und französische Gerste wird in 5 verschiedenen Malzsorten angeliefert.

Im ersten Schritt wird das Malz geschrotet. Wasser wird erhitzt und das geschrotete Malz unter Rühren hinzugegeben. Später werden der Malztreber und die Würze, der flüssige, vergärbare Teil der Maische, voneinander getrennt. Die Würze wird mit Hopfenpellets aufgekocht. Mit Hilfe von Kieselgur wird der Sud gefiltert. Zuletzt wird abgekühlt und je nach Biersorte die passende Hefekultur zugesetzt. Es werden 3 Hefestämme verarbeitet: obergärige-, untergärige- und Weizenhefe. Jetzt muss das Bier 1 bis 2 Wochen reifen.

 

Die Reinigung der großen Tanks erfolgt mit einem „Zielstrahlreiniger“, den wir im Teststand in Funktion sehen konnten.

 

Bei DAB arbeiten 7 Abfüllanlagen für Flaschen (50.000 Flaschen/h pro Anlage), für Dosen (100.000 Dosen/h), für Partyfässer, für Alufässer und für PET Fässer. Es wird auch für fremde Brauereien (z.B. spanische Marken) abgefüllt.

 

Die überschüssige Hefe wird an die Kosmetik- und Pharmaindustrie und der Treber als Viehfutter verkauft.

 

Dortmund ist auch Logistikzentrum für andere in der Radeberger Gruppe erzeugte Getränke.

 

Zurück im Sudhaus wurden 4 Biere verkostet:

DAB Pils: bitter, Hopfenbetont

Kronen Pils: goldfarben durch geröstetes Malz, wenig bitter, 4,8% Alkohol

Brinkhoff’s No. 1: mittlerer Bittergeschmack

Kronen Export: malzig, leichte Süße, 5,1% Alkohol

Nach einem Imbiss mit Laugenbrezel, Mini-Salzkuchen und Brötchen erhielten wir zur Erinnerung ein Dortmunder „Stößchen“. Dieses traditionelle Glas (ca. 0,1 l) hat trotz aller EU Vorschriften immer noch keinen Eichstrich aber eine Sollbruchstelle, die verhindert, dass fremdes Bier eingeschenkt wird.

 

Auf der Fahrt zum Phoenix See begegneten uns dann einige der alten Brauereistandorte Dortmunds:

Wir fuhren über den Wallring, der auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet wurde. Im Westen der Altstadt liegt die schon erwähnte Brauerei-Meile Rheinische Straße.

 

Das Kellerhochhaus der Dortmunder Union Brauerei ist ein markanter Punkt Dortmunds

Die DUB wurde 1873 gegründet. 1887 wurde angeblich ein heller Fehlsud an einen Aachener Kunden geliefert und fand dort reißenden Absatz. Das Dortmunder Export war geboren. Im Ersten Weltkrieg belieferte die Dortmunder Union-Brauerei die Truppen der deutschen Armee.

1926/27 erfolgte der Bau des Kellerhochhauses innerhalb von nur 14 Monaten. Aus Platzgründen wurde 70 m in die Höhe gebaut; es wurde aber auch als „Zierde ersten Ranges für das Stadtbild“ betrachtet. Ursprünglich war die Dachkuppel als „Beleuchtungspyramide“ von 67 Scheinwerfern beleuchtet und von einem drehbaren Scheinwerfer gekrönt.

Erst 1968 wurde das 9 m hohe goldene „U“ aufgesetzt. Aus diesem Anlass gibt es dieses Jahr das Dortmund Union Jubiläumsbier als Export-Spezialität.

Bis 1994 war hier die Braustätte in Betrieb.

Bei der Umgestaltung zum Zentrum für Kunst und Kreativität wurden 2010 als LED Bildflächen die fliegenden Bilder des Dortmunder Filmemachers Adolf Winkelmann installiert.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Rheinischen Straße befand sich von 1972 bis 2004 die Zentrale der Brau und Brunnen AG zu der auch die Union Brauerei gehörte. Ab 2005 wurde das Verwaltungsgebäude zum etwas plüschigen Unique Hotel umgebaut.

Auf der linken Seite des Walls liegt etwas weiter die ehemalige Thier Brauerei. Heute wird hier im ehemaligen Verwaltungsgebäude als Hausbrauerei „Hövels“ gebraut und ausgeschenkt.

Bei der Fahrt des VTI nach Dortmund 2013 gab es hier das Mittagessen. Auf dem übrigen Gelände befindet sich seit 2011 die Thier Galerie, ein Shopping Center mit 160 Läden und bis zu 90.000 Besuchern am Tag.

Zwei interessante Punkte in Dortmund mit Bezug zu Solingen sind:

1.  Das 1966 eröffnete Schauspiel- und Opernhaus: Das Opernhaus hat von außen als Betonkuppel auf 3 Auflagerpunkten mit 54 m Durchmesser keinerlei Ähnlichkeit mit dem Solinger Theater. Der Saal gleicht jedoch dem Solinger Theater von 1963 mit der dunklen Holzvertäfelung, den pyramidenförmigen Deckenelementen und der roten Bestuhlung wie ein Ei dem anderen.      

2.  Das Bürohochhaus „Ellipson“ mit 17 Etagen wurde 1999 gebaut. Dort hat Frieder Krups, Enkel von Robert Krups aus Solingen, mit seiner Firma Krups-Logistiksysteme, ein vollautomatisches Parksystem für 150 PKW eingebaut.

Kronen Brauerei

Die „Krone am Markt“ gibt es seit 1430 am „Alten Markt“.

Ab 1845 braute Heinrich Wenker dort erstmalig untergäriges dunkles Lagerbier, das 2 bis 3 Monate nahe dem Gefrierpunkt gelagert werden muss.

Mitte der 1850er Jahre entstand in einer Parkanlage an der Märkischen Straße die Kronenburg mit Biergarten, Kegelbahn und Festsaal. 1871 wurde dann eine Großbrauerei errichtet und bis 1996 als Privatbrauerei der Familie Wenker-Brand betrieben. Hier wurde auch das ursprüngliche Brauereimuseum eingerichtet. Der größte Teil der Fläche ist neu bebaut aber Kronenturm und Sudhaus bieten heute immer noch ein trauriges Bild.

 

Bergmann Brauerei

Die Familie Bergmann gründete 1796 in Dortmund-Rahm, im Dortmunder Westen, die Bergmann Brauerei, die bis 1972 als Privatbrauerei geführt wurde. 2005 wurde die Marke reaktiviert und in diesem Frühjahr die neue Braustätte auf Phoenix West, die wir letztes Jahr vom Sky-Walk aus gesehen haben, in Betrieb genommen. Dort gibt es eine Stehbierhalle und es werden auch Brauereiführungen angeboten.

Wir kamen dann nach Hörde; bis 1928 selbstständige Stadt und häufig in Fehde mit der Nachbarstadt Dortmund.

Stifts Brauerei

Auf dem Gelände des ehemaligen Clarissen Stifts wurde 1867 die Stiftsbrauerei gegründet. Noch 1990 wurde ein neues Brauhaus eröffnet. 1996 wurde Stifts zusammen mit Thier und Kronen an die Dortmunder Actien Brauerei verkauft. Anschließend wurden die Gebäude als Medienzentrum und Kletterhalle genutzt. Ein großer Teil des Brauereigeländes gehört heute zur Sparkassenakademie und dem angeschlossenen Hotel „Hampton by Hilton“

Hörder Burg

Seit dem 12. Jahrhundert gab es hier eine Wasserburg.

Die hiesigen Grafen von der Mark und die Grafen von Berg von Schloss Burg waren seit dem 15. Jahrhundert verwandtschaftlich eng verbunden (Großes Gemälde im Rittersaal von Schloss Burg zeigt die Verlobung von Maria von Jülich-Berg mit Johann von Kleve-Mark am 25.11.1496 in Burg).

Im 17. Jahrhundert brannte die Hörder Burg bis auf die Grundmauern ab und wurde dann ohne Wehranlagen wieder aufgebaut. 1840 kaufte der Iserlohner Stecknadel Fabrikant Hermann Dietrich Piepenstock die Burg und das angrenzende Land und gründet die Hermannshütte.

Hermannshütte

1843 wurde hier die Produktion von Stahl aufgenommen. Nach der Gründung einer Aktiengesellschaft 1852 entstand nach englischem Vorbild ein integriertes Stahlwerk mit Hochofen zur Roheisenerzeugung, Puddelwerk zur Veredelung zu Stahl und Walzwerk zur Erzeugung von Eisenbahnschienen und Halbzeugen.

Im Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein stand 1864 die erste Bessemerbirne des Ruhrreviers; Ab 1879 konnten mit dem Thomasverfahren im modernsten Stahlwerk Europas die phosphorhaltigen lothringische Erze verarbeitet werden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor das Werk seine Selbständigkeit und wurde dem rheinischen Phoenix-Konzern angegliedert. 1951 wurde dann mit der Dortmunder Union die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG gegründet.

Die Thomasbirne, die wir auf der Kulturinsel sahen, wurde 1954 hier gebaut und war bis 1964 im Einsatz.

1963 wurde das LD-Stahlwerk nach dem Sauerstoffauf-blasverfahren (Linz-Donawitz-Verfahren) mit 2 Konvertern mit je 180 t Schmelzgewicht, die größten der Welt, in Betrieb genommen.

1966 erfolgte die Zusammenlegung mit Hoesch; Zu diesem Zeitpunkt waren hier ca. 10.000 Menschen beschäftigt und es wurden 280.000 Tonnen Rohstahl pro Monat erzeugt.

Nach der Übernahme durch Krupp und der Fusion mit Thyssen wurde das Werk 2001 stillgelegt und anschließend von der chinesischen Angang Steel demontiert und in China in der Gegend von Peking wieder aufgebaut.

Von 2005 bis 2010 wurde die Fläche für Wohn- und Geschäftsbebauung vorbereitet und mit der Flutung des Phoenix-Sees begonnen. Insgesamt werden über 400 Wohnhäuser und 30 Büro und Dienstleistungsgebäude entstehen.

Der See ist mit 24 Hektar etwas größer als die Binnenalster. Er ist maximal 4,6 m tief. Baden ist aus ökologischen Gründen nicht erlaubt. Der Wassersport hat sich schon gut etabliert. Neben den Segelclubs mit ihren Regatten finden Drachenbootrennen statt. Alle 2 Jahre darf im Rahmen eines Triathlons ausnahmsweise im See geschwommen werden.

Im nächsten Jahr wird die Familienserie „Phoenix See“ im WDR fortgesetzt.

Am See war es leider etwas kühl, da der vom Wetterbericht versprochene Sonnenschein ausblieb. In der am See liegenden Gastronomie fand sich aber für jeden etwas Passendes.

Um 17:00 begann die Rückfahrt nach Solingen.

 

 

 

Organisation und Bericht: Roland Meis

Fotos: Rainer Ziegenbein

 

 

Quellen:                 www.brauereierlebnis-dortmund.de

                               Heimat Dortmund 3/2003

                               Das „Dortmunder U“, Karl-Peter Ellerbrock 2010

                               Wikipedia