VTI-Fahrt nach Köln + Bergisch Gladbach

Deutz AG (Motorenfertigung) + Technikum (Motoren-Museum)

LVR-Museum Papiermühle „Alte Dombach" am 19.04.2016

 

Groß war das Interesse an der zweiten Tour im Jahr 2016, die am Dienstag den 19. April vom Parkplatz an der Klingenhalle startete. Herr Padberg hatte 46 unserer Vereinsmitglieder zur Exkursion nach Köln an Bord des von ihm gelenkten Wiedenhoff-Reisebusses. Da wir schon kurz vor Opladen im Stau standen, wählte unser Fahrer die Ausweichroute durch Leverkusen und das rechtsrheinische Köln, um rechtzeitig zur Deutz AG zu kommen. Vorbei am riesigen alten Werksgelände in Köln-Deutz mit den langsam verfallenden Produktionshallen kamen wir auch rechtzeitig am neuen Standort in Köln-Porz an, wo uns Herr Gadsch am Haupteingang begrüßte und mit der ersten Gruppe von uns die Werksführung Richtung Technikum begann. Die zweite Gruppe fuhr mit dem Bus, geleitet vom Werksführer Herr Asselborn, bis zum Ende des Firmengeländes, von wo es dann zu Fuß weiterging.

Aber zuerst einige Informationen zum Unternehmen – die Deutz AG ist ein unabhängiger an der Börse notierter deutscher Motorenhersteller mit Sitz in Köln, der 1864 durch Nicolaus August Otto gegründet wurde und der 1868 mit der Serienfertigung von Gaskraftmaschinen begann und somit der älteste Motorenhersteller der Welt ist. Bekannt wurde das Unternehmen später unter den drei Buchstaben KHD (Klöckner-Humboldt-Deutz). Hergestellt wurden luft- und flüssigkeitsgekühlte Dieselmotoren, aber auch Ottomotoren, Kraft- und Nutzfahrzeuge wie LKW, Busse und Lokomotiven sowie Land- und Baumaschinen. Auch im Anlagenbau war man tätig. Das bekannte Zeichen des Unternehmens symbolisiert ein großes „M“, das für den 1936 übernommenen Ulmer Fahrzeugbauer Magirus steht und die stilisierte Silhouette des Ulmer Münsters zeigt. Seit Januar 1997 firmiert man wieder unter dem Namen Deutz AG und fertigt als unabhängiger Hersteller Dieselmotoren in der Leistungsklasse von 25 bis 520 kW (34 bis 707 PS). Der größte Anteileigner ist der schwedische LKW- und Baumaschinenhersteller Volvo AB, der 25% der Aktien in seinen Händen hält. Im Jahre 2015 wurden über 137.000 Motoren vertrieben, was einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro ergab, der von über 3700 Mitarbeitern erwirtschaftet wurde.

Herr Asselborn, der heute als ehrenamtlicher Guide Gäste durch das Unternehmen führt, war in seinem aktiven Berufsleben Leiter des Ausbildungswesens und kennt infolgedessen die Fertigung und viele Werktätige sehr gut. Unsere Führung startete dort, wo alle Teile für die Motoren-Montage angeliefert werden. Bei einer Doppelschicht pro Arbeitstag werden etwa 80 LKW-Ladungen benötigt, die das Logistik-Unternehmen Stute mit speziellen Roll-on/Roll-off Sattelzügen anliefert. Wenn der Truck rückwärts an der Rampe positioniert ist, schließt der Fahrer den LKW mit zwei Kabeln an, dann öffnen sich die Rolltore des Aufliegers und der Halle und das Ladegut wird per Rollband vollautomatisch entladen. Über die Datenleitung, die den Bordcomputer im Fahrerhaus des Trucks mit dem Werk verbindet, werden die Daten der Ladung übermittelt, somit sind keine weiteren Papiere erforderlich. In der Halle übernehmen mehr als 50 fahrerlose Transportsysteme (FTS), die wie unbemannte Gabelstapler aussehen und die sich per Lasernavigation orientieren, den Weitertransport und die Verteilung der angelieferten Teile und Baugruppen zu den einzelnen Stationen der Motoren-Montage und dann auch den Rücktransport der fertigen Motoren zum Versand.

Von der Galerie in der Montagehalle konnten wir sehr gut die einzelnen Stationen der Motorenmontage überblicken und beobachten, wie in kleinen Arbeitsgruppen Schritt für Schritt die einzelnen Motoren entstanden, unterstützt von relativ wenigen Robotern, die einfache Montageschritte ausführen wie z. B. das Auftragen von Dichtmitteln. Der Automatisierungsgrad ist deshalb niedrig, weil die unterschiedlichsten Varianten der flüssigkeitsgekühlten und mit Diesel oder Gas betriebenen Vier- und Sechszylinder-Reihenmotoren mit verschiedenen Abgasnachbehandlungssystemen nach kundenspezifischen Anforderungen entstehen. Deshalb werden sehr gut ausgebildete Montagearbeiter benötigt, die einen Motor nach Stückliste zusammensetzen können. Die fertig montierten Motoren erhalten dann in der Spritzkabine durch Roboter die vom Kunden gewünschte Lackierung, an der bei den meisten zu erkennen ist, ob sie bald in einem Traktor von Deutz-Fahr, SAME, Lamborghini oder Hürlimann Dienst tun werden oder in einem Volvo-Truck oder in einer Volvo-Baumaschine. Bevor es so weit ist, muss jeder von ihnen noch auf einem der 15 Prüfstände seine Leistungsfähigkeit nach Kundenanforderung beweisen. Alle 90 Sekunden kommt im Durchschnitt ein fertiger Motor im Lager am Ende der Montagehalle an, von wo er dann weltweit versandt wird.

Damit war die Führung durch die Motorenfertigung beendet und Herr Padberg brachte unsere Gruppe zurück zum Technikum, dem Motoren-Museum der Deutz AG, das unser nächster Besichtigungspunkt war und in dem man auf über 150 Jahre Motorengeschichte zurückblicken kann. Herr Asselborn geleitete uns zuerst in die oberste Etage, wo wir zunächst Platz nehmen durften, worüber mancher von uns sicher nicht traurig war. Danach führte er uns in einem kleinen Vortrag in die Entstehungsgeschichte des Verbrennungsmotors ein, die mit Nicolaus August Otto und seinem Partner Eugen Langen, dem Erfinder der Wuppertaler Schwebebahn, begann und die von so bekannten Technik-Pionieren wie Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Ettore Bugatti begleitet wurden. Die Führung durch die historisch einmalige Motorensammlung begann beim 1867 entwickelten ersten in nennenswerten Stückzahlen gefertigten Verbrennungsmotor der Welt, der atmosphärischen Gaskraftmaschine. 1876 folgte dann der erste Viertakt-Versuchsmotor, der damals schon nach dem gleichen Prinzip arbeitete wie alle modernen Viertaktmotoren heute – Ansaugen, Verdichten, Verbrennen und Ausstoßen – 1878 ging dann die Serienversion als stationäre Kraftmaschine in Produktion, die damit von Köln-Deutz aus die Motorisierung der Welt in die Wege leitete. Im Jahre 1884 entwickelte Otto mit der Niederspannungs-Magnetzündung die Voraussetzung, um statt Gas flüssige Kraftstoffe als Energiequelle für die Motoren zu nutzen, was größere Mobilität ermöglichte und die Notwendigkeit für deren Einsatz in Fahrzeugen war. Mehr als 50 historische Motoren sind im Technikum ausgestellt, jeder interessant genug, um sich genauer damit zu befassen. Wir bedankten uns bei unseren Werksführern Herr Asselborn und Herrn Gadsch für die hochinteressante Führung mit den informativen und verständlichen Erklärungen und der Deutz AG, dass sie uns die Möglichkeit bot, bei ihr als führendem Motorenhersteller etwas hinter die Kulissen zu schauen.

Zum Mittagessen waren wir im Restaurant „Himmel un Äd“ direkt am Porzer Rheinufer angemeldet, wo wir den Ausblick auf den Rhein sowie Speis und Trank genossen. Ausgeruht und gut gestärkt ging es anschließend weiter nach Bergisch Gladbach zum LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach, einer ehemaligen Papierfabrik, die wir leider wegen katastrophaler Verkehrsverhältnisse in Bergisch Gladbach viel zu spät erreichten. So war bedauerlicherweise keine Zeit mehr für die geplante Museumsführung durch den idyllisch gelegenen alten Fachwerkkomplex, der ein wenig versteckt im Tal der Strunde liegt. Seit 1620 lebten und arbeiteten dort Papiermacher. Wie das damals vor sich ging, zeigte uns ein Museumsmitarbeiter an einem mit wässrigem Faserbrei gefüllten Holzbottich, aus dem mithilfe eines Schöpfrahmens das bekannte Büttenpapier geschöpft wurde. Die industrielle Herstellung von Papier konnten wir an einer kleinen Laborpapiermaschine verfolgen, die genau so funktioniert wie die Papiermaschine PM4, ein vierzig Meter langer und fünf Meter hoher Koloss, den wir in einer nahegelegenen alten Industriehalle bestaunten. Sie wurde 1889 in Betrieb genommen und war bis ins Jahr 1991 in der nicht weit entfernten Papierfabrik Zanders im Einsatz. Im Untergeschoß des alten Mühlengebäudes bekamen wir ein Lumpenstampfwerk vorgeführt, das vom hölzernen Mühlrad vor dem Haus direkt über eine dicke hölzerne Welle angetrieben wird und das im Betrieb ein auf Dauer ohrenbetäubendes Hämmern produziert, wenn es alte Textilien zu Brei zerstampft, einen wichtigen Grundstoff für die damalige Papierherstellung, der aber auch noch heute in geringen Mengen genutzt wird.

Auf dem weiteren Weg durch das Museum werden ehemalige Papierprodukte und historische Verpackungen gezeigt, die vielen von uns aus jüngeren Jahren ein Begriff sind. So haben wir dann letztendlich doch noch einiges über ein Produkt erfahren, von dem heute Millionen Tonnen im Jahr hergestellt werden. Wir bedankten uns bei dem LVR-Mitarbeiter, der uns trotz seines Feierabends in die Geheimnisse der Papierherstellung eingeführt hat.

Zu danken haben wir auch Herrn Padberg, der uns nach der Fahrt durch das von der Abendsonne strahlend schön beleuchtete Bergische Land wieder wohlbehalten in Solingen ablieferte.

Organisation: Jürgen Stamm

 

 

Gerhard Moch (Schriftführer)